Kreuzfahrtschiff gerät mitten in Monster-Orkan - Passagier schildert dramatische Szenen
Ein Kreuzfahrtschiff ist mitten in den Rekord-Sturm geraten. Der Orkan „Ciaran“ schüttelte die „Mein Schiff 3“ ordentlich durch. Ein Passagier teilt Fotos und Videos.
Syke – Mitte der Woche kündigte sich Sturmtief „Ciaran“ bereits an, seit Donnerstag (2. November) fegt der heftige Sturm auch über Deutschland hinweg. Bilder von Meter hohen Wellen, die auf die Ufer treffen und von Verwüstungen an Land lassen die Wucht, mit der das Tief über Europa zieht, erahnen.
Nicht das beste Wetter, um zur See zu fahren. Das mussten auch die Gäste an Bord der „Mein Schiff 3“ erfahren. In den Sozialen Medien berichten einige von einer ruppigen Fahrt entlang der französischen und spanischen Atlantikküste.
„Im Bett musste man sich festkrallen“: Jahrhundertsturm „Ciaran“ fegt über Kreuzfahrtschiff
Die meisten der rund 2500 Passagiere dürften sich wohl eher auf einen Sonnenbrand eingestellt haben. Die „Mein Schiff 3“ hatte nur wenige Tage vorher den Anleger in Bremerhaven Richtung Karibik verlassen und gerade Kurs auf Teneriffa genommen, als der Orkan aufzog und den Riesen-Dampfer von TUI Cruises ordentlich durchschüttelte.
Laut dem Branchen-Portal schiffe-und-kreuzfahrten.de sollen die Wellen bis zu acht Meter hoch gewesen sein, als das Schiff auf seiner ersten Etappe die spanische Insel ansteuerte. Gäste an Bord berichten auf Facebook gar von zehn Meter hohen Wellengang. „Sämtliche Außenbereiche wurden bereits vorsorglich gesperrt“, dokumentiert einer der Passagiere der „Mein Schiff 3“ am Donnerstag (2. November) auf der Plattform und hängt seinem Erfahrungsbericht etliche Bilder und Videos an.
In einem weiteren seiner Beiträge ist zu sehen, dass das Inventar des Bordrestaurants sturmfest gesichert wurde. Mit Klarsichtfolie wurden Stühle und Tische eingewickelt und fest verpackt. „Das Geschirr und alles, was nicht irgendwie gesichert war, flog durch die Gegend“, heißt es in weiteren Passagierberichten. „Selbst im Bett musste man sich festkrallen, um nicht herauszufallen.“ Die Veranstaltungen im Inneren hätten aber wie geplant stattfinden können. Verletzt wurden dabei weder Passagiere noch Crewmitgleider, wie eine Sprecherin von TUI Cruises gegenüber IPPEN.MEDIA bestätigte.
Trotz modernster Stabilisatoren: Kreuzfahrtdampfer anfällig für Orkane
Normalerweise kann hoher Wellengang nur selten den modernen Hochsee-Dampfern etwas anhaben. Denn Kreuzfahrtschiffe sind heutzutage mit modernen Stabilisatoren ausgestattet, dank denen auf den Decks größtenteils ruhig bleibt. Wie die Branchenkenner von cruisetricks.de schreiben, funktionieren die Stabilisatoren im Grunde wie Flossen oder Flugzeugflügel, die unterhalb der Wasserlinie an den Seiten des Schiffs ausgefahren werden. Sie dämpfen den Aufprall des Schiffes auf der Wasseroberfläche, indem sie sich der rollenden Bewegung anpassen.
Allerdings sind Kreuzfahrtschiffe dafür anfälliger für ein Sturmtief, erklärt die Kreuzfahrt-Zeitung. „Schiffe, die über dem Wasser eine große Fläche aufweisen, haben mehr Angriffsfläche für den Wind, während ein größerer Tiefgang für eine ruhigere Fahrt sorgt“, so die Fachzeitung. Ab Windstärke 5 (29 bis 38 km/h) kann man Auswirkungen an Bord merken, heißt es. „Ciaran“ erreichte gebietsweise mit Spitzenwerte bis zu 200 Kilometer die Stunde, die höchste Windstärke 12 und forderte auch in Deutschland Todesopfer.
„Mein Schiff 3“ musste durch Orkantief „Ciaran“ vor Atlantikküste
Eine Routenänderung, die häufig vorgenommen werden, um Stürme zu umfahren, war der „Mein Schiff 3“ auf dem Atlantik nicht möglich, heißt es auf schiffe-und-kreuzfahrten.de. Auch, um den Zeitplan nicht zu gefährden. Allerdings habe das Schiff seine Geschwindigkeit angepasst.
Phasenweise erlaubte der Sturm dem Schiff nur ein gedrosseltes Tempo von 12 Knoten (ca. 22 Km/h). Normalerweise sind die Dampfer durchschnittlich mit 25 Knoten (46 Km/h) unterwegs. Dann legte die „Mein Schiff 3“ nach Rücksprache mit der Flottenleitung wohl deutlich zu, „um vor den stärksten Auswirkungen des Sturms die Unwetter-Region wieder zu verlassen“, bestätigte die Unternehmenssprecherin.
„Es wird ruhiger“, schrieb der „Mein Schiff“-Passagier am Donnerstagabend. Die Wellen in dem beigefügten Video sind sichtlich kleiner, ein Foto zeigt einen Regenbogen am Horizont. Nicht ausgeschlossen, dass die Gäste noch einmal in raue See geraten. In der angesteuerten Karibik ist von Juli bis November nämlich Hurrikan-Saison. Im Sommer kam es vermehrt auch im Mittelmeer zu heftigen Stürmen: Bei einem Landgang auf Mallorca wurde beispielsweise das Tau aus der Verankerung gerissen. (rku)




