150 Millionen Grad heiß

Zehnmal heißer als die Sonne: China gelingt Kernfusion, die Energieprobleme für immer lösen könnte

In einem chinesischen Forschungsreaktor gelang Wissenschaftlern eine Sensation: Bei 150 Millionen Grad Celsius verschmolzen sie die Kerne zweier Atome zehn Sekunden lang.

Sichuan/China - Vergangenen Freitag wurde in der chinesischen Südwest-Provinz Sichuan der Betrieb des größten und modernsten Fusionsreaktors des asiatischen Landes aufgenommen. Kernfusion gilt als eine Energieform der Zukunft, auch im bayerischen Penzberg sollte ein Fusionskreaktor entstehen (Merkur.de* berichtete).

Wie Staatsmedien nun aus der Volksrepublik China melden, kam es dort gleich zu Beginn der Arbeiten zu einer Sensation. Den Wissenschaftlern gelang etwas, das auf der ganzen Welt bislang nur sehr selten geglückt ist: Sie schafften es, eine Kernfusion für zehn Sekunden aufrechtzuerhalten. Das ist insofern bemerkenswert, als dass dafür ein enormer Energie-Einsatz notwendig ist.

China: 150 Millionen Grad - Forschern gelingt in Fusionsreaktor Verschmelzung zweier Atome

Ähnlich wie zwei Magnetpole stoßen sich die beiden positiv geladenen Atome voneinander ab, weshalb es großer Hitze bedarf, um deren Kerne miteinander fusionieren zu lassen. Laut einem Bericht des ORF werden in der neuartigen Forschungsanlage in China mithilfe eines künstlich erzeugten Magnetfelds jedoch Temperaturen von sogar mehr als 150 Millionen Grad Celsius erzeugt.

Aus diesem Grund wird der Reaktor auch als „Künstliche Sonne“ bezeichnet - tatsächlich erreicht das Innerste der Sonne jedoch gerade mal ein Zehntel dieser Temperaturhöhe. Das Prinzip: Je heißer es in dem Reaktor wird, desto schneller bewegen sich die Atome in ihm - und desto größer ist die Chance, dass sie zufällig aufeinandertreffen, wodurch es zu einer Kernfusion kommt.

Diese gilt als Hoffnungsträger bei der Suche nach weiteren Quellen erneuerbarer Energien, die etwa der Stromerzeugung zugutekämen. Da durch die Verschmelzung der Atomkerne außerordentlich viel Energie freigesetzt wird, könnte diese Methode langfristig eine saubere und klimafreundliche Alternative zur Energiegewinnung mithilfe fossiler Brennstoffe darstellen, da weder Treibhausgase freigesetzt würden noch Abfall entstünde.

Forschung: Kernfusion als klimafreundliche Alternative für fossile Brennstoffe

Auch in Deutschland wird an der Kernfusion geforscht. Dieses Computerbild zeigt das erste Plasma aus der Kernfusionsforschungsanlage am Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik in Greifswald.

Zudem gilt die Kernfusion als weniger umstritten als etwa die Kernspaltung, wie sie in herkömmlichen Atomkraftwerken praktiziert wird. Aktuell handelt es sich bei der Energiegewinnung durch Kernfusion jedoch noch um Zukunftsmusik. Die Gemeinde Penzberg in Bayern erteilte jüngst der High-Tech-Firma, die den Kernreaktor bauen wollte, eine Absage*.

Das Problem: Für die Verschmelzung der Atomkerne wird derzeit noch viel zu viel Energie benötigt, um die notwendige Hitze erzeugen zu können. In Reaktoren wie der „Künstlichen Sonne“ in China forschen Wissenschaftler daher etwa daran, wie die Energiemenge möglichst klein gehalten werden kann. *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Stefan Sauer/dpa

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