Filmproduzent kommt glimpflich davon

Supermodel protestiert gegen Weinstein-Urteil: „F**k Harvey“

Hollywood-Mogul Harvey Weinstein lässt für mutmaßliche Opfer Geld springen - muss aber keine Schuld eingestehen. Es hagelt Proteste gegen das Urteil.

  • Harvey Weinstein (67) ist der Vergewaltigung angeklagt und steht ab Januar 2020 vor Gericht.
  • Die Staatsanwaltschaft vermutet bei dem Hollywood-Mogul Fluchtgefahr.
  • Nun vereinbarte Entschädigungszahlungen rufen bei Weinsteins Gegner Empörung hervor, so auch bei Model Emily Ratajkowski.

Update vom 13. Dezember 2019: Der Prozess gegen Harvey Weinstein und der Deal, der ihn ohne Schuldeingeständnis davon kommen ließ - das stößt vielen Künstlerinnen in Hollywood übel auf. So auch Model Emily Ratajkowski (28). Bei der Premiere des Films „Uncut Gems“, bei dem ihr Ehemann Sebastian Bear-McClard als Produzent fungierte, sorgte sie mit einer eindeutigen Botschaft an Weinstein für Aufsehen. Mit einem Filzstift schrieb sie sich „f**kharvey“ auf den Oberarm.

Emily Ratajkowski.

Bei Instagram erklärte sie ihre Aktion: „Heute haben Harvey Weinstein und sein ehemaliges Filmstudio mit seinen Opfern einen Deal über 25 Millionen Dollar abgeschlossen. Weinstein, dem Straftaten vorgeworfen werden, die von sexueller Belästigung bis hin zu Vergewaltigung reichen, muss kein Fehlverhalten eingestehen oder sein eigenes Geld bezahlen.“

Schauspielerin Katherine Kendall (50) sprang Ratajkowski zur Seite. Sie sagte der „New York Times“: „Ich finde diese Einigung nicht gut, aber ich weiß nicht, wie ich ihn sonst dafür zahlen lassen kann, was er mir angetan hat.“

In einem Interview mit der New York Post, äußert sich Harvey Weinstein nicht dazu. Viel mehr sieht er sich selbst als Opfer, da seine Arbeit in Vergessenheit geraten würde und er viel für die Frauen der Filmbranche getan habe. 

Schlimme Vorwürfe gegen Hollywood-Star: Mehr als 30 Frauen sollen Geld erhalten – aber nicht von ihm selbst

Erstmeldung vom 12. Dezember 2019: New York - Er hat den Hashtag #MeeToo „inspiriert“, den am meisten genutzten Hashtag seiner Art. Nach und nach berichteten Frauen über unangenehme Vorfälle mit Harvey Weinstein, eine berühmte Schauspielerin nannte den Hollywood-Mogul gar„mein Monster“. Jetzt muss er zahlen - aber keine Schuld eingestehen. Harvey Weinstein hat eine Grundsatzvereinbarung über Entschädigungszahlungen an dutzende Frauen geschlossen, die ihm sexuelle Gewalttaten vorwerfen. Insgesamt  gehe es um 25 Millionen Dollar, das sind etwa 22,4 Millionen Euro. Das sagte der Anwalt eines der mutmaßlichen Opfer der Nachrichtenagentur AFP.

Vorwürfe gegen Harvey Weinstein reichen von Belästigung bis hin zu Vergewaltigung

Die Millionensumme soll den Angaben zufolge unter mehr als30 Schauspielerinnen und früheren Angestellten Weinsteins aufgeteilt werden, die juristisch gegen den ehemaligen Filmproduzenten vorgegangen sind. Die von diesen Frauen erhobenen Anschuldigungen reichen von sexueller Belästigung bis Vergewaltigung.

Die Vereinbarung muss allerdings noch von allen beteiligten Parteien unterzeichnet und von einem Gericht genehmigt werden, sagte der Anwalt Aaron Filler, der die Schauspielerin Paz de la Huerta vertritt. Filler äußerte die Erwartung, dass seine Mandantin der Vereinbarung beitritt. De la Huerta wirft Weinstein vor, sie im Jahr 2010 vergewaltigt zu haben.

Laut dem auf Promi-News spezialisierten US-Webportal TMZ muss Weinstein im Rahmen der Vereinbarung keinerlei Schuld eingestehen. Der 67-Jährige beteuert bis heute, alle seine sexuellen Kontakte hätten im gegenseitigen Einvernehmen stattgefunden. Auch muss Weinstein die Entschädigungen laut TMZ nicht aus eigener Tasche bezahlen. Vielmehr sollten die Versicherer seines bankrotten früheren Filmstudios die Zahlungen übernehmen, berichtete das Portal.

Harvey Weinstein vor Gericht.

Fall Harvey Weinstein: „Das System ist kaputt“

Die Vereinbarung stieß bei einem Teil der Frauen, die sich als Weinstein-Opfer bezeichnen, und deren Anwälten auf vehemente Kritik. „Wir weisen die Vorstellung zurück, dass dies die beste Einigung war, die im Namen der Opfer erzielt werden konnte“, erklärte der Anwalt Douglas Wigdor, der zwei mutmaßliche Weinstein-Opfer vertritt.

Auch die „Time's Up“-Kampagne gegen sexuelle Übergriffe und Gewalt, die aufgrund der Vorwürfe gegen Weinstein entstanden war, kritisierte die Vereinbarung als zu begrenzt. Wenn dies die bestmögliche Lösung für die Opfer sei, „dann ist das System kaputt“, erklärte die Kampagne:

Durch die Vereinbarung kommt Weinstein allerdings nicht um seinen Strafprozess in New York herum, der im Januar beginnen soll. In diesem Verfahren geht es um Fälle, die von der Vereinbarung nicht erfasst sind.

Bei einem Gerichtstermin am Mittwoch zur Vorbereitung des Prozesses teilte Weinsteins Anwalt Arthur Aidala mit, dass sich sein Mandant an diesem Donnerstag einer Rückenoperation unterziehen werde. Zu dem für den 6. Januar geplanten Prozessbeginn werde Weinstein dennoch erscheinen können. Laut Aidala leidet Weinstein an den Folgen eines Autounfalls im August. Der einst mächtige Filmproduzent nahm an dem Termin am Mittwoch teil und stützte sich dabei auf eine Gehhilfe.

Video: Weinstein lässt sich am Rücken operieren

Richter James Burke erhöhte zudem Weinsteins Kaution von einer auf zwei Millionen Dollar. Die Staatsanwaltschaft hatte vergangene Woche eine drastische Erhöhung auf sogar fünf Millionen Dollar gefordert. Sie begründete dies mit Fluchtgefahr: Der einstige Hollywood-Mogul könne versuchen, vor Prozessbeginn aus dem Land zu fliehen. Nach Angaben der Staatsanwälte war in den vergangenen Monaten wiederholt kein Signal von der elektronischen Fessel des früheren Hollywoodmoguls empfangen worden.

In dem New Yorker Prozess soll es um die Anschuldigungen zweier Frauen gehen, die Weinstein eine Vergewaltigung im Jahr 2013 und erzwungenen Oralverkehr im Jahr 2006 vorwerfen. Weinstein droht lebenslange Haft.

AFP/frs

Rubriklistenbild: © AFP / Jean Baptiste Lacroix

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