UN bezahlen Haitianer fürs Aufräumen

Port-au-Prince - Fast zehn Tage nach dem Erdbeben in Haiti suchen tausende Menschen weiter nach Überlebenden. Künftig wollen die Vereinten Nationen Helfer für Aufräumarbeiten bezahlen.

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Stichwort: Haiti

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Nach dem Jahrhundertbeben, bei dem womöglich bis zu 200 000 Menschen starben, fanden Rettungskräfte in den Trümmern vereinzelt noch immer Lebende. Langsam kommt in das Chaos in Haiti eine Struktur. So wollen die Vereinten Nationen Haitianer bezahlen, wenn sie beim Aufräumen helfen. Der Internationale Währungsfonds IWF fordert eine Art Marshall-Plan für das geschundene Land.
Laut UN-Nothilfekoordinator John Holmes sind seit dem Beben am 12. Januar mit der Stärke 7,0 insgesamt mehr als 120 Überlebende geborgen worden. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes werden noch vier Deutsche vermisst. Nach bisherigen Erkenntnissen kamen bei dem Beben vermutlich drei Bundesbürger um, darunter ein Mann aus Hamburg. Zwei mutmaßlich deutsche Tote müssten noch identifiziert werden.

Haiti: Der Kampf ums Überleben

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UN wollen Helfer bezahlen

Die Vereinten Nationen wollen die Menschen im Erdbebengebiet künftig für das Aufräumen bezahlen.

Die UN wollen die Menschen im Erdbebengebiet künftig für das Aufräumen bezahlen.

“Wir haben in einem ersten Schritt 400 Haitianer angestellt, zum Ende der Woche sollen es 700 sein“, sagte die Chefin des Entwicklungsprogramms UNDP, Helen Clark. Ziel des “Cash-for-Work“-Programms (“Bares für Arbeit“) sei, bis zu 220 000 Menschen zu beschäftigen. Die Helfer sollen Trümmer wegräumen, Straßen ausbessern und die Infrastruktur reparieren. Dafür würden sie fünf Dollar (etwa 3,50 Euro) am Tag bekommen.

Hilfsaktion für Haiti: Die Spender

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Der Generaldirektor der UN-Organisation für Landwirtschaft und Ernährung (FAO), Jacques Diouf, sagte am Donnerstag in Rom, dass auch Haitis Landwirtschaft dringend Hilfe brauche. Im März beginne schon die Zeit, in der gepflanzt werden müsse. “Vorrang muss es darum haben, das Land mit Saatgut, Dünger, Tier-Nahrung und -Impfstoffen sowie mit landwirtschaftlichem Gerät zu versorgen.“ Die kommende Ernten müsse unbedingt gerettet werden. Haiti braucht jährlich eine Million Tonnen Getreide. Knapp zwei Drittel davon werden eingeführt.

IWF-Chef für eine Art Marshall-Plan

Der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, forderte für Haiti Wiederaufbauhilfen nach dem Vorbild des Marshall-Plans. “Ich bin überzeugt, dass Haiti - das auf unglaubliche Weise von vielerlei getroffen wurde (...) - etwas Großes braucht“, sagte er am Mittwoch bei einem Besuch in Hongkong.

Nachbeben verursachte schwere Schäden

Am Mittwoch war ein schweres Nachbeben der Stärke 6,1 registriert worden. Es überraschte viele Menschen am frühen Morgen im Schlaf. Menschen aus Häusern, die noch stehen, rannten verängstigt auf die Straße. Das Zentrum des Bebens lag in knapp zehn Kilometern Tiefe, rund 60 Kilometer westsüdwestlich der Hauptstadt. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur dpa kamen mehrere Menschen ums Leben. Etwa 20 Straßenhändler seien beim Einsturz eines bereits beschädigten Gebäudes unter den Trümmern begraben worden.

Die Schäden am Hafen von Port-au-Prince seien schwerer als zunächst gedacht, sagte ein US-Admiral. Dennoch könne die Hilfe wie geplant weiterlaufen. Die Notfallzentren sind nach wie vor weiter überfüllt. Ärzte, Krankenschwestern und Sanitäter aus aller Welt arbeiten rund um die Uhr bis zur völligen Erschöpfung. Tausende flüchten aus der Hauptstadt.

USA wollen mehr Soldaten schicken

Die USA planen laut US-Sender CNN, weitere 4000 US-Soldaten zu entsenden. Dies würde die Zahl der amerikanischen Soldaten, die in Haiti oder auf Schiffen vor der Küste sind, auf mehr als 15 000 erhöhen. Der US-Militärstützpunkt Guantánamo wird währenddessen auf einen möglichen Flüchtlingsstrom aus Haiti vorbereitet. US-Soldaten hätten begonnen, 100 Zelte für insgesamt bis zu 1000 Erdbebenopfer aufzubauen, berichtete die Zeitung “Miami Herald“. Bislang habe die US-Küstenwache jedoch nicht beobachtet, dass Haitianer nach dem verheerenden Erdbeben massenweise über den Seeweg ihr Land verlassen und deshalb in Kuba ankommen könnten, hieß es.

Internationale Gemeinschaft mit ehrgeizigem Ziel

UN-Koordinator Holmes sagte, das Ziel der Vereinten Nationen bleibe, zwei Millionen Menschen sechs Monate lang versorgen zu können. “Das ist ein harter Weg und wir stehen noch ganz am Anfang.“

Insgesamt wurden nach Angaben der EU-Kommission bisher etwa 80 000 bei dem Erdbeben getötete Menschen begraben. Die Zahl der Obdachlosen liege bei zwei Millionen. Nach wie vor würden rund 1000 EU-Bürger in Haiti vermisst.

Am Mittwoch begannen Ärzte auf dem vor Port-au-Prince eingetroffenen US-Lazarettschiff “Comfort“ die ersten Patienten zu behandeln. Der erste Patient sei ein kleiner Junge gewesen, dessen Haut zu 30 Prozent Verbrennungen aufwies, sagte der Chef des Operationsteams an Bord der “Comfort“, Tim Donahue, dem US-Sender CNN. Das US-Schiff bietet Platz für 1000 Patienten, in sechs OP-Sälen wird operiert.

dpa

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