Scheinhinrichtungen: Staatsanwalt ermittelt gegen Piraten

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Die Hansa Stavanger ist frei.

Hamburg - Die Staatsanwaltschaft Hamburg hat nach der Freilassung des Frachters “Hansa Stavanger“ Ermittlungen gegen die Piraten eingeleitet.

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„Hansa Stavanger“ ist frei

“Wir haben zudem ein Rechtshilfeersuchen an die kenianische Regierung gestellt“, sagte Oberstaatsanwalt Wilhelm Möllers am Dienstag der AP . Die Bundeswehr teilte mit, dass schwer bewaffnete deutsche Marinesoldaten an Bord des Frachters die Fahrt nach Mombasa in Kenia sichern. Zudem versorge ein Rettungssanitäter die 24 Besatzungsmitglieder, darunter auch fünf Deutsche. Möllers zufolge beabsichtigt das Bundeskriminalamt (BKA), die Geiselopfer nach ihrer Ankunft in Mombasa zu vernehmen und vor Ort “Tatort- und Spurenarbeit“ zu betreiben.

Die Behörden ermitteln wegen Angriffs auf die Seeverfassung und schwerer räuberischer Erpressung. Darauf stehe im Regelfall ein “Strafrahmen von zehn bis 15 Jahren“, sagte Möllers. Reeder Frank Leonhardt sagte am Dienstag : “Keiner von uns vermag sich vorzustellen, welche unzumutbare Belastung das gewesen ist.“ Per Telefon habe er mit Besatzungsmitgliedern gesprochen und erfahren, dass es allen den Umständen entsprechend gut gehe, sagte der Inhaber der Reederei Leonhardt & Blumberg.

Nach Angaben einer Regierungssprecherin hofft Bundeskanzlerin Angela Merkel , “dass die freigelassenen Besatzungsmitglieder und ihre Angehörigen sich von den Strapazen und seelischen Belastungen der letzten Wochen möglichst schnell erholen“. Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier wünschte den Freigelassenen und ihren Angehörigen “Kraft, gemeinsam die Strapazen zu verarbeiten“. Er dankte dem Krisenstab, allen beteiligten Behörden sowie der Reederei, “die sich unermüdlich für eine Lösung eingesetzt haben“.

Reeder nennt Piraten “skrupellose Kriminelle“

Leonhardt wollte Medienberichte nicht bestätigen, wonach 2,7 Millionen US-Dollar für die Freilassung der 24 Seeleute gezahlt wurden. Der Reeder bezeichnete die Piraten als “skrupellose Kriminelle“, die in den vier Monate dauernden Verhandlungen “keine verlässlichen Gesprächspartner“ gewesen seien. Die Dauer der Entführung habe sich verzögert, da “viele Aussagen der Gegenseite wenige Stunden später nichts mehr wert waren“. Den Besatzungsmitgliedern bot der Reeder psychologische Betreuung an. Im Hafen von Mombasa sollen sie von einem Team der Reederei empfangen und zunächst in einem Hotel untergebracht werden, um sie später in ihre Heimatländer auszufliegen.

“Alle Besatzungsmitglieder wurden untersucht und sind wohlauf. Es gibt keine Verletzten und keine medizinische Notlage“, teilte die Bundeswehr mit. Unmittelbar nachdem die Piraten am Montagabend das Schiff verlassen hätten, habe ein Bundeswehrhubschrauber ein speziell ausgebildetes Team von Marinesoldaten auf dem Frachter abgesetzt. Auf ihrer Fahrt nach Mombasa wird die “Hansa Stavanger“ jetzt von den Fregatten “Rheinland-Pfalz“ und “Brandenburg“ begleitet. Die für Donnerstag vorgesehene Ankunft des Schiffes werde sich voraussichtlich verzögern, sagte ein Sprecher der Reederei. Der Rumpf des Schiffes sei während der langen Liegezeit mit Muscheln zugewuchert und könne daher nicht die volle Geschwindigkeit aufnehmen.

Feldjäger sichern Spuren an Bord

Um eine Strafverfolgung der Piraten aufnehmen zu können, sichern laut Bundeswehr Feldjäger Spuren auf dem Frachter. “An Bord befinden sich größere Mengen Patronenhülsen und Blindgänger“, teilte die Bundeswehr mit. Wie mehrere Medien berichteten, hatten die Piraten Scheinhinrichtungen vorgenommen, bei denen sie den Seeleuten die Augen verbanden, dann aber neben sich schossen. Eine BKA-Sprecherin erklärte, für die Strafverfolgung der Piraten sei nun die Staatsanwaltschaft Hamburg zuständig, da das Schiff unter deutscher Flagge fährt und die Reederei ihren Sitz in Hamburg hat.

ap

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