Folgen für das Leben auf der Erde

Der Erde steht ein Polsprung bevor, der ihren Strahlenschutz zerstören könnte - wie vor 42.000 Jahren

Darstellung des Magnetfelds der Erde als Schutz vor Sonneneruptionen und Sonnenwind.
+
Magnetfeld der Erde dient als Schutz vor Sonneneruptionen und Sonnenwind.

Vor knapp 42.000 Jahren wurde der Strahlenschutz der Erde durch einen Polsprung nahezu pulverisiert. Das steht unserem Heimatplaneten nun wieder bevor - mit Folgen?

Sydney - Eigentlich treten Polarlichter nur ganz im Norden oder Süden auf. Grund dafür ist, dass sie durch elektrisch geladene Teilchen des Sonnenwinds entstehen. Treffen diese auf das Magnetfeld der Erde (Magnetosphäre) werden sie in Richtung Nord- oder Südpol gelenkt. Wenn sie sich dort mit Sauerstoff- oder Stickstoffatomen verbinden, kommt es zu den Lichterscheinungen. So ist es zumindest heutzutage.

Es könnte jedoch sein, dass vor etwa 42.000 Jahren Polarlichter bis nach Deutschland* und sogar in die Subtropen hinein für die Erdenbewohner regelmäßig sichtbar waren. Zu dieser Zeit kehrte sich nämlich das Magnetfeld der Erde auf einmal um - soll heißen: Aus dem magnetischen Südpol wurde der Nordpol und aus dem magnetischen Nordpol der Südpol.

Das Magnetfeld der Erde steht kurz vor einem Polsprung

Dieser sogenannte Polsprung tritt etwa alle paar Zehntausend Jahre auf - ist also nichts Ungewöhnliches. Bald jedoch steht der Erde wieder ein solcher Feldwechsel bevor. Was Wissenschaftler der University of New South Wales in Sydney daher interessiert: Welche Auswirkungen hat das Phänomen für das Leben auf der Erde? Untersuchungen ergaben, dass es keine Anzeichen für ein globales Massensterben vor etwa 42.000 Jahren gibt.

Klar ist jedoch auch, dass das Magnetfeld der Erde bei einer solchen Umpolung stark geschwächt wird. Das hat zur Folge, dass unser Heimatplanet während dieses Zeitraums einen verringerten Strahlenschutz hat - und nach Ansicht der Forscher müsste dies in jedem Fall Auswirkungen auf die klimatischen Bedingungen und somit auch auf das Leben haben.

Um mehr darüber herauszufinden, untersuchte das Team daher den konservierten Stamm eines Kauri-Baums, der bei Bauarbeiten in China ausgegraben worden war. Wie seine Ringe und die Radiokarbondatierung zeigten, war dieser um die 1.700 Jahre lang gewachsen - und zwar genau während des Zeitraums des letzten Polsprungs vor etwa 42.000 Jahren. Die Ergebnisse ihrer Studie veröffentlichten die Wissenschaftler vor wenigen Tagen im Science Magazin.

Schwächung des Strahlenschutzes der Erde

Besonders interessant war für sie während ihrer Untersuchung das radioaktive Kohlenstoffisotop C-14, das der Baum zu Lebzeiten in sich gespeichert hatte. Dieses entsteht mithilfe von kosmischer Strahlung - durch die Bestimmung von dessen Menge im Baum im Abstand von 40 Jahren konnten die Forscher also Rückschlüsse auf die Veränderungen des Magnetfelds schließen.

Da dieses und damit der Strahlenschutz der Erde durch den Polsprung vor etwa 42.000 Jahren geschwächt wurden, müsste sich also auch der C-14-Gehalt während dieses Zeitraums erhöht haben. Und tatsächlich zeigt die Studie, dass der Wert kurz vor der Feldumkehr vor 41.500 Jahren auf einem sehr niedrigen Niveau war - vergleichbar wie heute -, ehe er kurz darauf stark anstieg.

Forschungen zeigen auch, dass die kosmische Strahlung zu diesem Zeitpunkt besonders hoch war, was nach Annahme des Wissenschaftlerteams aus Sydney zu einem regelrechten Strahlungssturm auf der Erde geführt haben muss. Das ist im Übrigen auch der Grund, weshalb das Phänomen der Polarlichter auch so weit im Süden wahrnehmbar gewesen sein müsste.

Beschädigung der Ozonschicht durch hohe Strahlung?

Die Wissenschaftler vermuten jedoch eine noch weit gravierendere Auswirkung: Durch ungewöhnlich hohe Strahlung während des Polsprungs müsste die Ozonschicht vor etwa 42.000 Jahren so stark geschädigt worden sein, dass eine massive Klimaveränderung die Folge gewesen sein müsste. Eine Modellrechnung des Teams zeigt, dass es demnach beispielsweise in Nordamerika wärmer und in Europa kälter wurde.

Dabei handelt es sich jedoch bislang nur um Spekulationen. Die Ergebnisse der Studie sind in Fachkreisen zudem umstritten - insbesondere vor dem Hintergrund, dass solche gravierenden klimatischen Veränderungen vor 42.000 Jahren in der Wissenschaft bereits aufgefallen wären. Das ist jedoch nicht der Fall.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Fußball-Bundesliga am Samstag: Sechs Spiele, sechs Köpfe

Fußball-Bundesliga am Samstag: Sechs Spiele, sechs Köpfe

Nordische Ski-WM 2021 in Oberstdorf: Die Bilder zum Saisonhighlight

Nordische Ski-WM 2021 in Oberstdorf: Die Bilder zum Saisonhighlight

Leipzig im Halbfinale - Poulsen und Hwang treffen gegen VfL

Leipzig im Halbfinale - Poulsen und Hwang treffen gegen VfL

Elfmeter und Doppelschlag: Bayern-Schreck Kiel stoppt Essen

Elfmeter und Doppelschlag: Bayern-Schreck Kiel stoppt Essen

Meistgelesene Artikel

Coronavirus-Zahlen aktuell: Covid-19-Infizierte und Tote in Deutschland, Österreich, Italien, Spanien und Frankreich

Coronavirus-Zahlen aktuell: Covid-19-Infizierte und Tote in Deutschland, Österreich, Italien, Spanien und Frankreich

Coronavirus-Zahlen aktuell: Covid-19-Infizierte und Tote in Deutschland, Österreich, Italien, Spanien und Frankreich
Englisches Pärchen knackt 200-Millionen-Euro-Jackpot im Lotto - aber geht komplett leer aus

Englisches Pärchen knackt 200-Millionen-Euro-Jackpot im Lotto - aber geht komplett leer aus

Englisches Pärchen knackt 200-Millionen-Euro-Jackpot im Lotto - aber geht komplett leer aus
Corona in Österreich: Forscher nach Lockerungen fassungslos - Salzburg zieht die Notbremse

Corona in Österreich: Forscher nach Lockerungen fassungslos - Salzburg zieht die Notbremse

Corona in Österreich: Forscher nach Lockerungen fassungslos - Salzburg zieht die Notbremse
Braut stirbt nur zehn Tage nach ihrer Traumhochzeit

Braut stirbt nur zehn Tage nach ihrer Traumhochzeit

Braut stirbt nur zehn Tage nach ihrer Traumhochzeit

Kommentare