Deutscher Eishockey-Nationalspieler stirbt bei Flugzeugabsturz

Moskau - Beim Absturz eines Passagierflugzeugs in Russland sind nach übereinstimmenden Medienberichten mehr als 40 Menschen ums Leben gekommen. Auch ein deutscher Eishockey-Nationalspieler ist unter den Opfern.

Ein russisches Passagierflugzeug mit einer Eishockeymannschaft an Bord ist am Mittwoch im Westen des Landes abgestürzt. Von den 45 Menschen an Bord kamen alle bis auf zwei ums Leben. Unter den Toten ist auch der deutsche Eishockey-Nationalspieler Robert Dietrich. Das Flugzeug vom Typ Jak-42 sei unmittelbar nach dem Start von einem Flughafen außerhalb der Wolgastadt Jaroslawl abgestürzt, teilte das russische Katastrophenschutzministerium mit. Zum Zeitpunkt des Unglücks war der Himmel sonnig und klar.

An Bord der Maschine befand sich nach Angaben des Ministeriums das Team des Profi-Eishockey-Club Lokomotive Jaroslawl, bei dem Dietrich unter Vertrag stand. Die Mannschaft war auf dem Weg in die weißrussische Hauptstadt Minsk, um dort gegen Dinamo Minsk das Saisonauftaktspiel in der Profiliga KHL zu bestreiten.

Bilder vom Unglücksort

Eishockey-Team stirbt bei Flugzeugabsturz

Offiziellen Angaben zufolge überlebte der Spieler Alexander Galimow und ein Besatzungsmitglied den Absturz. An Bord sollen sich Berichten zufolge elf ausländische Spieler befunden haben. Der geschäftsführende Direktor des Klubs Lokomotive Jaroslawl, Jewgeni Tschujew, bestätigte am Mittwochabend auf Anfrage von dapd den Tod von Dietrich. Die tschechische Botschaft erklärte, die Spieler Josef Vasicek, Karel Rachunek und Jan Marek seien unter den Toten. Nach lettischen Angaben zählt auch der lettische Verteidiger Karlis Skrastins zu den Opfern.

Die Maschine vom Typ Jak-42 habe unmittelbar nach dem Start möglicherweise eine Antenne gestreift, hieß es. Als Absturzursache kämen ein technischer Defekt und menschliches Versagen infrage, sagte ein Flughafenmitarbeiter. Das Flugzeug sei in zwei Stücke gebrochen und teilweise in die Wolga gestürzt, hieß es. Das Eröffnungsspiel der Kontinentalen Eishockey-Liga (KHL) zwischen Ufa und Mytischtschi wurde abgebrochen.

Deutscher Nationalspieler unter den Opfern

“Das ist eine tiefe Tragödie für das gesamte deutsche Eishockey“, sagte Franz Reindl, Generalsekretär des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), nachdem er über den Tod des 38-maligen Nationalspielers informiert worden war. Stundenlang hatte der DEB nach Bekanntwerden der Flugzeug-Tragödie am späten Mittag versucht, über die Familie Dietrichs an Informationen zu kommen. Reindl stand in engem Kontakt zu den Angehörigen des im kasachischen Ordschonikidse geborenen Spielers. “Wir konnten dann nur noch unser tiefes Mitgefühl aussprechen“, sagte Reindl.

Der Ex-Spieler der Adler Mannheim und DEG Metro Stars aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) war im Sommer zum dreimaligen russischen Meister gewechselt. Sein neues Team war auf dem Weg zu einem Auswärtsspiel nach Minsk. Die Mannschaft aus der weißrussischen Hauptstadt spielt wie Jaroslawl in der russischen Profiliga KHL, die hinter der nordamerikanischen Profiliga NHL als zweitstärkste Liga der Welt gilt.

“Das ist eine fürchterliche Tragödie für die weltweite Eishockey-Gemeinschaft“, sagte Weltverbandspräsident Rene Fasel. Harold Kreis, bis zum Sommer Dietrichs Trainer in Mannheim und dessen aktueller Co-Trainer der Nationalmannschaft, war fassungslos. “Das sind schockierende Neuigkeiten“, sagte er. Dietrichs Nationalmannschaftskollege Simon Danner von der DEG twitterte unmittelbar nach Bekanntwerden des Unglücks: “Mir ist total schlecht!!! Ein russisches Flugzeug ist abgestürzt, mit einer Eishockey Mannschaft, in der Robert Dietrich spielt.“

Bilder zu Robert Dietrichs Karriere

Robert Dietrich: Ruhig, sympathisch, souverän - Bilder seiner Karriere

Der überaus beliebte, weil bescheidene Dietrich, der unter anderem auch für ESV Kaufbeuren (2001-2002) und den EC Peiting (2003-2004) aktiv war, zählte zu den absoluten Leistungsträgern im deutschen Nationalteam. Die DEB-Auswahl war in diesem Jahr bei der WM Siebter und 2010 bei der Heim-WM sensationell Vierter geworden. “Ich habe das DEB-Trainerteam und Ex-Nationaltrainer Uwe Krupp bereits informiert. Alle waren völlig bestürzt“, berichtete Reindl.

In Russland sorgte die Tragödie für Trauer und Verzweiflung. In einer ersten Reaktion regte die Trainerlegende Viktor Tichonow an, dass alle KHL-Vereine Spieler an Lokomotive abgeben sollten, um den Club wieder aufzubauen.

Zum Team das in der Unglücksmaschine saß gehört auch der deutsche Eishockey-Nationalspielers Robert Dietrich.

Das Eröffnungsspiel zwischen Titelverteidiger Ufa und Vizemeister Mytischtschi wurde nach 14 Minuten abgebrochen, auf den Rängen beweinten Fans eine der größten Katastrophen des russischen Sports. Vor der Arena in Jaroslawl versammelten sich trauernde Menschen, Fans des dreifachen russischen Meisters legten an der Geschäftsstelle Blumen nieder.

Zu Jaroslawls Team zählen auch einige ehemalige NHL-Spieler. Karel Rachunek, Josef Vasicek (beide Tschechien), Ruslan Salei (Weißrussland), Karlis Skrastins (Lettland), Pavol Demitra (Slowakei) und Alexander Wasjunow (Russland) standen zusammen rund 3000 Mal in der NHL auf dem Eis.

Westerwelle reagiert bestürzt

Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin entsandte den Verkehrsminister an die Absturzstelle rund zehn Kilometer östlich von Jaroslawl. Die 600.000-Einwohnerstadt liegt rund 240 Kilometer nordöstlich von Moskau.Außenminister Guido Westerwelle reagierte bestürzt auf das tödliche Flugzeugunglück in Russland. Der Minister spreche der russischen Regierung sein Beileid aus, hieß es am Mittwoch aus dem Auswärtigen Amt in Berlin.

Präsident Dmitri Medwedew kündigte bereits zuvor an, alte, noch aus Sowjetzeiten stammende Flugzeuge von Beginn des kommenden Jahres an aus dem Verkehr zu ziehen. Die Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge vom Typ Jak-42 sind seit 1980 im Einsatz, und Dutzende dieser Maschinen sind noch vor allem für russische Fluglinien unterwegs.

Im Juni stürzte in der Stadt Petrosawodsk ein Flugzeug vom Typ Tupolew TU-134 ab. Dabei kamen 47 Menschen ums Leben. Dieser Absturz wurde auf einen Pilotenfehler zurückgeführt.

dpa/sid/dapd

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