Mehr als 1400 Tote

Haiti: Nach schwerem Erdbeben und Hunderten Toten – jetzt drohen auch noch Überschwemmungen

Erdbeben auf Haiti
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Eingestürzte Gebäude in Les Cayes.

Haiti wurde die letzten Jahre immer wieder von schweren Naturkatastrophen heimgesucht. Nach dem Erdbeben am Samstag zieht das bereits zerrüttete Land erneut traurige Bilanz.

Les Cayes – Drei Tage nach dem schweren Erdbeben kam es in der betroffenen Region im Südwesten Haitis zu starken Regenfällen. In der Nacht zum Dienstag, 17. August, (Ortszeit) hat das Tiefdruckgebiet „Grace“ für Überschwemmungen gesorgt. Das US-Hurrikanzentrum warnt vor Erdrutschen auf Teilen der Insel Hispaniola, auf der Haiti und die Dominikanische Republik liegen.

In einer Notunterkunft in der Stadt Les Cayes stand das Wasser knöchelhoch, wie die dpa berichtet. Nach dem Erdbeben am Samstag seien viele Menschen obdachlos geworden. Unterdessen ist die Zahl der geborgenen Todesopfer nach Angaben der Zivilschutzbehörde auf mittlerweile 1419 gestiegen. Mehr als 6900 Personen sind verletzt, 37.000 Häuser seien zerstört oder schwer beschädigt. Zahlreiche Menschen gelten weiterhin als vermisst, doch die Einsatzkräfte rechnen nicht mehr damit, diese lebendig aus den Trümmern bergen zu können.

Krisensituation: Nach Erdbeben drohen Haiti jetzt auch Überschwemmungen

Das Beben der Stärke 7,2 hatte sich am Samstagmorgen, 14. August, (Ortszeit) nahe der Gemeinde Saint-Louis-du-Sud im südwestlichen Teil Haitis ereignet und das Land hart getroffen. Tausende Gebäude stürzten ein, doch die Rettungskräfte rechnen kaum noch damit, Überlebende zu finden. Auch Krankenhäuser der Region sind stark überlastet. Es mangele an Schmerzmitteln und Metallklammern zur Behandlung von Brüchen, berichtet Paurus Michelete, ein Arzt des Krankenhauses in Les Cayes, vor dem seit Tagen etliche Menschen auf die Behandlung ihrer Verletzung warten.  „Wir sind nicht mehr aufnahmefähig und es kommen immer weiter Leute.“, ergänzt Michelete.

Auch Henrietta Fore, leitende Direktorin des Hilfswerks Unicef, beurteilte die Lage als sehr kritisch: Es gebe viele Betroffene, die unbedingt medizinisch versorgt werden müssen, Wasser benötigen oder eine neue Unterkunft. Aus dem Ausland sind bereits Hilfskräfte eingereist, um sich an der Rettung und den Bergungsaktionen etlicher Vermissten zu beteiligen.

Nach Erdbeben: Politische Krise in Haiti verschärft sich

Derweil kritisiert die haitianische Menschenrechtsorganisation RNDDH die Regierung für ihren Umgang mit der Katastrophe schwer: Die vielen Erdbebenopfer seien „völlig sich selbst überlassen“. Um sich vor dem Unwetter zu schützen, suchten einige selbst nach Zelten. Darauf reagierte Interimspräsident Ariel Henry mit einer Ankündigung auf Twitter: „Wir werden unsere Energien verzehnfachen, um die größtmögliche Zahl von Opfern zu erreichen und ihnen zu helfen“. Aufgrund der schrecklichen Ereignisse ordnete Henry eine dreitägige Staatstrauer an.

Trotz des verheerenden Erdbebens 2010, bei dem mehr als 220 000 Menschen ums Leben kamen, war das Land nicht auf ähnliche Katastrophen vorbereitet. Die Bevölkerung hatte gerade begonnen sich zu erholen als 2016 der Hurrikan Matthew die Region erneut verwüstete. Haiti zählt bereits zu einem der ärmsten Länder der Welt, doch die instabile politischen Lage macht dem Land noch mehr zu schaffen. Nach der Ermordung des Staatspräsidenten Jovenel Moïse* am 7. Juli durch eine Kommandogruppe verschärft sich die Krisensituation noch mehr. Nun bereitet die Bandengewalt vielen Einwohnern und Hilfskräften zusätzliche Sorgen: Sie blockieren immer wieder die Hauptstraße, die Port-au-Prince mit den südlichen Teilen des Staates verbindet. Das erschwert den Transport von Hilfsgütern in die betroffene Region. *Merkur.de ist ein Angebot der IPPEN.MEDIA. (klb/dpa)

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