Seit fast 100 Jahren verschwunden – jetzt wurde riesige Wal-Art vor Küste wiederentdeckt
Seiwale kehren 100 Jahre nach ihrem Aussterben vor der Küste Argentiniens zurück. Forschende sind begeistert über die Entdeckung.
Rada Tilly – Die majestätischen, bis zu zwanzig Meter langen Seiwale, die vor einem Jahrhundert aufgrund der Jagd von der argentinischen Patagonienküste völlig verschwunden waren, tauchen jetzt wieder im Atlantik auf, so Forschende.
Dies zeige, wie sich Arten erholen können, wenn Maßnahmen zu ihrem Schutz ergriffen werden, schwärmt das multinationale Team von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen des National Geographic‘s Pristine Seas-Projektes. Es seien die sichtbaren Erfolge des Walschutzes auf die Bestände der Seiwale, von denen vergangene Woche einer bei der Kollision mit einem Kreuzfahrtschiff getötet wurde.

Walart wird 100 Jahre nach ihrem Aussterben vor der Küste Argentiniens gesichtet
Der bis zu 20 Meter lange und bis zu 30 Tonnen schwere Seiwal (Balaenoptera borealis) ist der drittgrößte Wal der Welt – hinter dem Blauwal und dem Finnwal. Obwohl er in allen Weltmeeren vorkommt, sind Begegnungen mit der Art selten, da sie Ozeangewässer bevorzugen. Auf der Südhalbkugel waren sie fast ausgestorben – und obwohl sie heute hier geschützt sind, gilt die Art immer noch als gefährdet. Immer wieder werden im Meer Wal-Kadaver gesichtet.
„Sie verschwanden, weil sie gejagt wurden. Sie starben nicht aus, sondern wurden so stark dezimiert, dass sie niemand mehr sah“, berichtet Mariano Coscarella, Biologe und Forscher für Meeresökosysteme bei der staatlichen argentinischen Wissenschaftsbehörde CONICET gegenüber CNN Brasilien. Coscarella fügt hinzu, dass es Jahrzehnte gedauert habe, bis sich die Bestände so weit erholt hatten, dass die Wale wieder gesichtet werden konnten.
Seiwale vor 100 Jahren durch Walfang fast vollständig ausgerottet – nun tauchen sie endlich wieder auf
„In diesem Fall hat es über 80 Jahre gedauert“, sagt Coscarella er. „Sie pflanzen sich alle zwei oder drei Jahre fort, und so dauerte es fast 100 Jahre, bis sie wieder in nennenswerter Zahl vorhanden waren und die Menschen sie bemerkten.“
Wissenschaftler begeistert: „Erfolg des Walschutzes auf globaler Ebene“
In den 1920er- und 1930er-Jahren verschwand die Seiwalpopulation durch den regelmäßigen Einsatz von Walfangschiffen an der argentinischen Küste. Doch in den letzten 50 Jahren habe das weltweite Verbot des kommerziellen Walfangs dazu beigetragen, dass sich die Populationen dieser und anderer Arten erholen konnten – und nun taucht diese Walart wieder an der Küste Argentiniens auf.
„Wir können dies als einen Erfolg des Walschutzes auf globaler Ebene betrachten“, sagte Coscarella und fügte hinzu, dass das weltweite Moratorium für den Walfang entscheidend für eine Verbesserung der Bestände sei. Er warnte davor, dass Länder, die aus diesem Abkommen aussteigen, und auf die Tradition des Walfangs nicht verzichten, die Erholung der Bestände gefährden würde
Forscher-Team stattet Seiwale mit Peilsendern aus – und kartiert Bewegungen
Im vergangenen Monat stattete das Team mit finanzieller Unterstützung des National Geographic‘s Pristine Seas-Projekts einige Seiwale mit Satellitensendern aus, um ihre Wanderungsbewegungen zu kartieren. Dabei wurden sie von Booten, Drohnen und unter Wasser aus gefilmt. „Ende einer unglaublichen Forschungskampagne mit Sei Whales bei Rada Tilly, Patagonien, Argentinien 2024. Zusammen mit lokalen Wissenschaftlern und Pristine Seas Nat Geo“, resümiert der beteiligte Forscher Miguel Bottazzi in einem Facebook-Beitrag.
Auch der brasilianische Natur- und Dokumentarfimer Cristian Dimitrius war auf der waghalsigen Mission vor der argentinischen Küste dabei, um die schwer fassbaren Seiwale für eine National Geographic Pristine Seas-Dokumentation zu filmen. Zusammen mit dem multinationalen Team von Forschern und argentinischen Produzenten von Jumara Films fing er beeindruckende Bilder der Wale ein.
„Geister unter Wasser“: Dokumentarfilmer fängt beeindruckende Aufnahmen von Seiwalen ein
„Seiwale sind wie Geister unter Wasser“, berichtet Dimitrius. „Ich habe es versucht, aber meistens habe ich sie nicht gesehen. Andere sahen nur eine Wölbung, einen Schatten, der kaum zu definieren war.... Es schien wie eine unmögliche Mission“. Im Laufe der Tage jedoch hätten sie begonnen, die Verhaltensmuster der scheuen Meeressäuger zu entwirren – und passten so ihre Suche nach Unterwasserbildern diesen rätselhaften Tieren an: „Nach und nach hat sich der Geist offenbart“.



