Streit droht

Österreich fährt neue Corona-Strategie: Inzidenz von 563 - erstmals ganze Stadt abgeriegelt

In Österreich ist erstmals eine große Stadt von den neuen Corona-Bestimmungen betroffen. In Wiener Neustadt gelten schon bald strengere Maßnahmen als im Rest des Landes.

Wiener Neustadt - Österreich hat seine Corona-Strategie zuletzt geändert. Nachdem mehrere Lockdowns* nicht den gewünschten Ertrag erzielt hatten, setzt die Alpenrepublik nun auf großflächige Öffnungen - unter der Bedingung, dass Gebiete mit hohen Infektionszahlen wieder isoliert werden. Dieses Szenario betrifft nun erstmals eine größere Stadt. An diesem Mittwoch ist die Ausreisetestpflicht in Wiener Neustadt (Niederösterreich) Kraft* getreten.

Corona in Österreich: Inzidenz von 563 - strenge Auflagen für Wiener Neustadt

In Wiener Neustadt war zuletzt ein drastischer Anstieg an Corona-Fällen zu verzeichnen gewesen. Deshalb gelten für die Bewohner der rund 50.000-Einwohner-Stadt, die etwa 50 Kilometer südlich von Wien* liegt, nun strikte Ausgangsregeln. Wer Wiener Neustadt verlassen wolle, benötige ab Mittwoch einen negativen Coronatest*, teilte die Stadt am Montag mit.

Die Testpflicht soll so lange aufrechterhalten werden, bis die Sieben-Tages-Inzidenz* zehn Tage in Folge unter 200 liegt. Das zeichnet sich in Wiener Neustadt aktuell jedoch keineswegs ab. Vor Ort liegt die Inzidenz aktuell bei 563 Fällen pro 100.000 Einwohnern, in ganz Österreich beträgt sie 185,2.

BundeslandSieben-Tage-Inzidenz (Quelle: AGES, Stand: 7. März)
Voralberg76 Fälle pro 100.000 Einwohner
Tirol115,5
Oberösterreich154,4
Steiermark165,6
Burgenland180,7
Kärnten187,1
Niederösterreich214,2
Wien228,9
Salzburg245,7

Corona in Österreich: Ampelmodell der Bundesregierung - Restriktionen ab Inzidenz 400

In puncto Lockerungen setzt die österreichische Bundesregierung um Kanzler Sebastian Kurz* weiterhin auf ein Ampel-Modell*. Die Lockerungsschritte sind klar an die Inzidenz vor Ort gekoppelt*. So werden getätigte Lockerungsschritte ab einer Inzidenz von 200 wieder zurückgenommen, ab Inzidenz 400 sollen besonders restriktive Maßnahmen folgen. Ausgangsbeschränkungen und Ausreisetestpflicht.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) erhofft sich durch diese Maßnahmen eine gesteigerte Testrate und will so die Corona-Lage Österreichs auf regionale Hotspots beschränken. Anschober will die Maßnahmen auf Ebene der Bezirksverwaltungsbehörden umsetzen und somit der Pandemie „flexibler, verhältnismäßiger und regionaler“ Herr werden.

Österreichs Regierung um Kanzler Kurz (m) und Gesundheitsminister Anschober (r) hat ihre Corona-Strategie zuletzt etwas verändert. Der Fokus liegt vielmehr auf lokalen Regelungen statt landesweiten Einschränkungen.

Corona in Österreich: Test entscheidend, „um Verbreitung der südafrikanischen Variante massiv zu verringern“

Dass dieser Ansatz funktionieren kann, hätte sich laut Anschober bereits in Tirol gezeigt, wo sich Corona-Mutationen* ausgebreitet und folglich strengere Regeln gegolten hatten. Um in das oder aus dem Bundesland zu reisen, mussten die Bewohner einen negativen Corona-Test vorweisen. Das habe „zu einer massiven Steigerung der Tests geführt und wesentlich dazu beigetragen, dass die Verbreitung der südafrikanischen Variante massiv verringert werden konnte“.

Ohnehin sieht Österreich derzeit vor allem in der gesteigerten Testkapazität den Weg aus der Krise. An Schulen etwa wurde die Anzahl der Testkits zuletzt hochgefahren, zudem braucht es auch für körpernahe Dienstleistungen wie dem Friseurbesuch ein negatives Testergebnis.

Corona in Österreich: Wiener Neustadts Bürgermeister wettert nach Inzidenz-Beschluss - „unverantwortlich“

Aber hat Österreich dennoch genügend Tests, um den Bedarf für eine ganze Stadt zu decken? Wiener Neustadts Bürgermeister Klaus Schneeberger (ÖVP) ist skeptisch. Denn die Stadt bräuchte mindestens 15.000 Tests pro Tag, aktuell liege die Zahl bei etwas mehr als 2.000. „Es ist unverantwortlich - und das mache ich sicher nicht - Menschen zu kontrollieren, die gar nicht die Möglichkeit haben, einen Test zu erlangen“, sagte Schneeberger im Radiosender Ö1.

Der ÖVP-Politiker forderte zudem Unterstützung bei der Umsetzung der neuen Restriktionen. „In einer Stadt mit 50.000 Bewohnerinnen und Bewohnern, täglich 21.000 Aus- und 20.600 Einpendlern, 15.000 Passagieren des Öffentlichen Nahverkehrs, einer Hauptdurchzugsstraße mit Autos und als Verkehrsknotenpunkt für die gesamte Region ist diese Maßnahme ohne zur Verfügung Stellung von ausreichend zusätzlichem Personal nicht durchführbar.“ Für die Kontrollen sind daher 300 Soldaten angefordert worden.

Corona in Österreich: Nicht nur Wiener Neustadt betroffen - Restriktionen auch im Pongau und Kärten

Ein Ausbau der Teststraßen von 16 auf 40 soll den Testansturm gewährleisten. Da diese Kapazitäten nach aktuellem Stand aber erst in den kommenden Tagen hochgefahren werden können, soll es in Wiener Neustadt zunächst Stichprobenkontrollen bei der Ausreise geben. Flächendeckende Sanktionen für Reisen ohne negatives Testergebnis gibt es erst ab Samstag. Die Höhe der Strafe war am Montag noch offen.

Wiener Neustadt ist nicht der einzige Ort, der momentan besonders im Fokus steht. Seit Freitag wird (5. März) die Ausreise aus dem Bezirk Pongau im Bundesland Salzburg kontrolliert, ab Dienstag soll der Kärtner Bezirk Hermagor abgeriegelt werden. Pongau und Hermagor sind ebenso wie Wiener Neustadt als Hochinzidenzgebiet eingestuft, kommen auf 486,5 beziehungsweise 573 Fälle pro 100.000 Einwohner. (as) *Merkur.de ist Teil von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Georges Schneider/imago-images

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