Ausmaß größer als bisher bekannt

Panne in China: Bakterien aus Labor ausgebrochen - tausende Menschen infiziert

In einem chinesischen Impfstoff-Labor ist es zu einer schweren Panne gekommen. Tausende Menschen infizierten sich mit aus der Forschungseinrichtung stammenden Bakterien.

  • 2019 wurden in einem Impfstoff-Labor in China Bakterien freigesetzt.
  • Erst jetzt ist das ganze Ausmaß des Fehlers bekannt.
  • Mehrere tausend Menschen sind infiziert.

Lanzhou - China war vor einem Jahr schwer von der Corona-Pandemie* gezeichnet. In der Provinz Wuhan hatte Covid-19 mutmaßlich seinen Ursprung, breitete sich von der Volksrepublik in die ganze Welt aus. Mittlerweile hat sich die Corona-Lage im bevölkerungsreichsten Land der Erde wieder entspannt. Während anderswo die Infektionszahlen in die Höhe schnellen, scheint China die Pandemie in den Griff zu bekommen. Am 21. September wurden gerade mal sechs neue Fälle gemeldet. Zum Vergleich: Im ähnlich bevölkerten Indien waren es am selben Tag unglaubliche 86.961. Während Corona vor Ort also fast schon bekämpft scheint, sorgt sich China unterdessen aber wegen einer anderen Gefahr.

Panne in China: Bakterien aus Impfstoff-Labor infizieren Tausende

Vor etwas mehr als einem Jahr sind Bakterien aus einer Fabrik für Impfstoffe* gegen Brucellose in Nordwestchina ungewollt ausgebrochen. Nun geht die Sorge um das wahre Ausmaß der Infektionen und um die Folgen um. Wie die Gesundheitskommission der Stadt Lanzhou in der Provinz Gansu auf ihrer Webseite berichtete, seien bei 3.245 Infektionen mit den Brucella-Bakterien bestätigt worden. Weitere 1.400 gelten als Verdachtsfälle. Mehr als 21.000 Menschen wurden getestet.

Die Bakterien werden normalerweise von Nutztieren übertragen und lösen Brucellose aus, die in akuten Fällen zu Fieber, Übelkeit, Müdigkeit und Kopfschmerzen führt. Nicht erkannte oder schlecht behandelte Fälle können auch chronisch werden. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist extrem selten und bisher fast nur bei stillenden Müttern berichtet worden. Menschen stecken sich meist durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren und über kontaminierte Lebensmittel an.

Brucellose-Ausbruch in China: Abgelaufene Desinfektionsmittel Schuld an Panne in Impfstoff-Firma

Die Ursache für das Austreten der Bakterien bei der Impfstoff-Firma im Juli und August 2019 waren laut Gesundheitskommission abgelaufene Desinfektionsmittel, die zu mangelnder Sterilisation von Abfällen in Tanks geführt hätten. Die Bakterien in Flüssigkeiten seien durch Aerosole über die Entlüftung in die Umwelt gelangt. Studenten und Lehrer des umliegenden Tierforschungsinstituts der Akademie für Agrarwissenschaften in Lanzhou seien so infiziert worden.

Im Dezember waren nach Angaben von Staatsmedien zunächst fast 200 Menschen positiv auf Antikörper getestet worden. Nur einer zeigte demnach auch Symptome. Die neuen Zahlen deuten aber darauf hin, dass das Ausmaß größer ist als bisher bekannt. Die parteinahe Zeitung Global Times sprach von „weitverbreiteter Sorge in der Öffentlichkeit über Behandlung und Konsequenzen für infizierte Personen“. Im Kurznachrichtendienst Weibo von Sina kletterte das Thema an die Spitze der Suchliste. Zig Millionen Menschen suchten nach mehr Informationen über die Krankheit - ähnliche wie im Januar und Februar bei Covid-19.

Ist das Auftreten von Brucellose eigentlich auch in Deutschland denkbar? 

Wie das Robert-Koch-Institut* in seinem Ratgeber schreibt, sei die Krankheit weltweit verbreitet. Besondere Endemiegebiete seien der Mittelmeerraum, die Arabische Halbinsel, Afrika, Asien, Mittel- und Südamerika. Laut RKI gelten Haus- und Nutztiere in Deutschland als „amtlich frei“ von Brucellose. Auftretende Erkrankungsfälle bei Tieren seien daher „durch Tierhandel importiert oder von Wildtieren auf Nutztiere übertragen".

Bei den an die Bundesbehörde übermittelten Fällen der letzten Jahre handelt es sich daher in der Regel um importierte Fälle. Zuletzt lag die Anzahl der in Deutschland registrieren Brucellose-Fälle bei 24 bis 37 pro Jahr. Unter den Angaben zum möglichen Infektionsland wurde am häufigsten die Türkei genannt. (as/dpa) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Rubriklistenbild: © Screnshot Glomex

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