Breivik lacht über Fragen der Staatsanwältin

Oslo - Der Attentäter Anders Behing Breivik hat am zweiten Prozesstag mit Stolz über seinen Doppelanschlag gesprochen. Breivik sieht sich in einer Linie mit den Rechtsterroristen der deutsche NSU.

Die Staatswanwältin Inga Bejer Engh fragte den Angeklagten unter anderem, warum er sich verpflichtet fühle, Norwegen zu verteidigen. Wie "bild.de" berichtet, antwortete Breivik, dass er das bereits mit 15 Jahren aufgrund verschiedener Dinge gewusst habe. Die Anstöße seien von außen gekommen, etwa durch das Internet. Breivik hatte sich während des Verhörs lässig zurückgelehnt, immer wieder lachte er auch über die Fragen der Staatsanwältin.

Breivik erklärte, warum er am ersten Prozesstag weinte, als sein Film gezeigt wurde. Der Film bedeute ihm sehr viel, sagte Breivik laut "bild.de" und er habe ihn an den Untergang der norwegischen Kultur erinnert.

Breivik-Prozess: Heute spricht der Attentäter

Breivik-Prozess: Heute spricht der Attentäter

Auf die Frage, warum er immer wieder lächelt, sagte der Angeklagte, er lächele über die Psychiater, die ihn für unzurechnungsfähig erklärt hätten. „Ich bin nicht unzurechnungsfähig, sondern genau das Gegenteil.“

Nach der Prozesspause ging es um Details aus dem Lebenslauf des Angeklagten. Auf die Frage, warum er das Gymnasium ohne Abschluss verlassen hatte, antwortete Breivik laut "bild.de", dass er sich selbstständig machen und voll auf sein "Unternehmen" konzentrieren wollte.

15.000 Stunden habe er studiert, sagte Breivik. Für ihn sei dieses Wissen sehr wichtig. Vor allem zehn Bücher seien entscheidend gewesen, die sich mit technischen Analysen befassten.

Die Staatsanwaltschaft arbeitete sich im Lebenslauf Breiviks immer weiter vor. Breivik gab an, mit dem Verkauf gefälschter Diplome Millionen Kronen verdient zu haben. Dies sei zwar "moralisch verwerflich", jedoch "juristisch korrekt" gewesen. Schließlich habe er die Firma nich weiter betrieben, weil er den Staat nicht mehr mit Steuergeldern unterstützen wollte. 

Der Wendepunkt in seinem Leben

Weiter behauptet Breivik, als Jugendlicher von einem Muslim angegriffen worden zu sein. Ihm sei damals die Nase gebrochen worden, weshalb er operiert werden musste. Die Staatsanwaltschaft entgegnet, dass der Bruch nicht ärztlich registriert worden sei, stattdessen lägen nur Berichte über eine plastische Operation vor.

Auf die Frage nach dem Wendepunkt in seinem Leben verliert sich Breivik erneut in Hetzereien gegen Muslime. Als einen markanten Punkt in seinem Leben, gibt er den Serbien-Krieg an, danach könne er sich nicht mehr so gut an alles erinnern. 

Breivik-Prozess: Hier ist der Mörder zu Tränen gerührt

Breivik-Prozess: Hier ist der Mörder zu Tränen gerührt

Mit Stolz hatte der geständige Attentäter zuvor über seinen Doppelanschlag von Oslo und Utöya im vergangenen Juli gesprochen. Er habe “aus Güte, nicht aus Boshaftigkeit“ gehandelt, um einen Bürgerkrieg zu verhindern, und “würde es wieder tun“, sagte der Angeklagte in einer vorbereiteten Erklärung vor dem Bezirksgericht in der norwegischen Hauptstadt.

Überlebende der Anschläge hatten sich bereits zuvor besorgt geäußert, dass Breivik den Prozess als Plattform für seine extremistische Sichtweise nutzen könnte.

Breivik lobte in seiner Erklärung auch die mutmaßlichen Täter anderer rechtsextremer Anschläge in Europa. Er erwähnte das Terror-Trio des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU), das in Deutschland für die Morde an zehn Menschen verantwortlich gemacht wird. Zudem bezog er sich auf einen Schweden, der 2012 mehrere Anschläge auf Einwanderer verübt haben soll.

Seine Tat sei “der spektakulärste politische Angriff eines Nationalisten seit dem Zweiten Weltkrieg“, sagte Breivik. Er spreche als Kommandeur einer antikommunistischen Widerstandsbewegung und Mitglied der antimuslimischen Gruppe “Tempelritter“. Am Montag hatte die Staatsanwaltschaft erklärt, eine solche Organisation existiere ihrer Einschätzung nach nicht.

