US-Mutter verbannt Tochter nach Sibirien

Mädchen fleht auf Facebook: "Bitte nimm mich zurück!"

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Sofia ist verzweifelt: Ihr Mutter schickte sie nach Russland, damit sie dort ihren Vater kennenlernt. Jetzt will sie sie nicht mehr zurücknehmen.

Novosibirsk - Vor zwei Jahren schickte eine Mutter ihre Tochter aus den USA nach Russland, damit sie dort ihren leiblichen Vater kennenlernt. Jetzt nimmt sie die 17-Jährige nicht mehr zurück.

Es klingt wie ein Gruselmärchen über Rabeneltern, die ihr Kind im Stich lassen. Seit 2011, sagt Sofia, sitze sie verbannt in Sibirien fest - tausende Kilometer weit weg von ihrem Zuhause in Chantilly im US-Bundesstaat Virginia. Seit Tagen setzt das Mädchen Hilferufe ab über Medien in den USA und nun auch in Russland. Auf Facebook hat sie deshalb einen flehenden Brief an ihre Mutter geschrieben: „Bitte nimm mich zurück. Bitte fass Dir ein Herz, um mir meine Fehler zu vergeben, die ich gemacht habe, als ich noch ein Kind war. Du bist die einzige Familie, die ich habe. Ich brauche Dich.“

Sofias Stiefvater berichtet von den Wutausbrüchen des Mädchens um 2.00 Uhr morgens. Die „unkontrollierbare“ Tochter habe Drogen genommen und Jungs ohne Erlaubnis mit nach Hause gebracht, schreibt die Mutter. Sofia selbst räumt ein, sie habe als Kind viele Probleme gemacht und ihren Eltern 1000 US-Dollar gestohlen.

Es war wohl nach diesem Vorfall, dass sich die Mutter entschloss, Sofia nach Sibirien zu schicken. Nicht ohne Grund. „Sie sagte mir, dass ich meinen leiblichen Vater kennenlernen soll. Von drei Wochen war die Rede“, erzählt Sofia mit breitem US-Akzent. „Erst, als ich schon hier war, sagte sie mir, dass ich viel länger bleiben würde.“ Ein Rückflugticket habe sie nicht gehabt.

Sofias Mutter stehe seit ihrer zweiten Hochzeit unter dem Einfluss des neuen Ehemanns, eines auf Migrationsfragen spezialisierten Juristen, über den sie die US-Staatsbürgerschaft erhielt. Es sei „keine leichte Entscheidung“ gewesen, Sofia ins rund 9400 Kilometer entfernte Nowosibirsk zu verbannen, sagt die Mutter laut dem US-Fernsehsender WUSA, der die Story zuerst aufgriff. „Aber es war die richtige Entscheidung.“

Von der Sprache und der Kultur Russlands - dem Leben auf dem anderen Kontinent - hatte Sofia nach eigener Darstellung keine Ahnung, als sie im März 2011 in Nowosibirsk landete und ihren Vater Igor kennenlernte, der kein Englisch verstand und viel trank.Nur mit Mühe sei Sofia ihrem Erzeuger in dem Ort Berdsk entkommen, habe sich alleine - bisweilen auf der Straße - durchgeschlagen.

Größtes Problem bis heute sei, dass sie nur einen russischen Pass mit dem Namen Sofia Petrowa und damit keinen Nachweis über ihre wahre Heimat habe. Dass ihre Lebensgeschichte nicht einfach zu glauben ist, erschwert die Lage. Auf ihrer Facebook-Seite trägt sie den Familiennamen der Mutter. 1998 habe diese mit einem Studentenvisum Russland verlassen, um mit der Kleinen in den USA zu leben.

In der Großstadt Nowosibirsk hat sie derzeit in einem Hostel Arbeit und einen Schlafplatz gefunden, wie die Verwaltung des Gästehauses bestätigt. Dort bescheinigen Kollegen Sofia Fleiß und Bescheidenheit. „Sie räumt die Zimmer auf, macht Betten, eben alles, was anfällt. Wenn Ausländer kommen, hilft ihr Englisch“, sagte die Administratorin Olga.

Die Lage sei verfahren, sagte die Chefredakteurin des Portals sib.fm, Iwa Awrorina, der dpa. „Sie spricht nur mit Mühe Russisch, wohl auch weil sie wegen des Traumas die Sprache nicht richtig lernt“, meinte Awrorina. Sofias eigene Hoffnungen, wie sie sagt, richten sich nun auf die US-Botschaft in Moskau. Doch dort hätten ihr Konsularmitarbeiter gesagt, dass sie mit einem russischen Pass wenig Chancen habe - nur mit einem Anwalt. Und der kostet Geld. Eine US-Botschaftssprecherin in Moskau konnte den Fall angesichts des russisches Passes nicht kommentieren.

Sie vermisse auch ihre jüngere Schwester Maria. In einem Eintrag vom Juni schreibt sie den Satz: „Jedes Kind verdient einen Elternteil, aber nicht jeder Elternteil verdient ein Kind.“

dpa

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