Pandemie

Delta-Variante: Zweifachimpfung und trotzdem erkrankt – Woran das liegen kann

Das Impfen schützt vor dem Coronavirus – in der Theorie. Doch einige Covid-Patienten sind trotz doppelter Impfung erkrankt. Das kann mehrere Gründe haben.

Frankfurt – Die Corona*-Pandemie nimmt weltweit wieder an Fahrt auf. Auch in Deutschland steigen die Fallzahlen mit dem Coronavirus*. Und das, obwohl mittlerweile fast die Hälfte der deutschen Bevölkerung doppelt geimpft ist. Ähnliche Beobachtungen gibt es in Israel und Großbritannien.

Selbst schwere Covid-Verläufe, die im Krankenhaus enden, sind offenbar trotz doppelter Impfung möglich. Doch wie kann das sein? Dafür gibt es mehrere Gründe.

Trotz Zweitimpfung infizieren sich manche Menschen mit dem Coronavirus. (Symbolbild)

Grund 1: Die Delta-Variante des Coronavirus

Ganz klar, die Delta-Variante hat den Kampf gegen die Corona-Pandemie nicht gerade leichter gemacht. Sie breitet sich schneller aus, ist aggressiver – und steht im Verdacht, die Impfstoff*-Wirkung herabzusetzen. Laut des Gesundheitsministeriums in Israel lässt etwa die Wirksamkeit des Impfstoffs Pfizer/Biontech seit der Delta-Variante nach*. Demnach sei die Wirksamkeit des Impfstoffs von Biontech auf 64 % gesunken.

Tatsächlich zeigen erste Studien, dass die Impfstoffe – nicht nur das Biontech/Pfizer*-Vakzin – gegen Delta weniger wirksam sind als gegen den Wildtypen von Sars-CoV-2. Gerade bei nur einer gespritzten Dosis ist das Risiko einer Ansteckung vorhanden. Darauf hatte Virologe Christian Drosten* schon vor wenigen Wochen hingewiesen. Drosten betonte bereits wiederholt, dass eine Zweitimpfung nötig sei. Das Auslassen einer Zweitimpfung sei verheerend, erklärte der Charité-Virologe jüngst im NDR-Podcast „Coronavirus Update“: „Solche Dinge dürfen einfach nicht eintreten.“

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt für eine höhere Wirksamkeit gegen Delta die sogenannten Kreuzimpfungen. Dabei bekommen Menschen in der ersten Runde den Impfstoff von Astrazeneca*, in der zweiten Runde dann einen mRNA-Impfstoff (zum Beispiel von Biontech) gespritzt. Laut Fachleuten soll die Immunantwort nach zwei verschiedenen Vakzinen deutlich verstärkt sein. Die Rede ist dabei von einem heterologen Impfschema.

Grund 2: Die Wirkung der Corona-Impfung kann nach einem halben Jahr nachlassen

Ein weiterer Grund für das Erkranken an Covid-19 trotz doppelter Impfung kann der Faktor Zeit sein. Denn die Wirkung der Impfstoffe lässt vermutlich im Laufe der Zeit nach. Auch hier stammen die ersten Vermutungen aus Israel, das mit seiner Impfkampagne schon deutlich weiter ist als etwa Deutschland. Dort sind laut Angaben der Johns-Hopkins-Universität fast 70 % der Bevölkerung vollständig geimpft. Auch hier ist vor allem das Vakzin von Biontech und Pfizer betroffen.

So betonte der Hersteller in einer Mitteilung: „Wie anhand der vom israelischen Gesundheitsministerium erhobenen Daten aus der praktischen Anwendung bereits deutlich wurde, sinkt die Schutzwirkung des Impfstoffs gegenüber Infektionen und symptomatischen Erkrankungen sechs Monate nach der zweiten Impfung.“

Und auf diese Weise bringt der Hersteller eine dritte Impfdosis ins Spiel. Bald könnte eine Auffrischung der Corona-Impfung mit Biontech nötig sein*, heißt der Vorschlag vonseiten Biontechs. Die Rede ist von einem Zeitraum „von sechs bis zwölf Monaten nach der vollständigen Impfung“. Für diesen Vorschlag hagelte es von der WHO herbe Kritik*. Der Generaldirektor der WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus, kritisierte vor allem die ethischen Folgen, die die Empfehlung einer dritten Corona-Impfung von Biontech und Pfizer nach sich zöge.

BezeichnungCorona
VirusSars-Cov-2
InfektionskrankheitCovid-19
Varianten/MutantenB.1.1.7 (Alpha), B.1.351 (Beta), B.1.617.2 (Delta), P.1 (Gamma)
Quelle: Rki.de

Gesundheitsminister Jens Spahn* (CDU*) hatte jüngst auf einer Pressekonferenz erklärt, dass besonders gefährdeten Patienten noch diesen Herbst eine dritte Dosis angeboten wird.

Grund 3: Selbst die Corona-Impfung wirkt nicht immer zu 100 Prozent

Es gilt bei einer Grippe-Impfung, es gilt auch bei Corona. Eine Impfung gegen das Coronavirus schützt nie zu 100 %. Das haben schon die Zulassungsstudien gezeigt. Biontech/Pfizer sowie Moderna* geben bei ihren Vakzinen nach doppelter Impfung ein reduziertes Ansteckungsrisiko um 95 % an, Astrazeneca liegt bei 70 %.

Immerhin: Die Hersteller versprechen nach der Zweitimpfung einen Schutz vor einem schweren Covid-19-Verlauf. Das Problem an der Sache: Die Daten stammen aus den Zulassungsstudien, an denen Menschen mit einem geschwächten Immunsystem aufgrund des zu hohen Risikos nicht teilnahmen. Sprich: Die Daten gelten nur bedingt für eben jene Personen, für die das Risiko eines schweren Verlaufs nach einer Infektion mit Sars-CoV-2 erhöht ist.

Im Juni erklärte etwa Thomas Mertens, Vorsitzender der Stiko: „Es gibt inzwischen mehrere Studien, die zeigen, dass die Impfung gegen Covid-19 bei Menschen, deren Immunsystem medikamentös gebremst wird, nicht so gut wirkt wie bei anderen.“ Mehr noch: „Abhängig vom Ausmaß der Immunsuppression und den verwendeten Medikamenten ist die Immunantwort sogar trotz vollständiger Impfung deutlich schlechter oder fällt ganz aus.“

Mertens geht daher davon aus, dass die doppelte Impfung bei einigen Risikopatienten aufgrund ihres ohnehin schon geschwächten Immunsystems nicht wie erwünscht wirkt. Laut ersten Studien zählen dazu vor allem alte Menschen, Krebskranke oder Organtransplantierte. (nc) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Felipe Dana/dpa

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