Getötete Bundeswehr-Soldaten identifiziert

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Der Ort des Anschlags in der nordafghanischen Stadt Talokan.

Kabul/Berlin - Nach dem Anschlag in der nordafghanischen Provinz Tachar ist die Identität der zwei getöteten Bundeswehr-Soldaten geklärt.

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Anschlag: Zwei deutsche Soldaten sterben

Sie kamen aus Rheinland-Pfalz und aus Niedersachsen. “Bei den Gefallenen handelt es sich um einen 43-jährigen Major aus dem Führungsunterstützungsbataillon 282 in Kastellaun und einen 31-jährigen Hauptfeldwebel des Feldjägerbataillons 152 aus Hannover“, teilte die Bundeswehr am Sonntag auf ihrer Homepage mit.

Mit dem Anschlag stieg die Zahl der in Afghanistan ums Leben gekommenen Bundeswehrsoldaten auf 50. Von ihnen starben 32 bei Gefechten oder Anschlägen.

General Kneips Zustand stabil

Der Zustand des verwundeten deutschen Generals Markus Kneip ist stabil. Er wurde leicht verletzt und liege im Feldlazarett im Bundeswehr-Camp Marmal in Masar-i-Scharif, sagte ein Bundeswehr-Sprecher am Sonntag. Ihm gehe es “den Umständen entsprechend gut“. Er habe weiterhin die Befehlsgewalt über die Internationale Schutztruppe Isaf in Nordafghanistan.

“Ich bin Kommandeur hier im Norden Afghanistans und werde gemeinsam mit meinen Soldaten diesen Auftrag weiter ausführen“, sagte er am Sonntag “Bild.de“. Ziel sei es, gemeinsam mit den afghanischen Partnern Frieden und Sicherheit in dieses Land zu bringen. “Das erwarten die Menschen hier von uns, nach 30 Jahren Krieg. Wir werden diese Erwartung erfüllen. Dafür stehe ich persönlich ein.“

Nach Darstellung Kneips ereignete sich der Anschlag nach einem Sicherheitstreffen mit afghanischen Partnern in der Stadt Talokan: “Nach der Konferenz waren wir auf dem Weg aus dem Gebäude des Provinzgouverneurs, als es in unserer unmittelbaren Umgebung eine ungeheure Explosion gab.“ Bei dem Treffen sei über die Sicherheitslage in der Provinz Tachar gesprochen worden.

Die zwei gefallenen Soldaten stammten aus seinem engsten Mitarbeiterkreis. “Ich habe jeden Tag mit diesen wunderbaren Menschen zusammengearbeitet“, sagte Kneip. “Ich denke an sie und ihre Familien.“ Er trauere auch mit den afghanischen Partnern um deren Verluste.

Seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes vor fast zehn Jahren ist Kneip das hochrangigste Opfer der Bundeswehr und der internationalen Truppen insgesamt bei einem Anschlag. Er hatte wenige Stunden vor dem Anschlag noch an der Trauerfeier in Kundus für einen am vergangenen Mittwoch bei einem Anschlag getöteten deutschen Soldaten teilgenommen. Am Sonntag wollte Isaf-Kommandeur David Petraeus mit Kneip in Masar-i-Scharif zusammentreffen.

Attentäter in Polizeiuniform?

Nach ersten Erkenntnissen soll der Selbstmordattentäter vom Samstag eine Polizeiuniform getragen haben. Er sprengte sich nach einem hochrangigen Treffen im schwer gesicherten Sitz des Gouverneurs in der Provinzhauptstadt Talokan in die Luft.

Der Kommandeur der afghanischen Armee für die Nordregion, General Salmai Wesa, sagte am Sonntag: “Unsere ersten Informationen deuten darauf hin, dass der Attentäter eine Uniform der Sicherheitskräfte trug.“ Wesa hatte den Anschlag unverletzt überlebt. Ein Angehöriger der Sicherheitskräfte, der nicht namentlich genannt werden wollte, sagte, es habe sich um eine Polizeiuniform gehandelt.

Bilder vom Ort des Anschlags

Anschlag: Zwei deutsche Soldaten sterben

Die Polizei teilte mit, es sei noch zu früh für entsprechende Aussagen. In Berlin hatte der Befehlshaber des Einsatzführungskommandos, Generalleutnant Rainer Glatz, mitgeteilt: “Wir müssen davon ausgehen, dass es ein Angriff mehrerer Selbstmordattentäter gewesen ist.“ Afghanische Quellen wie auch Teilnehmer des Treffens am Sitz des Gouverneurs sprachen von einem Selbstmordattentäter.

Der uniformierte Mann soll zu den Sicherheitskräften gehört haben, die die Konferenz schützen sollten. Als die Teilnehmer des Treffens den Konferenzraum verlassen hätten, sei der Attentäter auf die Gruppe zugegangen und habe seinen Sprengstoff gezündet, hieß es. Trotz des Anschlags will die Bundesregierung an ihrer bisherigen Strategie in Afghanistan festhalten.

Reaktionen von Westerwelle und de Maizière

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) bekräftigte am Sonntag bei einem Besuch im Golfstaat Oman, dass die afghanischen Sicherheitskräfte innerhalb der nächsten Wochen die Verantwortung in ersten Regionen übernehmen sollen. Gegen Ende des Jahres soll dann wie geplant der Abzug der ersten deutschen Soldaten beginnen. Im Bundeswehr-Einsatzgebiet sollen die Afghanen von Juli an schrittweise die Verantwortung für Masar-i-Scharif übernehmen.

Verteidigungsminister Thomas De Maizière (CDU) hatte die Deutschen in der Heimat nach dem Anschlag aufgefordert, “gerade jetzt unseren Einsatz in Afghanistan zu unterstützen“. Die Partnerschaftsstrategie der Bundeswehr in Afghanistan steht nach dem tödlichen Selbstmordanschlag auf ranghohe deutsche und afghanische Sicherheitskräfte nicht zur Disposition. “Wenn wir die Sicherheit allmählich in afghanische Hände übergeben wollen, dann geht es nur so, dass wir es mit den Afghanen zusammen tun“, sagte er.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nahm die Nachricht vom Tod der deutschen Soldaten “schockiert und traurig“ auf.

Die afghanischen Behörden begannen mit einer Untersuchung zum Anschlag.

Tachars verwundeter Gouverneur Taqwa trat am Sonntag mit Verbänden an den Händen und im Gesicht in Talokan vor die Medien. Er sagte, bereits zuvor habe es Geheimdienstinformationen gegeben, dass Aufständische in Tachar Selbstmordanschläge geplant hätten.

Am Bundeswehrlager in Talokan war es erst Mitte Mai zu schweren Ausschreitungen gekommen. Deutsche Soldaten hatten daraufhin gezielt auf Angreifer geschossen. Dabei waren elf Afghanen getötet worden, nach Angaben der Bundeswehr allerdings nicht von deutschen Soldaten, sondern von einheimischen Wachleuten.

dpa

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