Umfangreicher Hilfseinsatz läuft

Corona: Fatal getroffenes Portugal feiert Bundeswehr-Soldaten als Helden - „Die Deutschen sind die ersten“

Transportflugzeug Airbus A400M der Bundeswehr
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Mit einem Transportflugzeug Airbus A400M der Bundeswehr wurden die deutschen Soldaten nach Portugal gebracht. (Symbolbild)

Die dritte Corona-Welle trifft Portugal mit voller Wucht. In Lissabon wird Triage angewendet, jetzt soll die deutsche Bundeswehr helfen. Der News-Ticker.

  • Portugal hat schwer mit der Corona-Pandemie zu kämpfen.
  • In Lissabon sind die Krankenhäuser am Limit - jetzt helfen deutsche Bundeswehr-Soldaten im Kampf gegen Covid-19 (siehe Update vom 3. Februar, 10.45 Uhr).
  • Dieser News-Ticker wird regelmäßig aktualisiert.

Update vom 3. Februar, 10.45 Uhr: Der umfangreiche Hilfseinsatz der deutschen Bundeswehr in Portugal ist an diesem Mittwochvormittag angelaufen - begleitet von reichlich Emotionen.

So werden die deutschen Soldaten in Lissabon regelrecht als Helden empfangen. Insgesamt 26 Spezialisten sind auf die iberische Halbinsel geflogen, darunter Intensivmediziner, Hygieneexperten und Anästhesisten, wie ein Sprecher der Bundeswehr erklärte: „Es ist in unserer DNA, zu helfen.“

Corona-Hilfseinsatz der Bundeswehr - Portugal feiert Ankunft der deutschen Soldaten

Portugal hat schwer mit der dritten Corona-Welle* im Land zu kämpfen. Die Erleichterung beim EU-Partner über die deutsche Hilfe ist offensichtlich groß. Der Europaabgeordnete Paulo Rangel sprach von einem „Beispiel europäischer Solidarität“.

„Die Deutschen sind die ersten“, titelte die renommierte Zeitung Público anerkennend. Leser der Zeitung schrieben, sie seien bewegt und dankbar für die Hilfe aus Berlin. „In schwierigen Stunden erkennt man die echten Freunde“, lautete ein Eintrag in der Kommentarspalte. Público erinnerte daran, dass Deutschland schon in der ersten Corona-Welle anderen Ländern geholfen habe.

Die Hilfe in Portugal ist dringend notwendig, weil das südeuropäische Land mit seinen rund 10,3 Millionen Einwohnern schwer unter der Corona-Pandemie leidet. Laut dem von der Oxford University unterstützte Portal „Our World in Data“ habe kein Land der Welt zuletzt im Verhältnis zur Bevölkerungszahl mehr Neuinfektionen und mehr Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 gemeldet als Portugal. Deswegen seien einzelne Kliniken zur Triage übergegangen, hieß es zuletzt.

Das heißt, dass Coronavirus-Patienten nach Überlebenschancen behandelt werden. Die Bundeswehr-Soldaten werden allesamt in einem großen Krankenhaus in Lissabon eingesetzt. Vor mehreren Krankenhäusern hatten sich in den vergangenen Tagen Schlangen an Krankenwagen gebildet, weil das Personal nicht mehr in der Lage war, die Aufnahme der Patienten abzuarbeiten.

Die Lage in den Krankenhäusern sei „absolut dramatisch“, betont der Präsident des portugiesischen Ärzteverbandes ANMSP, Ricaro Mexia, zuletzt.

Coronavirus-Pandemie in Portugal: Die Covid-19-Fallzahlen explodieren weiter

Update vom 3. Februar, 8.01 Uhr: Portugal hatte die erste Corona-Welle vergleichsweise gut überstanden. Zu Weihnachten lockerte die Regierung die Covid-19-Beschränkungen. Jetzt explodieren die Fallzahlen. Die deutlich ansteckende britische Coronavirus-Variante breitet sich rasant aus.

Nachdem sich vor dem größten Krankenhaus in Lissabon die Krankenwagen mit Covid-19-Patienten stauten, bat die portugiesische Regierung um Hilfe. Die Bundeswehr bricht an diesem Mittwoch deshalb zu einem Hilfseinsatz auf. Ein 26-köpfiges Team aus Ärzten, Pflegefachkräften und Hygiene-Experten wird entsandt - und mit ihnen 50 Beatmungsgeräte und jeweils 150 Infusionsgeräte und Krankenbetten.

Seit Mitte Januar ist Portugal im Lockdown. Zu spät kritisieren Experten.  „Der strenge Lockdown hätte schon vor Weihnachten beginnen müssen, so wie in anderen Ländern“, sagt Virologen Pedro Simas vom Institut für molekulare Medizin in Lissabon.

Portugal sei von der dritten Welle getroffen worden, als es fast noch in der zweiten Welle steckte und die Ansteckungszahlen viel zu hoch gewesen seien.

Corona-Kollaps in Portugal: Lissabons größte Klinik zu Triage gezwungen - weltweite Rekord-Inzidenz

Update vom 2. Februar 2021, 09.27 Uhr: Portugal schlittert immer weiter in die Corona-Krise. Während das südeuropäische Land vor Monaten noch als Vorbild in puncto Pandemiebekämpfung galt, sieht die aktuelle Lage immer besorgniserregender aus. Laut dem Statistik-Portal Our World in Data werden in Portugal weltweit die meisten Covid-Fälle pro eine Million Einwohner verzeichnet.

