Bewohner dürfen kurzfristig nach Hause

Tamura - Mehrere Dutzend Bewohner durften nach über zwei Monaten erstmals zu einem Kurzbesuch in ihre Häuser zurückkehren. Mehr als eine Plastiktüte mit persönlichen Gegenständen durften sie nicht einsammeln.

Erstmals seit dem Beginn der Atomkatastrophe im japanischen AKW Fukushima-Daiichi vor mehr als zwei Monaten sind am Donnerstag mehrere Dutzend Bewohner der nahegelegenen Stadt Futaba für einen Kurzbesuch zurückgekehrt. In Schutzanzüge gehüllt hatten sie zwei Stunden Gelegenheit, persönliche Gegenstände aus der kurz nach dem verheerenden Erdbeben evakuierten Stadt zu holen. Bislang ist keine Gruppe weiter in die Sperrzone, die mit einem Radius von 20 Kilometern um die beschädigte Atomanlage angegeben wird, vorgedrungen.

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Ähnliche Besuche hatte es bereits zuvor in weiter von dem havarierten Atomkraftwerk entfernten Orten gegeben. “Es war genauso, wie zum Zeitpunkt des Erdbebens“, sagte die 17-jährige Schülerin Anna Takano. “Es hat sich sehr seltsam angefühlt.“ Takano hatte nach eigenen Angaben so viel Kleidung wie möglich eingepackt und anschließend noch für zehn Minuten das Familiengrab besucht.

Aus Futuba wurden nach der von einem Erdbeben und einem anschließenden Tsunami ausgelösten Atomkatastrophe 8.000 Bewohner evakuiert. Etwa 60 kehrten am Donnerstag für eine kurze Visite zurück. Zuvor gab es eine Besprechung mit lokalen Vertretern und Sicherheitsanweisungen durch Mitarbeiter des AKW-Betreibers Tepco.

Mitgenommen werden darf nur nicht mehr als eine Plastiktüte

Viele Evakuierte aus dem Sperrgebiet ahnten nicht, wie lange die Krise andauern würde, und hatten ihre Häuser meist nur mit dem verlassen, was sie gerade anhatten und bei sich trugen. Aus Platzmangel und aus Sorge vor radioaktiver Verseuchung durften sie bei ihrer kurzen Rückkehr dann nicht mehr einsammeln, als in eine große schwarze Plastiktüte passte.

“Ich habe sehr sorgfältig geplant, was ich holen werde“, sagte der Architekt Mikio Tadano. “Ich wollte meine Schreibutensilien, mein Sparbuch und die Schuluniform meiner Tochter.“ Die gehe nun in eine neue Schule außerhalb des Sperrgebiets und sei eine von vier Schülern ohne Uniform, sagte Tadano. Alle Vier seien Evakuierte.

Nach dem Besuch wurden die Anwohner auf Radioaktivität untersucht, ohne dass jemand bedrohliche Strahlenwerte aufwies. Bislang haben 588 Menschen ihre Häuser besucht. Weitere 16.000 aus neun Städten warten auf ihre Visite, die nach Angaben der Atomaufsichtsbehörde NISA in den nächsten Wochen stattfinden sollen.

dapd

Rubriklistenbild: © dpa

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