Geisel-Drama in Somalia spitzt sich zu

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Das von Piraten entführte Hamburger Containerschiff "Hansa Stavanger"

Berlin - Nach der Freilassung des Frachters MS “Victoria“ aus der Gewalt somalischer Piraten bemüht sich die Bundesregierung mit Hochdruck um eine Lösung für das Geisel-Drama auf der “Hansa Stavanger“.

Dort hat sich die Lage in den vergangenen Tagen offenbar zugespitzt. Laut “Spiegel“ haben die Piraten vier der 24 Seeleute aufs Festland verschleppt. Darunter sollen drei der insgesamt fünf Deutschen sein. Das Containerschiff wurde Anfang April gekidnappt, Eigentümer ist die Hamburger Reederei Leonhardt & Blumberg.

Firmenchef Frank Leonhardt geriet am Wochenende wegen seiner Verhandlungstaktik in die Kritik. Die Ehefrau des Kapitäns will ihn dem “Spiegel“ zufolge wegen unterlassener Hilfeleistung anzeigen. “Es liegt in der Hand der Reederei, die Geiselnahme zu beenden“, sagte sie dem Magazin. Das Unternehmen feilsche extrem hart um das Lösegeld und bewege sich nicht mehr. Leonhardt selbst wollte sich nicht äußern.

Auch unter Experten des Bundeskriminalamts (BKA) regt sich Kritik an der harten Verhandlungsart des Reeders Kritik. Ein hochrangiger Sicherheitsexperte sagte “Spiegel Online“, abseits der vielen Schwierigkeiten beim Verhandeln mit den Piraten agiere der Reeder “sehr hartleibig“.

Laut Berichten eines der Deutschen vom Schiff haben die Piraten einen russischen Offizier sowie drei der Deutschen aufs Festland gebracht: Zwei 19-jährige Auszubildende und einen nautischen Offizier. Mehr als eine Stunde von der somalischen Hafenstadt Haradhere entfernt, vor der das Schiff liegt, sollen die vier Seeleute nun sein. Das Auswärtige Amt wollte sich zu dem Bericht nicht äußern. Der Krisenstab bemühe sich aber weiter mit Hochdruck um eine Freilassung, sagte ein Sprecher.

Ende April hatte die Regierung wegen Sicherheitsbedenken einen Kampfeinsatz der Anti-Terroreinheit GSG-9 zur Befreiung der “Hansa Stavanger“ abgebrochen. Die Geheimoperation einer 200 Mann starken Spezialeinheit wurde wegen zu hoher Risiken für das Leben der 24 Geiseln und der Polizisten eingestellt.

Keine Deutschen an Bord der MS “Viktoria“

Die MS “Victoria“ wurde am Samstagmorgen aus der Gewalt der Kidnapper entlassen, wie ein Sprecher des Auswärtigen Amts sagte. An Bord befanden sich keine Deutschen. Für die Freilassung der elf rumänischen Besatzungsmitglieder wurden 1,8 Millionen Dollar (rund 1,3 Millionen Euro) Lösegeld bezahlt, wie der Vertreter der Internationalen Transportarbeiter-Föderation in Rumänien, Adrian Mihalcoiu , der AP in Bukarest sagte.

Ein Sprecher des rumänischen Außenministeriums berichtete, alle Männer seien gesund. Der unter der Flagge von Antigua und Barbuda fahrende Frachter war am 5. Mai im Golf von Aden aufgebracht worden. Das 143 Meter lange Schiff wurde 2003 gebaut und gehört der Reederei Intersee aus Haren an der Ems in Niedersachsen. Die MS “Victoria“ wurde Anfang Mai nach damaligen Angaben der Regierung von Antigua und Barbuda von acht Seeräubern überfallen. Die Piraten steuerten das Schiff in Richtung der somalischen Küstenstadt Eyl. Nach rumänischen Angaben war das Schiff auf dem Weg von Indien nach Saudi-Arabien. Der Mehrzwecktrockenfrachter hatte rund 10.000 Tonnen Reis geladen.

AP

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