Seit fast zwei Wochen bewegen sich die neuen Fälle im fünfstelligen Bereich. Die knapp 6.000 am Montag (1. Februar) gemeldeten Fälle stellen hier wohl nur eine Ausnahme dar, weil auch in Portugal am Wochenende weniger getestet und gemeldet wird. Wie prekär die Lage tatsächlich ist, wird derweil an Lissabons größter Klinik, dem Santa Maria Krankenhaus, deutlich. Die Behörden vor Ort müssen mittlerweile sogar die sogenannte Triage anwenden.

Unter der Triage versteht man eine Auswahlentscheidung, durch die geregelt werden soll, wer medizinisch behandelt wird und wer nicht. Das Klinikpersonal muss unter Zeitdruck entscheiden, welche der unzähligen Covid-Patienten sie medizinisch betreuen können und welche nicht. Wenn die Mediziner zu dem Ergebnis kommen, dass eine entsprechende Person nicht „krank genug“ ist, wird der Zugang zum Krankenhaus verwehrt. Die Personen werden nach Hause geschickt oder, wenn sie Glück haben, in umliegende Kliniken geflogen. Sofern denn dort Kapazitäten frei sind.

Dass es überhaupt zu einer solchen Entscheidung kommen muss, begründet sich am Gesundheitssytsem Portugals - es wurde schon vor Corona heruntergespart und steht nun vor dem absoluten Kollaps. Am Sonntagabend waren gerade einmal sieben Intensivbetten frei, im ganzen Land.

Die 7-Tage-Inzidenz ist indes mit einem Wert von 816 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in den letzten 7 Tagen weiter extrem hoch.

Mehr als dreißig Krankenwagen stehen am Wochenende teils stundenlang Schlange, um ihre Corona-Patienten im Santa Maria Krankenhaus an die Sanitäter zu übergeben. Das Klinik-Personal stößt auch bei der Beurteilung, ob Menschen behandelt werden können, vor seine Grenzen.

Corona in Portugal: Tourismus-Kollaps im Land - Lage wie in den 1990ern

Update vom 1. Februar 2021, 16.45 Uhr: Der wichtige Tourismussektor in Portugal ist durch die Corona-Pandemie auf das Niveau der frühen 1990er Jahre zurückgeworfen worden Wie die nationale Statistikbehörde INE in Lissabon mitteilte, brach die Zahl der Übernachtungen im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2019 um 63 Prozent auf 26 Millionen ein. Eine niedrigere Zahl sei zuletzt 1993 mit 23,6 Millionen registriert worden, hieß es. Die Zahl der Touristen sei derweil um 61,2 Prozent auf 10,5 Millionen gefallen.

Das Minus bei den Übernachtungen ausländischer Gäste fiel 2020 nach Angaben der Behörde mit 74,9 Prozent (auf 12,3 Millionen) noch schlimmer aus. Die Übernachtungen von Inländern gingen laut INE „nur“ um 35,3 Prozent auf 13,6 Millionen zurück.

Update vom 1. Februar 2021, 10.01 Uhr: Auf dem portugiesischen Festland spitzt sich die Corona-Lage weiter zu. Nach Meldungen vom Sonntagabend seien dort nach Angaben der Behörden nur noch sieben der 850 Intensivbetten für Covid-19-Patienten frei. Das berichtet der Tagesspiegel online. Neben der deutschen Bundeswehr (siehe Erstmeldung vom 31. Januar) hatte Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz ebenfalls angeboten, schwerkranke Corona-Patienten aufzunehmen. Die 7-Tages-Inzidenz* liegt indes bei einem Wert von 827.

Corona-Katastrophe in Portugal: Gesundheitssystem vor dem Kollaps - Bundeswehr schickt Ärzte

Erstmeldung vom 31. Januar 2021: Berlin/Lissabon - Schon vergangenes Wochenende kam der verzweifelte Hilferuf direkt bei Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) an. Die Bundeswehr reagierte überraschend schnell und schickte einen Experten-Erkundungstrupp in das Corona*-gebeutelte Land.

Dramatische Corona-Lage in Portugal: Inzidenz erreicht weltweiten Rekordwert

Der hat sich nun nach Informationen des Spiegel zurückgemeldet und berichtet von einer katastrophalen Corona-Lage. Die Zahl der täglichen Todesfälle steigt exponentiell. Die 7-Tage-Inzidenz liegt aktuell bei über 800 - ein weltweiter Rekord. Offenbar rund 70 Prozent des gesamten Pflegepersonals in den Krankenhäusern ist selbst mit Corona infiziert. Das Gesundheitssystem ist quasi schon kollabiert und wird viele der zu erwartenden neuen Intensiv-Patienten nicht mehr behandeln können. Deshalb, so das Ergebnis der Bundeswehr-Experten, helfe jeder Sanitäter, den Deutschland entbehren könne.

Corona-Katastrophe in Portugal: Bundeswehr schickt Ärzte und Material

Die Bundeswehr reagiert. 27 Ärzte und Sanitäter sollen laut Spiegel umgehend in Marsch gesetzt werden. Mindestens drei Wochen soll das Team vor Ort bleiben. Außerdem sollen Anfang der Woche Hilfsflüge nach Portugal starten. Diese liefern Betten, medizinisches Material und Beatmungsgeräte, mobile wie stationäre.

Corona in Portugal: Britische Mutante treibt Infektionen an

Nachdem Portugal eher glimpflich durch die Pandemie gekommen war, explodierten die Zahlen Anfang bis Mitte Januar. Offenbar auch mit Infektionstreiber ist die britische Virus-Mutante*. Diese ist nun inzwischen auch nahe München nachgewiesen* worden und macht Politikern deutschlandweit große Sorgen. Am Montag wollen sich Merkel und die Ministerpräsidenten zu einem Corona-Impfgipfel treffen. Was der jetzt genau lösen soll, bleibt etwas vage. *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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