Suche nach Verantwortlichen beginnt

Wut und Trauer nach Dacheinsturz in Riga

+
Mit landesweiten Gedenkminuten haben die Menschen in Lettland der mindestens 54 Toten des Dacheinsturzes in Riga gedacht.

Riga - Nach dem Dacheinsturz in einem Supermarkt in Riga mit mindestens 54 Toten wird jetzt untersucht, wie es zu der Katastrophe kommen konnte und wer dafür verantwortlich ist.

Am Sonntagabend beendeten die Helfer die Durchsuchung einer 80 Quadratmeter großen Fläche, in der noch Menschen unter den Trümmern vermutet wurden. Dabei seien keine Opfer mehr gefunden worden, sagte die Staatssekretärin des Innenministeriums im Fernsehen. Die Helfer durchkämmten noch eine kleinere Fläche in der Mitte des eingestürzten Supermarkts. Die Wahrscheinlichkeit, dort noch jemanden zu finden, liege bei „unter 0,1 Prozent“, sagte sie.

Die Menschen in Lettland beschäftigt unterdessen neben der Frage nach der Unglücksursache die Suche nach Schuldigen. „Wie ist es möglich, dass ein Gebäude einstürzen kann, das erst vor ein paar Jahren gebaut wurde?“, fragt die Tageszeitung „Diena“ am Montag stellvertretend für die Menschen in dem baltischen Land.

Vier Tage nach der Tragödie, bei der mindestens 54 Menschen starben, sind viele Letten immer noch fassungslos. Denn das erst vor zwei Jahren eröffnete Einkaufszentrum galt damals als eines der drei architektonisch interessantesten Neubauten des Landes. Übrig blieb eine Ruine aus Glasscherben und Betonteilen. „Die wichtigste Frage ist nun die nach der Ursache des Dacheinsturzes“, betont Valdis Dombrovskis. Lettlands Regierungschef hat eine umfassende Untersuchung der Tragödie angeordnet.

Schock nach Einsturz eines Supermarktdachs in Riga

Schock nach Einsturz eines Supermarktdachs in Riga - Bilder

Waren eine fehlerhafte Konstruktion oder Bauarbeiten auf der mit Gras und Kies bedeckten Dachfläche die Ursache? Dort sollte Medienberichten zufolge ein Garten und Kinderspielplatz für das benachbarte Wohnhochhaus angelegt werden. Am Wochenende sorgte ein finnischer Bauingenieur für Aufsehen, der aufgrund von Fotoaufnahmen und eigenen Berechnungen zum Schluss kam, dass es beim Bau Planungs- und Konstruktionsfehler gegeben haben könne. Auch Martins Straume vom lettischen Ingenieursverband glaubt an einen Konstruktionsfehler, wahrscheinlich bei der Verbindung der stützenden Stahlträger, wie er dem Portal Nozare.lv sagte.

„Ich war überrascht über die brüchige Struktur der Betonüberdachung“, sagte der Feuerwehrmann Vilis Students der Tageszeitung „Latvijas Avize“. Die Gebäudeteile des eingestürzten Supermarktes hätten mit Kneifzange, Brechstange oder einfachem Hammer durchbrochen werden können. In Übungssituationen seien derartige Betonkonstruktionen oft nur mit einem Presslufthammer zu knacken, sagte der Oberst der Rettungskräfte.

„Ich bin schockiert, traurig und wütend“, sagt eine 56-jährige Anzeigenverkäuferin in der Innenstadt von Riga. Sie glaubt an eine „Kette von Fehlern“. In Lettland gebe es keine klar geregelte Bauaufsicht. Zudem hätten die Baufirmen sicherlich auch nicht die notwendige Sorgfalt walten lassen, sagt sie.

Die am Bau des Gebäudes beteiligten Firmen wiesen indes bereits unmittelbar nach dem Einsturz Vorwürfe über möglichen Pfusch zurück. Der Supermarkt-Betreiber kündigte eine eigene Untersuchung der Unglücksursache an. „Ich fordere alle Beteiligten auf, darüber nachzudenken, was er oder sie getan hat, so dass wir nach der Trauerzeit beginnen können, Maßnahmen zu ergreifen“, fordert Staatspräsident Andris Berzins.

„Wer auch immer Schuld hat, muss dafür zur Verantwortung gezogen werden“, sagt eine Frau, ehe sie zwei Grablichter zum Gedenken an die Opfer entzündet. „Dies sind wir den vielen Opfern einfach schuldig.“

Fahnen im ganzen Land auf halbmast

Mit landesweiten Gedenkminuten haben die Menschen in Lettland der mindestens 54 Toten des Dacheinsturzes in Riga gedacht. Am Unglücksort, einem Supermarkt in einem Vorort der Hauptstadt, wurden die Bergungsarbeiten am Montag um 10.00 Uhr für drei Minuten unterbrochen. Staatspräsident Andris Berzins legte Blumen am Ort Katastrophe nieder, ebenso wie Hunderte Menschen. Kerzen flackerten vor der Absperrung. In ganz Lettland hängen Nationalflaggen auf halbmast.

Unter die Trauer mischt sich immer mehr Wut. In der kleinen Baltenrepublik ist eine heftige Debatte darüber entbrannt, wer schuld ist an der Katastrophe. Viele sprechen von Planungsfehler oder Vorstößen gegen die Bauvorschriften als mögliche Ursachen. „Opfer auf einem Altar der Verantwortungslosigkeit“, schrieb die Zeitung „Neatkariga Rita Avize“ am Montag auf ihrer Titelseite über die Namen der Toten. „Es gibt Verluste, die man nicht hinnehmen kann“, hieß es in einem Kommentar der Wirtschaftszeitung „Diena“.

„Dies ist ein schweres Verbrechen, und so sollte man es auch benennen und entsprechend verfolgen“, sagte Ministerpräsident Valdis Dombrovskis am Montag im Fernsehen. Wegen der hohen Opferzahl hatte zuvor bereits Präsident Berzins Ermittlungen wie in einem Mordfall gefordert.

Drama in Lettland: Supermarktdach stürzt ein - Bilder

Drama in Lettland: Supermarktdach stürzt ein - Bilder

dpa

Dschungelcamp 2017: Tag sechs im Busch in Bildern

Dschungelcamp 2017: Tag sechs im Busch in Bildern

Deutschland besiegt Weißrussland - die Bilder

Deutschland besiegt Weißrussland - die Bilder

DHB-Auswahl wahrt weiße Weste - 31:25 gegen Weißrussland

DHB-Auswahl wahrt weiße Weste - 31:25 gegen Weißrussland

Werder-Training am Mittwoch

Werder-Training am Mittwoch

Meistgelesene Artikel

Intimrasur im Schaufenster: Sie nimmt Amts-Anordnung wörtlich

Intimrasur im Schaufenster: Sie nimmt Amts-Anordnung wörtlich

Sturmfluten im Norden, Glätte im Süden

Sturmfluten im Norden, Glätte im Süden

Deutscher Segler im Atlantik tot aufgefunden

Deutscher Segler im Atlantik tot aufgefunden

Pilotenfehler soll zu Absturz geführt haben

Pilotenfehler soll zu Absturz geführt haben

Kommentare