Großaufgebot im Einsatz gegen Super-GAU

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Am AKW Fukushima rücken neue Techniker, Feuerwehrleute und Soldaten an.

Tokio - Neue Techniker, Feuerwehrleute und Soldaten rücken an. Mit einem Großaufgebot versucht Japan den drohenden Super-GAU im AKW Fukushima abzuwenden. Wasserkanonen und Notstrom sollen helfen. Die Lage der Erbebenopfer bleibt dramatisch.

Live-Ticker: Die Atom-Katastrophe in Japan

Kernschmelze oder allmähliches Abkühlen: Auch eine Woche nach dem schweren Erdbeben in Japan steht das Schicksal des havarierten Atomkraftwerks Fukushima Eins weiter auf Messers Schneide. Ein zusätzliches Krisen-Kommando aus Technikern, Soldaten und Feuerwehrleuten soll unter extremer Strahlenbelastung die vier beschädigten Reaktoren abkühlen. Die atomare Krise erlaube keinen Optimismus, sagte Ministerpräsident Naoto Kan am Freitag in einer Fernsehansprache. Die Lage werde aber “in nicht weiter Ferne“ unter Kontrolle gebracht.

In den Notquartieren der Erdbebenopfer herrschen weiter dramatische Zustände. Kan versuchte, seinen Mitbürgern nach dem Erdbeben und Tsunami vom vergangenen Freitag Mut zuzusprechen. “Japan als Land wird die Katastrophe überwinden und sich erholen“, sagte er.

Japan-Katastrophe: Bilder vom Freitag

Japan-Katastrophe: Bilder vom Freitag

Die Einsatzkräfte kämpfen auf dem Gelände der Kraftwerksanlagen weiter mit einfachsten Mitteln. Soldaten bespritzen aus Wasserwerfern den mit hoch giftigem Plutonium bestückten Reaktor 3. So sollen die erhitzten Brennstäbe gekühlt werden. Eine erste Notstromleitung in das AKW steht. Damit sollen die Kühlkreisläufe wieder in Gang gebracht werden. Ob das gelingen kann, ist wegen der gewaltigen Zerstörungen in der Anlage ungewiss.

Die Notbesatzung der Atomanlage, in den Medien als “Fukushima 50“ bezeichnet, hat inzwischen neue Unterstützung von außen. Mehr als 120 Männer seien an dem strahlenden Wrack im Einsatz, darunter auch Spezialisten anderer Atomkonzerne, sagte ein Sprecher der Betreibergesellschaft Tepco der Nachrichtenagentur dpa am Freitag. Japanische Medien berichteten, es seien rund 140 Feuerwehrleute auf dem Weg zum Kraftwerk, um die dort operierenden Militärs zu unterstützen. Dank der jüngsten Einsätze sei die Strahlung leicht zurückgegangen, teilte AKW-Betreiber Tepco mit.

Ungeachtet dessen stuften die japanischen Behörden die Gefährlichkeit des Störfalls im Atomkraftwerk Fukushima hoch. Die Havarie wurde von Stufe 4 auf Stufe 5 der internationalen Bewertungsskala Ines eingeordnet, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo. Die Skala bewertet Stufe 4 als einen “Unfall mit lokalen Konsequenzen“, Stufe 5 als “Unfall mit weitreichenden Konsequenzen“. Die höchste Stufe 7 wurde bislang nur einmal erreicht - bei der Nuklearkatastrophe im ukrainischen Tschernobyl im Jahr 1986.

Japan-Katastrophe: Bilder vom Freitag

Die schwersten Erdbeben der vergangenen 50 Jahre

Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA kritisierte die bisherige Informationspolitik Japans zum Fukushima-Drama. Japans Ministerpräsident Naoto Kan sicherte IAEA-Chef Yukiya Amano bei einem Treffen in Tokio zu, die internationale Öffentlichkeit besser über die Entwicklungen zu informieren. Aus dem AKW entwich am Freitag weiter radioaktiver Dampf, wie Regierungssprecher Yukio Edano sagte.

Mitarbeiter der IAEA sind erstmals auf dem Weg zum Unglücksmeiler, um sich persönlich ein Bild vom Ausmaß der Schäden zu machen. Sie sollen auch selbst die radioaktive Strahlung messen. Über das Ausmaß der Strahlung hatte es in den vergangenen Tagen häufig widersprüchliche Angaben von japanischer Seite gegeben. Es gab Kritik etwa aus den USA, dass Japan die Gefahren für die Menschen in der Region unterschätze.

