Aber sie sind zu teuer

Corona: WHO empfiehlt neue Medikamente zur Bekämpfung des Sterberisikos

Noch gibt es kein Medikament im Kampf gegen Corona. Nun hat die WHO aber zwei Entzündungshemmer zur Behandlung von Covid-19 aufgenommen, die Hoffnung machen.

Dortmund – Noch gibt es kein spezifisches Medikament gegen das Coronavirus*. Allerdings forschen Unternehmen wie Biontech und Pfizer mit Hochdruck an einer Corona-Pille*. Der Pharmakonzern hofft noch 2021 auf eine Zulassung. Bis es aber soweit ist, müssen weiterhin die Symptome einer Covid-19-Erkrankung behandelt werden. Und diesbezüglich machen nun zwei neue Medikamente Hoffnung, wie RUHR24* berichtet.

Sonderorganisation der Vereinten NationenWeltgesundheitsorganisation (WHO)
HauptsitzGenf (Schweiz)
Gründung7. April 1948
AufgabenVerwirklichung des bestmöglichen Gesundheitsniveaus und die Bekämpfung von Erkrankungen weltweit

Corona: Bislang noch kein spezifisches Medikament gegen Covid-19 entdeckt

Derzeit kommen bei der Therapie von Covid-19 viele unterschiedliche Medikamente zum Einsatz, die ursprünglich zur Behandlung von anderen Erkrankungen entwickelt wurden. So werden unter anderem Ebola-, HIV- oder Malaria-Medikamente eingesetzt, um gegen die Symptome einer Corona-Erkrankung vorzugehen.

Auch medikamentöse Blutverdünnung, Sauerstoffgabe, Antibiotika, Cortison und andere entzündungshemmende Medikamente werden immer wieder als Behandlungsmöglichkeit herangezogen. Welche dieser Methoden zur Therapie von Covid-19 eingesetzt wird, hängt vom jeweiligen Patienten und dem Krankheitsverlauf ab.

Corona: WHO nimmt neue Medikamente zur Behandlung von Covid-19 auf

Die Weltgesundheitsorganisation WHO erweitert dabei kontinuierlich die Liste der Medikamente, die auf Basis von neuesten medizinischen Erkenntnissen zur Behandlung von Corona* zu empfehlen sind. Seit Dienstag (6. Juli) ist diese Liste um zwei Arzneimittel länger. Und sie machen Hoffnung, was die Sterblichkeitsrate bei einer Corona-Erkrankung betrifft.

Konkret geht es dabei um Tocilizumab und Sarilumab – zwei Wirkstoffe, die ursprünglich zur Behandlung rheumatischer Gelenkentzündungen entwickelt wurden. Die Empfehlung der WHO erfolgte nach einer in dem amerikanischen Ärzteblatt Jama veröffentlichten Studie.

Corona: Studie macht Hoffnung bei zwei Medikamenten

Die Ergebnisse sind deutlich: Bei Corona-Patienten mit schwerem Krankheitsverlauf reduzierte die Verabreichung eines der beiden Medikamente das Sterberisiko um 13 Prozent. Wichtig sei allerdings, dass die Betroffenen die Rheuma-Mittel immer in Verbindung mit Cortison verabreicht bekommen. Sogenannte Glukokortikoide sind jedoch inzwischen Standard bei der Behandlung von schweren Covid-19-Verläufen.

Das Risiko, dass ein Corona-Patient beatmet werden muss, wird im Vergleich zur Standardbehandlung um 28 Prozent reduziert. Konkret bedeutet das: Bei 1000 Corona-Infizierten gibt es 15 weniger Todesfälle und 23 weniger Menschen, die mechanisch mit Sauerstoff versorgt werden müssen.

Medikamente gegen Corona: Rheuma-Mittel könnten Sterberisiko deutlich senken

Laut der WHO leiden Patienten mit einem schweren Corona-Verlauf häufig an einer Überreaktion des Immunsystems, die für die Gesundheit der Patienten äußerst gefährlich oder sogar tödlich werden kann. Die Gabe der Rheuma-Wirkstoffe Tocilizumab und Sarilumab hilft, diese Überreaktion zu unterdrücken und somit das Sterberisiko deutlich zu senken.

Für die Ergebnisse hatte die sogenannte REACT-Arbeitsgruppe („Rapid Evidence Appraisal for COVID Therapies“) der WHO insgesamt die Erfahrungen aus 27 klinischen Studien mit etwa 11.000 Covid-19-Patienten zusammengetragen und ausgewertet. WHO-Generaldirektor Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus sagte über die Studie: „Diese Medikamente bieten Hoffnung für Patienten und Familien, die unter den verheerenden Auswirkungen von schwerem und kritischem Covid-19 leiden.“

Tedros Adhanom Ghebreyesus, WHO-Generaldirektor, richtet wichtigen Appell an die Pharmaindustrie

Neue Corona-Studie macht Hoffnung: WHO kritisiert aber die Kosten der Medikamente

Doch im gleichen Atemzug verpasste er der Euphorie auch einen Dämpfer. So seien die Medikamente für einen Großteil der Weltbevölkerung noch nicht zugänglich und außerdem zu teuer. „Die ungerechte Verteilung von Impfstoffen bedeutet, dass Menschen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen am anfälligsten für schwere Formen von Covid-19 sind.“

Und weiter: „Daher besteht der größte Bedarf an diesen Medikamenten in Ländern, die derzeit den geringsten Zugang haben. Das müssen wir dringend ändern“, so der WHO-Chef weiter. Er forderte daher die Pharmaindustrie auf, die Preise für die Medikamente deutlich zu senken und sie den betroffenen Ländern zur Verfügung zu stellen.

Corona: Medikamente für viele zu teuer – wichtiger Appell an Pharmaindustrie

Diesem Appell folgte die Organisation Ärzte ohne Grenzen, die sich konkret an den Schweizer Pharmakonzern Roche wendeten. Roche stellt exklusiv das Medikament Tocilizumab her und laut Ärzte ohne Grenzen reichen die Preise von 410 US-Dollar in Australien über 646 US-Dollar in Indien pro Dosis von 600 mg. Und dass, obwohl sich die Herstellungskosten schätzungsweise nur auf 40 US-Dollar pro Dosis belaufen.

Die Organisation fordert den Pharma-Hersteller deshalb auf, insbesondere während der Covid-19-Pandemie keine gewinntreibenden Geschäfte mit Medikamenten zu machen, die Leben retten könnten. Zudem solle man das Know-how anderen Unternehmen zur Verfügung stellen, um die weltweite Versorgung zu garantieren. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © OLGA MALTSEVA

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