Zwei Autobomben explodiert

Mindestens 46 Tote bei Anschlag in Nigeria

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Bereits am Sonntag waren in Nigeria in der Stadt Kano Autobomben explodiert (Foto vom Samstag).

Jos - Bei einem Doppelanschlag im Zentrum Nigerias sind am Dienstag nach Behördenangaben dutzende Menschen getötet worden, offenbar größtenteils Frauen.

Bei einem Doppelanschlag im Zentrum Nigerias sind am Dienstag nach Behördenangaben mindestens 46 Menschen getötet worden. 45 weitere Menschen wurden durch die Explosion zweier Autobomben auf einem Marktplatz in der Stadt Jos verletzt, wie die Polizei mitteilte. Die Sprengsätze detonierten im Abstand von wenigen Minuten und rissen offenbar zahlreiche Frauen sowie Mitglieder der alarmierten Rettungsmannschaften in den Tod.

"Dutzende Menschen sind gestorben, hauptsächlich Frauen", sagte der Sprecher der Regionalregierung, Pam Ayuba, der Nachrichtenagentur AFP. Am Nachmittag sprengten die Attentäter zunächst einen Lastwagen in die Luft, wie das Militär mitteilte. Die Rettungskräfte seien schnell vor Ort gewesen. Etwa 20 Minuten später sei in einem Kleinbus dann die zweite Bombe explodiert. Laut Zeugenaussagen wurden dabei auch mehrere Sanitäter getötet.

Einige Opfer könnten aufgrund der starken Verbrennungen nicht identifiziert werden, teilte das Nationale Katastrophenschutzamt mit. Feuerwehrleute seien im Einsatz, um den Großbrand am Anschlagsort zu löschen. Mehrere Geschäfte seien durch das Feuer komplett zerstört worden.

Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen

Jos liegt im Bundesstaat Plateau, an der Schnittstelle zwischen dem christlich geprägten Süden Nigerias und dem muslimischen Norden. In der Vergangenheit gab es dort immer wieder tödliche Auseinandersetzungen. Hintergrund sind oftmals religiös motivierte Konflikte. Die Extremistengruppe Boko Haram, die im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias für einen islamistischen Staat kämpft, hatte im Juli 2012 außerhalb von Jos eine Trauergemeinde angegriffen.

Seit dem Jahr 2009 verübt Boko Haram immer wieder Anschläge auf Polizei, Armee und Behörden, aber auch auf Kirchen und Schulen. Mitte April überfielen Boko-Haram-Kämpfer eine Schule in der Stadt Chibok im nordöstlichen Bundesstaat Borno und verschleppten 276 Schülerinnen. Mehrere Mädchen konnten sich befreien, noch immer werden aber 223 von ihnen an unbekanntem Ort festgehalten.

Nigerias Regierung forderte den UN-Sicherheitsrat am Dienstag offiziell auf, Boko Haram als Terrororganisation einzustufen und wegen ihrer Verbindungen zu Al-Kaida auf die Sanktionsliste gegen das Terrornetzwerk zu setzen. Falls keines der 15 Mitglieder des UN-Gremiums Einspruch erhebt, tritt die Maßnahme am Donnerstagabend in Kraft.

Beratungen über internationale Sanktionen

Die Verhängung internationaler Strafmaßnahmen wie Reiseverbote, Kontosperrungen und Waffenembargos war am Samstag bei einem Krisengipfel in Paris vorgeschlagen worden, zu dem sich Nigeria und mehrere Nachbarländer sowie Vertreter der EU und der USA getroffen hatten. Bei der Konferenz vereinbarten Nigerias Präsident Goodluck Jonathan und seine Kollegen aus Kamerun, Niger, Tschad und Benin auch einen gemeinsamen Aktionsplan, um Boko Haram zu bekämpfen.

In der nördlichen Stadt Kano wurden nach Polizeiangaben derweil zwei Männer festgenommen, die mit einem Selbstmordanschlag vom Sonntag in Verbindung gebracht werden. Sie wurden von Passanten, die sie über das Attentat reden hörten, an einer Bushaltestelle festgehalten und anschließend in Polizeigewahrsam genommen. Bei dem Anschlag auf einen überwiegend christlichen Stadtteil waren vier Menschen getötet worden.

afp

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