Meteorologen gaben für den Großraum Tokio mit etwa 35 Millionen Menschen zunächst weiter Entwarnung. Bis zum Wochenende wehe der Wind nach wie vor aus Westen und damit vom AKW auf den Pazifik hinaus. Allerdings soll der Wind am Montag wieder Richtung Süden und damit auf Tokio drehen.

Japan-Katastrophe: Die Bilder vom Donnerstag

Japan-Katastrophe: Die Bilder vom Donnerstag

Am schlimmsten ist die Situation weiterhin an den Blöcken 3 und 4. Dort sollen die Wasserwerfer vorrangig zum Einsatz kommen. Betreiber Tepco hofft, die Reaktoren 1 und 2 am Samstag mit Strom versorgen zu können. Das berichtete der Sender NHK.

Für Sonntag sei auch ein Anschluss der Reaktoren 3 und 4 an das Stromnetz geplant, teilte ein Sprecher der japanischen Atomsicherheitsbehörde NISA mit. Über den Zustand der Technik in den teilweise völlig zerstörten Reaktorhallen gab es keine genauen Angaben.

Unterdessen gab es keine Hinweise, dass die Reaktorblöcke wie am Donnerstag auch aus der Luft bewässert werden sollen. Hubschrauber hatten Wasser abgeworfen. Allerdings ließen Fernsehbilder auf eine eher geringe Trefferwahrscheinlichkeit schließen.

In Block 3 ist das giftige Plutonium in den Brennelementen enthalten, in Block 4 droht das Abklingbecken voll abgebrannter Brennstäbe zu überhitzen und todbringende Strahlung freizusetzen. Gute Nachrichten gab es aus den weitgehend unversehrten Blöcken 5 und 6. Dort sei die Notstromversorgung hergestellt worden, teilte Tepco mit. Wenn die Atomanlage insgesamt besser gekühlt wird, hoffen Experten auf ein allmähliches Abklingen der größten Gefahr.

Fukushima: Das AKW, vor dem die Welt zittert

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Bei dem Erdbeben und dem Tsunami im Nordosten Japans sind mehr Menschen ums Leben gekommen als beim Beben in der japanischen Hafenstadt Kobe im Jahr 1995. Nach neuesten Angaben stieg die Zahl der Toten auf 6539, berichtete der japanische Fernsehsender NHK unter Berufung auf die Polizei.

Es wird allerdings befürchtet, dass noch weit mehr Menschen der Katastrophe zum Opfer fielen. Bei dem Beben im Raum Kobe waren 6434 Menschen gestorben. Nach dem Großbeben vor etwa einer Woche mit der Stärke 9,0 werden weiter mehr als 9000 Menschen vermisst. Es gilt als praktisch ausgeschlossen, dass jetzt noch Opfer lebend aus den Trümmern geborgen werden.

Die Folgen von Erdbeben und Wasserwalze, die steigende Atom-Gefahr und Eiseskälte setzen nun auch den Überlebenden der Dreifach-Katastrophe immer heftiger zu. NHK zufolge sind mindestens 25 Flüchtlinge schon gestorben. Sie seien meist alt und total entkräftet gewesen - womöglich wären sie ohne den Kälteeinbruch noch am Leben.

Japan: Dramatische Bilder vom Dienstag

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In Deutschland wurden als Reaktion auf die Japan-Katastrophe weitere Altmeiler vorübergehend vom Netz genommen. Eine Ideensammlung aus dem Umweltministerium sieht zudem eine drastische Verschärfung der Sicherheitsnormen für die insgesamt 17 deutschen Atomkraftwerke vor. “Es ist noch nichts vereinbart, die Gespräche darüber, wie genau diese Sicherheitsüberprüfung aussehen soll, haben gerade erst begonnen“, sagte die Sprecherin von Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) der Deutschen Presse-Agentur.

Der Höhenflug des japanischen Yen ist vorerst gestoppt. Die G7-Finanzminister und Notenbankpräsidenten hatten in der Nacht zum Freitag in einer Telefonkonferenz beschlossen, gemeinsam gegen den starken Anstieg vorzugehen. Es ist das erste Mal seit mehr als zehn Jahren, dass die führenden Wirtschaftsnationen gemeinsam am Devisenmarkt einschreiten.

Der Yen war zuvor trotz der verheerenden wirtschaftlichen Katastrophen-Folgen gegenüber dem US-Dollar auf den höchsten Stand seit dem Zweiten Weltkrieg gestiegen. Das setzt gerade Japans Exportwirtschaft zusätzlich unter Druck, weil es deren Produkte in wichtigen Märkten verteuert.

dpa

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