Keine langfristige Planung?

„Versäumt, die Gesundheitsämter auf zweite Welle vorzubereiten“ - FDP-Expertin mit harscher Kritik

Gesundheitsamt Stadt Göttingen mit Absperrung vor der Tür
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Gesundheitsamt Stadt Göttingen - viele Ämter könnten bei einer zweiten Welle überfordert sein, warnen Experten

Die Gesundheitsämter in Deutschland spielen eine zentrale Rolle bei der Eindämmung der Pandemie. Experten sehen sie schlecht vorbereitet für eine zweite Welle.

  • Das Infektionsgeschehen ist in Deutschland weiterhin dynamisch.
  • Eine zentrale Rolle in der Bekämpfung des Coronavirus* sehen Experten in den Gesundheitsämtern - doch Experten sehen sie schlecht ausgestattet.
  • Hier finden Sie die grundlegenden Fakten zum Coronavirus* und eine Karte mit den aktuellen Fallzahlen in Deutschland.

München - Deutschland hat es versäumt, die Gesundheitsämter auf eine zweite Welle vorzubereiten, sagt die Gesundheitspolitische Sprecherin der FDP, Christine Aschenberg-Dugnus. Sie fürchtet, dass die personalintensive Arbeit langfristig nicht aufrechterhalten werden kann. Eine „konzertierte Aktion“ fordert auch die Bundesärztekammer.

Aschenberg-Dugnus sagte gegenüber der Welt, dass es an einem umfassenden Gesamtkonzept mangelt.

Corona in Deutschland: Gesundheitsbehörden können langfristig die hohe Leistung nicht aufrechterhalten

Für Aschenberg-Dugnus steht fest: Es sind die Behörden, die an vorderster Front kämpfen, weil nur sie das regionale Infektionsgeschehen beurteilen könnten. Das heißt auch: „Sie müssen daher im Kampf gegen die zweite Welle auf die notwendigen Mittel und das nötige Personal zurückgreifen können.“

Aus Umfragen zur Personalsituation wisse man aber, dass die Behörden nicht in der Lage seien, diese personalintensive Arbeit langfristig aufrechtzuerhalten, so Heidrun Gitter, Vizepräsidentin der Bundesärztekammer. „Was wir jetzt brauchen, ist eine ,konzertierte Aktion‘ für die Stärkung der Gesundheitsämter. Die Arbeitsbedingungen müssen attraktiver, die Vergütung konkurrenzfähiger und der Arbeitsplatz moderner werden“, so Gitter.

Bereits jetzt habe man eine Offensive für die Gesundheitsämter geplant, so eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums: „Dabei soll im Bereich Personal auch die Attraktivität der ärztlichen Tätigkeit im ÖGD, die Aus- und Weiterbildung sowie die Nachwuchsgewinnung enthalten sein.“ 

Gesundheitsämter vor möglicher zweiter Welle: Warnung vor erneuter Notlösung

Dass hier auch im Falle einer zweiten Welle davon gesprochen wird, wieder Medizinstudenten einzusetzen, sehen Experten unterdessen kritisch: Man könne sich nicht von Notlösung zu Notlösung hangeln. Für Gitter führt der Einsatz von Medizinstudenten zu einer Verschlechterung der ärztlichen Ausbildung in Deutschland.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach will indes die Strategie der Gesundheitsämter ändern - statt aufwendiger Einzelfallverfolgungen fordert er eine Konzentration auf Super-Spreader-Events.

Weltweit kann von einer Beruhigung der Situation nicht die Rede sein - laut WHO müssen wir uns darauf einstellen, dass die Pandemie noch „sehr lange“ dauert. (kat) *Merkur.de ist Teil des deutschlandweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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