Zu spät gestartet

Ist der Corona-Lockdown wirkungsvoll? Covid-Simulator stellt düstere Prognose für Ende November

ische und Stühle stehen vor einer Pizzeria auf der Lister Meile, die derzeit nur Speisen zum Mitnehmen anbieten kann.
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Trotz strenger Lockdown-Maßnahmen könnte das Ziel verfehlt werden.

Deutschland kämpft mit einem neuen Lockdown gegen die zweite Welle des Coronavirus. Doch manche Forscher befürchten, dass die Maßnahmen nicht genügen werden.

  • Seit Anfang November ist Deutschland im zweiten „lighten“ Lockdown.*
  • Doch eine Gruppe von Wissenschaftlern hält die Maßnahmen für unzureichend.
  • Sie prognostizieren eine Überlastung der Intensivbetten für Ende November.
  • Die Forscher gehen davon aus, dass der Lockdown sein Ziel verfehlt (Update vom 20. November, 19.11 Uhr).

Update vom 20. November, 19.11 Uhr: Der Teil-Lockdown in Deutschland wird sein Ziel verfehlen, zumindest wenn man dem Covid-19-Simulator der Universität Saarbrücken glaubt. Eigentlich sollen die strengen Maßnahmen, die Anfang November in Kraft getreten sind, die 7-Tage-Inzidenz wieder auf 50 senken. Momentan ist Deutschland mit einem Wert von 139 davon aber weit entfernt.

Forscher der Universität Saarbrücken versuchen anhand eines mathematischen Modells, des Covid-19-Simulators, das Infektionsgeschehen im Land zu prognostizieren. Doch einen echten Wellenbruch können die Wissenschaftler in einem Bericht vom Mittwoch, der auf der Webseite des Projekts veröffentlicht wurde, nicht ausmachen. Dank des Teil-Lockdowns habe sich das Infektionsgeschehen lediglich stabilisiert. Bereits durch die Ankündigung des Lockdowns sei der R-Wert Ende Oktober statistisch signifikant von 1.54 auf 1.18 gesunken. Während der Beschränkungen selbst dann nochmal auf 0.97.

Corona-Lockdown in Deutschland: Der Inzidenzwert sinkt zu langsam

Das genügt allerdings nicht, um bis Weihnachten auf eine Inzidenzrate von 50 zu kommen. Wenn der Wert so bleibt, wird es sogar bis zum Frühjahr 2021 dauern, um dieses Ziel zu erreichen. Nur wenn der R-Wert schnell auf höchstens 0,8 sinkt, ist Weihnachten ein realistischer Zeitpunkt. Eine Prognose, die wenig Mut macht. Diese Werte haben laut den Forschern auch massive Auswirkungen auf die Belegung der Intensivbetten. Hält das Infektionsgeschehen nämlich an, werden im Dezember bis zu 5000 Betten für Corona-Patienten benötigt werden.

Teil-Lockdown in Deutschland: Covid-19-Simulator mit düsterer Prognose für Ende November

Erstmeldung vom 11. November: Saarbrücken - Es ist wieder still geworden in Deutschland. Seit mehr als zehn Tagen befinden wir uns nun im „Lockdown light“. Die Kontakte sollen auf ein Minimum beschränkt werden, Branchen wie Gastronomie, Hotellerie sowie Kultur- und Freizeitbetriebe sind wieder geschlossen. Ein solches Szenario wollten viele vermeiden, die rasant steigenden Fallzahlen der letzten Wochen machten es dennoch unumgänglich. Doch reichen die Anstrengungen aus, um die zweite Welle einzudämmen? Forscher an der Universität des Saarlandes dämpfen diese Hoffnung mit einer düsteren Prognose.

Sie gehen davon aus, dass wir unabhängig von unseren Bemühungen, das Virus aufzuhalten, Ende November mehr Intensivbetten benötigen werden als noch im April bei der ersten Welle. An mancher Stelle seien die Zahlen von April sogar schon überschritten. Diese Voraussage trifft ein Team von Wissenschaftlern um den Professor Thorsten Lehr aufgrund der Berechnungen ihres Covid-Simulators. In einem Bericht auf ihrer Webseite gehen die Forscher davon aus, dass in allen Bundesländern die Kapazitätsgrenze der Krankenhäuser in den nächsten vier bis acht Wochen überschritten werden, wenn der R-Wert*nicht unter 1 sinkt. Selbst wenn dies dank des neuen Lockdowns gelingt, drohe zumindest einigen Bundesländern dennoch die Überlastung der Kliniken.

Neuer Covid-Simulator mit beunruhigender Vorhersage: Die Intensivbetten werden knapp

Der neue Covid-Simulator der Universität des Saarlandes wurde entwickelt, um den weiteren Verlauf der Infektionen vorhersagen zu können. Das mathematische Modell bezieht dabei die Krankenhausbelegung, benötigte Intensivbetten, die Anzahl der Beatmungen und die Todesraten mit ein. Außerdem soll das Tool verschiedene mögliche Szenarien für die Zukunft simulieren können. Als Grundlage der Berechnungen dienen die Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) und die Daten von über 100 Kliniken in ganz Deutschland.

„Mit unseren Simulationen mussten wir leider feststellen, dass unabhängig davon, wie stark wir die weitere Ausbreitung von Sars-CoV-2* stoppen, Ende November etwa doppelt so viele Intensivbetten belegt sein werden wie zu Spitzenzeiten der ersten Welle“, bekräftigt Thorsten Lehr gegenüber Focus Online. Man wisse aus dem Frühjahr, dass sich erhöhte Infektionszahlen erst mit Verzögerung auf die Belegung der Intensivbetten auswirke. In dem Bericht geht sein Team von einer Verschiebung von drei bis sechs Wochen aus.

Bald Notsituation in deutschen Kliniken? Intensivmediziner sind besorgt

Auch die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) teilt die Sorge bezüglich der zur Verfügung stehenden Intensivbetten. „Die ersten Einrichtungen erreichen ihre Belastungsgrenzen – vor allem in den Großstädten und Ballungsgebieten“, heißt es in einer Pressemitteilung vom vergangenen Freitag. Dabei erwarteten Intensivmediziner erst in den nächsten vier bis sechs Wochen den Höhepunkt der Patientenzahlen. Diese Einschätzung stimmt mit der Prognose der Forscher aus dem Saarland überein.

Die DIVI fordert daher sogar, dass Kliniken mit einer hohen Belastung an Corona-Patienten den Regelbetrieb einstellen und in den Notbetrieb übergehen sollen. Dann würden alle Operationen und Aufnahmen, bei denen es medizinisch vertretbar ist, vorerst aufgeschoben. Das so freigestellte Personal wäre dann frei für die Intensivbehandlung.

Corona in Deutschland: Es gibt einen Funken Hoffnung

Ein Silberstreif am sonst eher düsteren Horizont ist, dass der Lockdown bereits erste Wirkung zu zeigen scheint. Die Fallzahlen steigen langsamer und auch der R-Wert sinkt ein wenig ab. Virologe Christian Drosten zeigte sich in der jüngsten Folge seines NDR-Podcasts vorsichtig optimistisch. Sollte der R-Wert noch weiter sinken, fielen die Folgen deutlich weniger drastisch aus.

Im Video: Bundeskanzlerin Merkel erklärt die neuen Lockdown-Regeln

Um dieses Ziel noch zu erreichen, müssten die verhängten Regeln nun aber konsequent eingehalten werden. (mam) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes

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