Im Gefängnis

Fehlgeburt: Frau muss Blut selbst aufwischen

Peterborough - In einem britischen Gefängnis soll eine Insassin nach einer Fehlgeburt sich selbst überlassen worden sein. Sogar das Blut in ihrer Zelle musste sie selbst aufwischen.

In einem britischen Gefängnis ist es offenbar zu einem entsetzlichen Vorfall gekommen: Nadine Wright verlor einen Tag nach Haftantritt in einem Gefängnis in der britischen Stadt Peterborough ihr Kind. Zwar stand der 37-Jährigen ihr während der Fehlgeburt eine Krankenschwester zur Seite. Doch anschließend habe das Gefängnispersonal die Frau nach Berichten der Zeitung Independent anschließend ihre eigene Zelle reinigen lassen - in der noch der totgeborene Fötus gelegen habe.

So berichtet es zumindest Wrights Rechtsanwalt Philip Gibbs. Gegenüber dem Crown Court von Leicester, der in Deutschland der ersten Instanz des Strafgerichts entspricht, erklärte er: "Das Baby wurde nicht aus der Zelle gebracht. Es war ziemlich schockierend, traumatisierend. Sie bekam erst drei Tage später gesundheitliche Fürsorge, nachdem der Gefängnisdirektor sich eingeschaltet hatte."

Gefängnisbetreiber: "Keine Angaben zu Einzelpersonen"

Das Unternehmen "Sodexo Justice Services", zu dem die private Haftanstalt gehört, wollte sich zu dem Fall laut Independet nicht äußern: Man mache keine Angaben zu inhaftierten Einzelpersonen. Eine Sprecherin gab jedoch an, dass am Tag von Wrights Inhaftierung ein Insasse des Gefängnisses von Petersborough medizinische Versorgung und am Folgetag einen Arztbesuch erhalten habe. Man sei sich der menschlichen und gesundheitlichen Verpflichtung gegenüber allen Haftinsassen bewusst. "Dazu gehört, dass wir dafür sorgen, dass alle Häftlinge Zugang zu gleichwertiger medizinischer Versorgung wie in der Gemeinschaft erhalten", zitiert der Independent die Sprecherin.

Leben der Frau voller Schicksalsschläge

Die Fehlgeburt war nicht der erste Schicksalsschlag in Wrights Leben. Bereits die Vorgeschichte der Frau ist erschütternd: Nach Angaben ihres Anwalts Philip Gibbs ist sie psychisch krank und kämpft seit langen Jahren gegen ihre Heroinsucht. Kurz vor ihrer Inhaftierung während der Schwangerschaft habe sie zudem ihre Mutter verloren.

Auch die Umstände ihrer Haft sind tragisch: Nadine Wright hatte Lebensmittel im Wert von knapp 14 Pfund (umgerechnet rund 17 Euro) gestohlen, nachdem sie ihr zustehende Hilfszahlungen für Essen nicht erhalten hatte. Vor Gericht bekannte sich die 37-Jährige schuldig, die als Bewährungsstrafe ausgesetzte gemeinnützige Arbeit nicht abgeleistet zu haben und wurde dafür zu zehn Monaten Haft verurteilt.

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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