Gefängnisaufstand mit 56 Toten

Brasilien: Häftlinge in Manaus nach blutiger Revolte verlegt

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Rauchwolken über dem Gefängnis Anísio Jobím in Manaus. Nach Ende der Revolte wurden fast 60 Tote gezählt. 

Manaus - Im Krieg zwischen rivalisierenden Banden werden 56 Häftlinge ermordet. Überlebende werden verlegt, um Vergeltungen vorzubeugen. Auch in einer anderen Anstalt kommt es zu Toten bei einem Häftlingsstreit.

Als Reaktion auf die Gefängnisrevolte in Brasilien mit 56 Toten sind Berichten zufolge knapp 130 Häftlinge mit Verbindungen zu einer der beteiligten Banden in andere Anstalten verlegt worden.

Sie hätten Todesdrohungen erhalten und seien auf Anordnung des Justizministers Alexandre de Moraes in andere Gefängnisse gebracht worden, berichtete das Nachrichtenportal G1.

Die Meuterei in dem Gefängnis Anísio Jobím am Rand der nordbrasilianischen Stadt Manaus war am Sonntag ausgebrochen, als rivalisierende Häftlingsgruppen aneinander gerieten - mutmaßlich ging es um die Kontrolle des Drogenhandels in der Anstalt.

Zwölf Gefängniswärter und zahlreiche Häftlinge wurden nach Angaben der Sicherheitsbehörden des Bundesstaates Amazonas zeitweise als Geiseln genommen. Geköpfte Leichen von sechs Inhaftierten wurden Berichten zufolge von Aufständischen aus dem Gebäude geworfen.

Erst nach 17 Stunden konnten die Sicherheitskräfte die Kontrolle über die Haftanstalt wiedergewinnen. Örtlichen Medienberichten zufolge flüchteten 112 Häftlinge aus dem Gefängnis. "Es geschah alles in den ersten Minuten, wir konnten es nicht vermeiden. Als wir ankamen, waren die Tötungen schon geschehen", erklärte der Sicherheitssekretär von Amazonas, Sérgio Fontes, am Dienstag. Ein Richter, der mit den Häftlingen verhandelte, erklärte, er habe zerstückelte Körperteile in Müllcontainern gesehen.

Bei einer weiteren Meuterei in einer nur 100 Meter entfernten, anderen Haftanstalt konnten 72 Gefangene flüchten. Laut G1 wurden bis Montagabend 40 der insgesamt 184 Flüchtigen wieder eingefangen. Auch in einem dritten Gefängnis in unmittelbarer Nähe gab es einen Aufstand, diesen unterdrückten die Sicherheitskräfte allerdings rasch. Die drei Revolten waren nach Regierungsangaben koordiniert. In einer vierten Haftanstalt in Manaus wurden am Montag in einer Fehde vier Insassen getötet.

Die brasilianischen Haftanstalten sind allgemein stark überbevölkert. Nach Angaben des Justizministeriums sitzen 622 000 Häftlinge in Gefängnissen mit einer Gesamtkapazität für 372 000 ein. Brasilien hat nach Angaben des Instituts IPCR die weltweit viertgrößte Zahl an Gefängnisinsassen, nach den USA, China und Russland.

dpa

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