Einsamer Muttertag in Stadelheim

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Allein: Janina Schumann im Besucherraum von Stadelheim.

München - Janina Schumann kann am Muttertag ihre Kinder nicht sehen. Am Sonntag ist in der JVA Stadelheim kein Besuchstag. Sie sitzt hier, weil sie Drogen geschmuggelt hat.

Hinter Gittern gibt es keinen Muttertag. Auch nicht für Janina Schumann (Name geändert). Keine Geschenke und keine leuchtenden Kinderaugen. Zum ersten Mal ist sie am Muttertag ohne ihre beiden Kinder. Einsamkeit in der Zelle statt eines Ausflugs. Genau wie am Tag zuvor und am Tag danach. Dabei ist dieser Tag für sie keiner wie jeder andere. Denn an diesem Sonntag hat sie ihren Geburtstag. Doch das zählt im Gefängnis nicht. Sonntag ist kein Besuchstag. Zwei Jahre, mehr als 700 Tage, muss sie hier verbringen, weil sie Drogen geschmuggelt hat.

Draußen war sie alleinerziehend. Die Trennung von ihren Kindern ist für sie die schlimmste Strafe, schlimmer noch als eingesperrt zu sein. „Ich habe meine Kinder ab der ersten Stunde vermisst.“ In ihrer Zelle hat sie Fotos von ihnen aufgehängt, an einer dafür vorgeschriebenen Stelle. Hoffnungsschimmer und schmerzliche Erinnerung zugleich. Nur ein Mal im Monat kann sie die beiden sehen, für eine Stunde, die viel zu schnell vorbei ist.

Am Muttertag wird es kein Treffen geben. Sonntags ist kein Besuchstag. Pakete und Geschenke? Sind von der Gefängnisleitung untersagt. „Ich hoffe, dass mir meine Kinder eine schöne Karte schicken“, sagt sie.

Die Kinder musste sie von einem Tag auf den anderen irgendwo unterbringen. Die Strafe der Mutter trifft die Kinder genauso. Sie sind mitgefangen. Die 15-jährige Tochter lebt vorübergehend in einer über das Jugendamt vermittelten Mädchenwohngruppe, der Sohn bei seinem Vater. „Als klar wurde, dass ich ins Gefängnis muss, war das ein großer Schock. Ich wusste nicht, wie ich das meinen Kindern erklären sollte.“ Scham und Schuldgefühle. Daher habe sie ihrem Sohn zunächst erzählt, dass sie im Ausland arbeiten müsse.

Janina Schumann ist von ihren Kindern abgeschnitten. Die Fragen schwirren ihr in jeder Minute durch den Kopf: Wo sind sie gerade? Was machen sie? Brauchen sie mich? Die Kinder haben erzählt, dass sie plötzlich Dinge vermissen, die sie früher an ihrer Mutter genervt haben: Besorgte Anrufe, Gemeckere, gut gemeinte Ratschläge. Das einzige Positive ist, dass sie nun noch mehr zu schätzen wisse, was sie an ihren Kindern habe.

Zehn Monate hat Janina Schumann abgesessen. Sie hofft, dass der Rest ihrer Haftstrafe im September zur Bewährung ausgesetzt wird. Mit Drogen will sie nichts mehr zu tun haben. Der Muttertag in diesem Jahr soll für die Kinder der erste und letzte ohne ihre Mutter bleiben.

Katharina Gelhaus

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