Spanische Beamte feiern Ermittlungserfolg

Kinderpornoring: Deutsche Jungen befreit

Madrid - Die spanische Polizei hat mehrere deutsche Jugendliche aus den Händen eines internationalen Kinderpornorings befreit. Der Sitz des Netzwerks liegt aber in Nordamerika.

Die spanische Polizei hat mehrere deutsche Jugendliche aus den Händen eines internationalen Kinderpornorings befreit. Unter den insgesamt 19 Opfern im Alter zwischen elf und 16 Jahren befanden sich außerdem Jungen aus Rumänien und der Ukraine, wie die Polizei auf ihrer Website mitteilte. Teilweise seien die Jungen mit Gewalt zu den Aufnahmen gezwungen worden, teilweise seien sie bezahlt worden.

Im Zuge der Operation „Schwert“ gegen den internationalen Kinderpornoring wurden 28 Verdächtige festgenommen worden. Gegen zehn weitere wurden den Angaben zufolge Ermittlungen eingeleitet. Die Polizeibehörde Interpol habe die spanischen Ermittler im April auf das Netzwerk mit Hauptsitz im kanadischen Toronto aufmerksam gemacht. Bei Razzien in mehreren Städten seien zahlreiche Computer, DVDs und Kameras beschlagnahmt worden.

Haupttatort war offenbar Madrid

Die spanische Zeitung „El País“ berichtete auf ihrer Website, zwei Verdächtige in Alicante hätten die Kinder missbraucht. Sie hätten die Jungen sogar Verschwiegenheitserklärungen unterzeichnen lassen. Haupttatort sei jedoch Madrid gewesen, wo die Verdächtigen die Kinder missbraucht und heimlich gefilmt hätten.

Die Verdächtigen stammen dem Bericht zufolge aus allen Altersklassen und gesellschaftlichen Schichten. Unter den Festgenommenen waren demnach ein Katechet, ein Veranstalter von kirchlichen Zeltlagern und ein Professor für Religionswissenschaft sowie zwei Sextouristen.

Mehr Fälle von Kinderpornografie in Deutschland

Wie viele deutsche Jungen und Jugendliche Opfer des Kinderpornorings wurden und wie alt sie waren, blieb zunächst unklar. In Deutschland hatten die Behörden im vergangenen Jahr mehr Fälle von Kinderpornografie registriert als noch 2010. So stieg die Zahl der Fälle von 5.944 auf 6.332. Hierzu zählen unter anderem der Besitz sowie die Verschaffung von Kinderpornografie. In diesen Fällen registrierten die Statistiker eine Zunahme um 23 Prozent.

Einer Studie aus dem Jahr 2011 zufolge sind kostenlose Tauschbörsen der größte Markt für kinderpornografisches Material. Fast die Hälfte der kinderpornografischen Bilder wird nach der Untersuchung des Kriminalwissenschaftlichen Instituts der Leibniz Universität Hannover auf diese Weise verbreitet.

Zwtl.: Kriminelle nahmen jährlich 1,6 Millionen Euro ein

Gleichzeitig gibt es einen kommerziellen Markt für Kinderpornografie, wie auch der aktuelle Fall zeigt: Die Aufnahmen von dem sexuellen Missbrauch wurden den Polizeiangaben zufolge über drei Internetseiten in insgesamt 94 Ländern vertrieben. Mit dem Verkauf der Dateien nahm das kriminelle Netzwerk jährlich 1,6 Millionen Dollar (1,2 Millionen Euro) ein.

Das Bundeskriminalamt arbeitet gegen die oftmals international agierenden Netzwerke eng mit ausländischen Behörden zusammen. So konnte etwa im März nach einem Hinweis des BKA ein Verdächtiger in Mexiko festgenommen werden, der ein Mädchen jahrelang sexuell schwer missbraucht und die Taten gefilmt haben soll.

dapd

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