Döner-Buden ein Renner in Vietnam

Hanoi - Hanoi kann sich als asiatische Metropole vor Garküchen kaum retten. An jeder Straßenecke wird gekocht. Doch macht sich seit einiger Zeit ein neues Phänomen im Stadtbild breit: Der Döner-Kebab-Stand.

Ein Stück “deutscher“ Esskultur. “Deutscher“ Esskultur? Tatsächlich: Die Idee hat jemand aus Augsburg mitgebracht, der erste Döner-Grill stammte aus Deutschland und die Gewürze für die Soße ebenfalls. Der erste Döner-Stand entstand vor fünf Jahren am Goethe-Institut, dem deutschen Kulturzentrum - als “typisch deutsches Studentenfutter“. Inzwischen gibt es Hunderte Stände in der Stadt. Drahtzieher der Döner-Revolution ist Tran Minh Ngoc (47), seines Zeichens Küchenchef im Restaurant des Goethe-Instituts. Dort gibt es Sauerkraut, Spätzle und andere deutsche Köstlichkeiten. “Uns wurde aber schnell klar, dass die Gerichte, die wir hier anbieten, für die meisten Studenten zu teuer sind“, erzählt der Küchenchef im Garten des Goethe-Instituts. Billiger geht es nicht, weil er viele Zutaten einführen muss: Gewürze wie Majoran etwa, oder Sahne. “Wir wollten aber auch etwas für Studentengeldbeutel anbieten.“ Tran dachte zuerst an Frikadellen mit Brötchen und Bratwurst mit Pommes, doch irgendwie klappte das nicht. “Es sollte ja auch etwas besonders sein“, sagt Tran.

Dann entsann er sich seiner eigenen Zeit in Augsburg. Tran war 1989 Student in der Tschechoslowakei, einem sozialistischen Bruderstaat Vietnams, als die Berliner Mauer fiel. Plötzlich rückte der Westen in Reichweite. “Ich wollte Abenteuer, also bin ich rüber und in Augsburg gelandet.“ Dort arbeitete Tran bis 1996 in einer Weinkellerei. “Plötzlich fiel mir ein: wir haben uns dort immer von Dönern ernährt“, sagt er. Eine kurze Kalkulation ergab: für 40 Cent könnte das Goethe-Institut einen respektablen Döner auf die Beine stellen, mit Brot, Krautsalat und Soße. Das rentierte sich aber nur im Straßenverkauf. So besorgte sich Tran in Deutschland einen Döner- Grill, baute ein Wägelchen auf Rollen dafür und stellte das Gefährt vor dem Goethe-Institut auf - der Rest ist Geschichte, wie man sagt. “Erst probierten es die Studenten aus und sie waren begeistert“, berichtet Tran amüsiert.

“Innerhalb kurzer Zeit kamen immer mehr Leute, wir hatten richtige Warteschlangen vor unserem Stand.“ Tran ließ sofort weitere Stände bauen und platzierte sie in der Stadt. Zehn Stände hat er inzwischen - doch zeigt ein Streifzug, dass sein Beispiel Schule gemacht hat. Hunderte, schätzt er, haben inzwischen das schmackhaften Fleischgericht kopiert. Das stört ihn nicht. “Ich habe die Idee ja auch nicht erfunden, sondern bei anderen abgeschaut“, sagt er. Allerdings ist Tran überzeugt, dass nur seine Döner dem Original wirklich nahe kommen. “Wir haben uns natürlich ein bisschen dem vietnamesischen Geschmack angepasst“, sagt er. So verwendet er in der Regel Schweinefleisch, weil Lamm zu teuer ist. Statt des üblichen Pita-Brotes, in das normalerweise Fleisch und Salat kommen, benutzen die Vietnamesen kurze, breite Baguettes - ein Überbleibsel der französischen Kolonialzeit. Sie haben mit dem leichten Weißbrot die Brot-Maßstäbe in Vietnam gesetzt. “Aber unsere Soße - das ist das beste, was es in der Stadt gibt“, versichert Tran. “Wir tun deutsche Gewürze ein - mehr verrate ich nicht.“ Inzwischen kostet der Döner umgerechnet 60 Cent - und findet immer noch reißenden Absatz.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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