Breivik sieht einen Kulturkampf in Westeuropa heraufziehen

Westeuropa werde Schritt für Schritt von “Marxisten und Multikulturalisten“ übernommen, sagte Breivik. Es fehle an einem starken antikommunistischem Führer wie dem ehemaligen US-Senator Joseph McCarthy. In den frühen 1950er Jahren hatte McCarthy eine Reihe von Ermittlungen gegen mutmaßliche Kommunisten eingeleitet und damit eine wahre Hexenjagd auf Andersdenkende entfacht. “Aber selbst McCarthy war zu moderat“, sagte Breivik.

Nach Angaben der Anwältin Mette Yvonne Larsen hegten einige der Opfer und ihrer Angehörigen die Befürchtung, Breivik könnten den Prozess zu einer Plattform für seine extremistischen Ansichten missbrauchen. Richterin Wenche Elisabeth Arntzen unterbrach den Angeklagten daraufhin wiederholt und forderte ihn auf, sich kurzzufassen.

Breivik drohte, sich überhaupt nicht mehr zu äußern, dürfte er seine Erklärung nicht abschließen. “Es ist äußerst wichtig, dass ich den Grund und das Motiv (für das Massaker) erklären kann“, sagte Breivik. So habe er in Notwehr gehandelt, um Norwegen vor Muslimen zu schützen. Aus diesem Grund habe er die Mitglieder der linksgerichteten sozialdemokratische Arbeiterpartei angegriffen, der er eine zu liberale Einwanderungspolitik vorwarf.

In seiner vorab geschriebenen Stellungnahme geißelte er aber auch andere europäische Regierungen dafür, dass sie Einwanderung und Multikulturalismus förderten. “Die Angriffe vom 22. Juli waren ein Präventivschlag. Ich habe in Notwehr gehandelt, im Auftrag meines Volkes, meiner Stadt, meines Landes“, sagte Breivik zum Schluss seiner Aussage. Er fordere daher, für unschuldig befunden zu werden.

Vor Breiviks Aussage hatte das Gericht am Dienstag einen der am Prozess beteiligten Laienrichter wegen dessen Äußerungen im Internet von seiner Aufgabe entbunden. Der Schöffe Thomas Indrebö hatte in einem Chat-Forum einen Tag nach den Anschlägen mit 77 Toten im vergangenen Juli geschrieben, dass der Attentäter die Todesstrafe verdiene. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung und die Anwälte der Opfer waren sich einig, dass der Laienrichter nicht weiter der fünfköpfigen Strafkammer angehören könne, und hatten einen Befangenheitsantrag gestellt. Indrebö wurde von der Schöffin Elisabeth Wislöff ersetzt. 

Keine Todesstrafe in Norwegen

Das norwegische Rechtssystem sieht keine Todesstrafe vor. Im Falle einer Verurteilung droht Breivik die Höchststrafe von 21 Jahren Haft. Die Freiheitsstrafe könnte verlängert werden, wenn Breivik nach Ende seiner Haftzeit weiterhin als Gefahr für die öffentliche Sicherheit eingestuft wird. Sollte das Gericht dem Gutachten folgen, in dem der Angeklagte als psychisch krank beurteilt wird, dürfte Breivik in eine geschlossene psychiatrische Anstalt eingewiesen werden.

Der Strafkammer im Breivik-Prozess gehören neben zwei Berufsrichtern auch drei Laienrichter an. Letztere werden für vier Jahre ernannt und befinden ebenso wie die Berufsrichter über Schuld und Strafmaß. Gleichwohl wird das Verfahren vom Vorsitzenden Richter geführt. Breivik hatte sich bereits zum Prozessauftakt am Montag in Oslo kämpferisch gezeigt. Er wiederholte sein Geständnis, am 22. Juli vergangenen Jahres 77 Menschen getötet zu haben. Er ist wegen Terrorismus' und vorsätzlichen Mordes angeklagt. Die entscheidende Frage in dem auf zehn Wochen terminierten Prozess wird Breiviks Geisteszustand sein.

dapd

Rubriklistenbild: © dapd

Abstimmungen über Erdogans Präsidialsystem beginnen

Abstimmungen über Erdogans Präsidialsystem beginnen

Mays Brexit-Rede ruft trotzige Reaktionen hervor

Mays Brexit-Rede ruft trotzige Reaktionen hervor

Australian Open: Kerber rettet Sieg am Geburtstag

Australian Open: Kerber rettet Sieg am Geburtstag

Mini Countryman: Die Unschuld vom Lande

Mini Countryman: Die Unschuld vom Lande

Meistgelesene Artikel

Affe beim Sex mit Hirschkuh ertappt

Affe beim Sex mit Hirschkuh ertappt

Intimrasur im Schaufenster: Sie nimmt Amts-Anordnung wörtlich

Intimrasur im Schaufenster: Sie nimmt Amts-Anordnung wörtlich

Sturmfluten im Norden, Glätte im Süden

Sturmfluten im Norden, Glätte im Süden

Deutscher Segler im Atlantik tot aufgefunden

Deutscher Segler im Atlantik tot aufgefunden

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion