Erste Eurostar-Züge fahren wieder unter dem Ärmelkanal

Paris - Für hunderte gestrandete Reisende ging's nach tagelangem Warten am Dienstag endlich los: Nach einer fast dreitägigen Sperrung rollten die ersten Züge wieder durch den Ärmelkanaltunnel.

Der erste Zug mit 750 Fahrgästen verließ den Pariser Gare du Nord kurz nach 08.00 Uhr. Hunderte weitere Reisende warteten in einer langen Schlange auf die nächsten Züge. Wahrscheinlich wird die Bahngesellschaft aber erst nach Weihnachten wieder zu ihrem Normalbetrieb zurückkehren können.

Zwei Drittel der Züge zwischen Paris und London sollten am Dienstag wieder im Stundentakt verkehren, teilte die Betreibergesellschaft weiter mit. Zunächst seien die Plätze jedoch für jene Reisende reserviert, die ursprünglich Reservierungen für Samstag und Sonntag hatten. Von der beispiellosen Pannenserie wenige Tage vor Weihnachten waren schätzungsweise 40.000 Fahrgäste betroffen.

Ersten Erkenntnissen zufolge waren die klirrende Kälte und der Pulverschnee in Frankreich für das Eurostar-Desaster verantwortlich. Das Unternehmen erklärte, als Ursache der Störung sei ungewöhnlich trockener Puderschnee festgestellt worden. Das feine Pulver sei durch den Schneeschutz in die Motoren gelangt und dann im Tunnel, wo die Temperaturen beträchtlich höher lagen, getaut.

Kondenswasser verursacht Kurzschluss

Das Kondenswasser habe dann Kurzschlüsse verursacht und die Züge lahmgelegt. Die Passagiere haben jedoch wenig Verständnis für die Pannen an den modernen Schnellzügen. “Es ist ja nicht so, dass es nie zuvor geschneit hat“, sagte die 21-jährige Studentin Jennifer Eboule. “Man kann sich kaum vorstellen, dass so etwas ein derart großes Problem verursacht.“ Betriebsleiter Nicolas Petrovic erklärte dagegen: “Es ist das erste Mal in 15 Jahren, dass wir diese Schneebedingungen hatten.“ Normalerweise sei der Schnee am Kanal nass und schwer.

2000 Passagiere blieben stecken

Mehrere Züge waren in der Nacht zum Samstag im Tunnel stehen geblieben, mehr als 2.000 Fahrgäste steckten teils 15 Stunden lang fest, litten unter Durst, Panikattacken und Platzangst. Davon blieben die Reisenden am Dienstag zwar verschont, doch sie sorgten sich um andere Dinge, beispielsweise ihre Bahn- oder Fluganschlüsse. Isabella Comba berichtete, sie müsse spätestens am Nachmittag in London sein, um dort noch ihren Zug nach Cornwall zu bekommen. “Mein Mutter ist krank und ich will an ihrer Seite sein“, sagte sie.

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