Ermittler: Zugunglück in Russland war Anschlag

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Der “Newsky Express“ war am Freitagabend mit mehr als 600 Reisenden und 20 Bahnmitarbeitern besetzt.

Uglowka - Das schwere Zugunglück im Nordwesten Russlands mit rund 30 Todesopfern ist nach Angaben der Ermittler durch einen terroristischen Anschlag verursacht worden.

Demnach detonierte am Freitagabend auf den Schienen eine selbst gebaute Bombe mit einer Sprengkraft von sieben Kilogramm TNT und ließ den Schnellzug von Moskau nach St. Petersburg entgleisen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden mindestens 30 Menschen getötet, andere Behörden sprachen von 26 Todesopfern. Fast 100 Menschen erlitten Verletzungen. 18 Personen wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums am Samstag noch vermisst.

Am Unglücksort wurde ein Krater und Spuren von Sprengstoff gefunden, wie russische Nachrichtenagenturen am Samstag unter Berufung auf Sicherheitschef Alexander Borotnikow berichteten. Während der Aufräumarbeiten am Samstag war eine Explosion zu hören. Nähere Einzelheiten waren zunächst aber nicht bekannt.

Die Polizei riegelte das Gebiet weiträumig ab. Die Bahnverbindung zwischen Moskau und St. Petersburg wurde Interfax zufolge gesperrt. Der russische Präsident Dmitri Medwedew rief die Bevölkerung angesichts der jüngsten Erkenntnisse zur Ruhe auf. “Wir können kein Chaos gebrauchen, denn die Situation ist so schon angespannt genug“, erklärte er.

Der Schnellzug entgleiste nach Behördenangaben an den Grenzen der Provinzen Twer und Nowgorod rund 400 Kilometer nordwestlich von Moskau und 250 Kilometer südöstlich von St. Petersburg. Die letzten drei der insgesamt 14 Wagen seien von den Schienen gesprungen, sagte der Leiter des Katastrophenministeriums, Sergej Schoigu. Der “Newsky Express“ wird häufig von Geschäftsleuten und Regierungsmitarbeitern genutzt und war am Freitagabend mit mehr als 600 Reisenden und 20 Bahnmitarbeitern besetzt.

Aussagen von Augenzeugen deuteten ebenfalls auf einen Bombenanschlag hin. Es habe einen lauten Knall gegeben, sagte der Reisende Witali Tafikow, der unverletzt blieb und bei der Versorgung der Opfer half. Igor Petschnikow sagte, er sei während des Unglücks durch den Wagen geschleudert worden: “Es gab ein Beben, und der Wagen rumpelte heftig nach links.“

“Das war ein Terroranschlag“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft, Wladimir Markin, der Nachrichtenagentur Interfax. Sollte sich das bestätigen, wäre es die schwerste Terrorattacke außerhalb der unruhigen Nordkaukasusrepubliken seit Jahren.

Auf derselben Strecke war 2007 bei einem Bombenanschlag ein Personenzug entgleist, dabei wurden 27 Insassen verletzt. In dem Zusammenhang gab es zwei Festnahmen, nach einem früheren Offizier wird noch gefahndet. Die Hintergründe dieser Tat sind aber nach wie vor unklar. In Russland werden seit den Kriegen, die Mitte der 90er Jahre im Kaukasus begannen, immer wieder Terroranschläge verübt. Im Dezember 2003 wurden bei einem Selbstmordanschlag auf einen Pendlerzug in der Nähe von Tschetschenien 44 Menschen in den Tod gerissen.

AP

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