Massive Ausschreitungen in Port-au-Prince

Port-au-Prince - In der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince schlägt die Verzweiflung vieler Überlebender des Horror-Bebens zunehmend in Gewalt um. Bislang sind 70.000 Leichen geborgen worden.

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Immer häufiger kommt es zu Plünderungen. Mehr als fünf Tage nach dem verheerenden Erdbeben finden Rettungskräfte aber auch noch weiter Überlebende. Allerdings sinkt die Chance für die Verschütteten von Stunde zu Stunde dramatisch. Offiziell sind bislang mindestens 70.000 Leichen geborgen worden. Diese Zahl nannte der haitianische Ministerpräsident Jean-Max Bellerive am Sonntag dem amerikanischen Fernsehsender ABC. Viele Erdbebenopfer seien jedoch von Familienangehörigen beigesetzt worden. Dazu lägen keine Schätzungen vor. Unter den Trümmern eines eingestürzten Hotels entdeckten Helfer mit Suchhunden ein 16 Jahre altes Mädchen und bargen es. Auch auf dem Gelände des zerstörten UN-Hauptquartiers in der haitianischen Hauptstadt wurde am Sonntag ein Mitarbeiter aus den Trümmern gerettet. Mindestens 39 seiner Kolleginnen und Kollegen kamen dort aber um - darunter auch der Chef der UN-Mission, Hedi Annabi. Nach Angaben der Vereinten Nationen haben mehr als 1.700 Rettungskräfte bislang über 70 Menschen lebend aus den Trümmern gerettet. Verschüttete könnten unter optimalen Bedingungen bestenfalls bis Montag überleben, erklärte eine UN-Sprecherin.

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Erschütternde Szenen spielten sich in einem stark zerstörten Altenheim ab. Für die 85 überlebenden Bewohner gibt es weder Lebensmittel noch Wasser oder Arzneimittel. Ein Bewohner ist bereits gestorben, weitere werden unweigerlich folgen, wenn nicht unverzüglich Wasser und Nahrungsmittel in dem Heim nur gut einen Kilometer vom Flughafen entfernt eintreffen, wie Leiter Jean Emmanuel sagt.

Am Alten Markt im Stadtzentrum ging die Polizei mit Tränengas gegen hunderte von steinewerfenden Plünderern vor. Mit Lastwagen fuhren die Sicherheitskräfte in die Menge und versuchten so, die Menschen auseinanderzutreiben. In vielen Straßen der in Trümmern liegenden Stadt waren Gewehrschüsse zu hören. Vermummte junge Männer zogen mit Macheten durch die Stadtviertel. Die Behörden warnten davor, dass sich die Gewalt weiter ausbreiten könnte. Mindestens zwei Plünderer wurden bereits von Anwohnern zusammengeschlagen und erschossen.

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Auch gegen Präsident Rene Preval richtet sich der Zorn der Menschen. Bislang ließ sich Preval weder bei den Rettungskräften sehen, noch wandte er sich seit dem Beben direkt an das Volk. Deshalb mehren sich die Rufe nach einer Rückkehr von Jean-Bertrand Aristide, der 2004 abgesetzt wurde und derzeit im Exil in Südafrika lebt.

Däne lebend gerettet

Fünf Tage nach dem Erdbeben in Haiti ist ein Däne lebend und ohne physische Schäden aus den Ruinen eines eingestürzten Gebäudes befreit worden. Wie Angehörige des UN-Mitarbeiters Jens Tranum Kristensen am Montagmorgen im Rundfunk berichteten, meldete sich der Gerettete in der Nacht mit einer Mail. Es gehe ihm gut, teilte Kristensen mit. Die britische BBC zeigte Bilder, auf denen der Däne auf einer Bahre weggetragen wurde und die Arme bewegen konnte.

Er war am Sonntag aus den Ruinen des UN-Hauptquartiers in Port-au-Prince befreit worden, kurz nachdem sich dort der Generalsekretär der Weltorganisation, Ban Ki Moon, bei einem Besuch ein eigenes Bild von den Zerstörungen gemacht hatte. Später nannte Ban die Rettung des Dänen “ein kleines Wunder“. Nach UN-Angaben sind mindestens 40 UN-Mitarbeiter bei dem Erdbeben ums Leben gekommen. Insgesamt 330 weitere werden vermisst.

dpa/ap

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