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Angst vor Sanktionen: Oligarchen flüchten mit Luxus-Yachten aus der EU

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Von: Bjarne Kommnick

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Frankreich hat aufgrund des Ukraine-Kriegs eine russische Yacht beschlagnahmt. Immer mehr Oligarchen flüchten mit ihren Schiffen nun aus EU-Gewässern.

Marseille – Der französische Zoll hat in der Nacht zu Donnerstag die Luxus-Yacht „Amore Vero“ eines namentlich nicht bekannten russische Oligarchen beschlagnahmt. Das französische Wirtschaftsministerium teilte mit, dass der Besitzer des Schiffes auf der Sanktionsliste der Europäischen Union gegen russische Oligarchen stehen würde, wie die dpa berichtet hatte. Darauf seien Personen gelistet, die nach Ansicht des Europäischen Rates für den Krieg in der Ukraine* mitverantwortlich seien. Andere Oligarchen scheinen ähnliche Konsequenzen zu befürchten und seien deshalb mit ihren Yachten bereits aus EU-Gewässern „geflüchtet“.

StadtMarseille
Bevölkerung861.635
Fläche240,6 km²
BürgermeisterBenoît Payan

Oligarchen-Yachten flüchten aus der EU: „Amore Vero“ will Behörden noch entkommen

Der Besitzer der „Amore Vero“ konnte die Beschlagnahmung seiner Yacht zu mindestens nicht mehr verhindern. Das Schiff stand nach Angaben des französischen Wirtschafsministeriums für Reparaturen in einer Werft in La Ciotat unweit von Marseille an der Mittelmeerküste. Als der französische Zoll die Yacht kontrollieren wollte, versuchte der Kapitän nach Angaben der Behörden sogar noch mit dem Schiff auszulaufen. Daraufhin habe der Zoll das Schiff festgesetzt. Auch in Hamburg gab es Gerüchte darüber, dass eine russische Oligarchen-Yacht am Hamburger Hafen beschlagnahmt wurden sein soll.

Die Yacht „Amore Vero“ des Putin-Vertrauten Igor Setschin steht in einer Werft in Südfrankreich
Ukraine-Krieg: die Yacht „Amore Vero“ des Putin-Vertrauten Igor Setschin wurde beschlagnahmt und steht in einer Werft in Südfrankreich. © Nicolas Tucat/dpa

Der russische Präsident Wladimir Putin selbst hatte seine Yacht noch Anfang Februar in einer Nacht-und-Nebel-Aktion aus dem Hamburger Hafen holen lassen und stattdessen im russischen Kaliningrad geparkt. Ob er das für einen Familien-Urlaub anordnen ließ scheint in dieser Phase äußert fraglich zu sein, über Putins Familienverhältnisse sei ohnehin nur wenig bekannt. Seit der Eskalation im Ukraine-Krieg hätten bereits mehrere Oligarchen die europäischen Häfen verlassen. So zeigen Schiffstracking-Daten von „Marine Traffic“ beispielsweise, dass am 24. Februar fünf russische Oligarchen-Yachten an den Malediven angelegt hätten. Der Inselstaat habe kein Auslieferungsvertrag mit den USA, wie der WDR berichtet.

EU sanktioniert Oligarchen: Yachten flüchten Richtung Montenegro, Karibik und Malediven

Vor einigen Tagen habe zudem die Galactica Super Nova aus dem Hafen in Barcelona abgelegt und stehe nun in Montenegro. Der Staat ist kein Teil der EU, es sollen deshalb bereits mehrere Oligarchen-Yachten dort gesichtet worden seien. Mindestens drei Yachten von russischen Oligarchen würden hingegen noch weiterhin im Hafen von Barcelona stehen. Alle drei seien jeweils in verschiedenen Reparatur-Phasen und hätten deshalb bisher noch nicht ablegen können. Aufgrund der Sanktionen scheint es denkbar zu sein, dass das auch mit der Fertigstellung der Sanierungs-Arbeiten erstmal noch so bleiben könnte.

Luxusjacht „Eclipse“ Abramowitsch.
Die „Eclipse“ von Oligarch Roman Abramowitsch soll sich derzeit in einem Hafen in der Karibik aufhalten. © dpa/Sebastien Nogier

Zu den russischen Oligarchen-Yachten im Hafen von Barcelona soll auch die „Solaris“ gehören, das Luxus-Schiff vom Oligarchen Roman Abramowitsch, der zuletzt sogar angekündigt hatte, seinen FC Chelsea zu verkaufen*. Das Schiff soll zwar bereits wieder auf dem Wasser gesichtet worden seien, wohlmöglich nur aufgrund einer Probefahrt. Die Abramowitsch-Yacht „Eclipse“ hingegen stehe bereits „sicher“ in der Karibik, ein weiterer beliebter Zielort für russische Oligarchen-Yachten, seit dem die EU Sanktionen verhängt hatte.

Russian yachts docked in Spain under government probe.
Die Luxus-Yacht „Solaris“ soll bereits für eine Probefahrt im Hafen von Barcelona auf See gesichtet worden seien. © dpa/Enric Fontcuberta

EU verhängt Sanktionen: Drei Oligarchen-Yachten noch im Hafen von Barcelona

Die „Aurora“ von Andrey Molchanov, einem engen Putin-Freund und ehemaligen Mitglied des Föderationsrates, liege für Reparaturen derzeit komplett trocken unter einer großen Abdeckung an einer Werft im Hafen von Barcelona. Ein zeitnahes Ablegen würde demnach ohnehin noch mehrere Monate nicht möglich seien, eine Sanktion würde somit wohl erstmal nur symbolisch seien.

Russian yachts docked in Spain under government probe,
Auch ohne Beschlagnahmung ist die Oligarchen-Yacht „Aurora“ aufgrund von Reparaturen-Arbeiten noch längere Zeit nicht seetauglich. © dpa/Enric Fontcuberta

Die Reparaturen der Yacht „Valerie“ von „Sergey Viktorovich Chemezov, einem sehr engen Mitarbeiter Putins, seien hingegen in den letzten Zügen. Eigentlich sollte die „Valerie“ bereits in der kommenden Woche wieder in See stechen. Bleibt abzuwarten, ob die spanische Behörden dem noch einen Strich durch die Rechnung macht, bevor es heißt, Leinen los.

Sanktionen gegen Oligarchen: Darf die EU Yachten einfach beschlagnahmen?

Doch wie sieht die rechtliche Lage aus, darf Europa die Oligarchen-Yachten einfach so beschlagnahmen? Bei den Sanktionen handele es sich nicht um eine Enteignung des Eigentums, sondern um das Einfrieren von Vermögenswerten. Das dürfe der Europäische Rat, solange die Sanktion durch eine individuelle Erklärung begründet werden könnte.

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Die USA kündigten an, „eine Taskforce ins Leben rufen, um die Vermögenswerte der sanktionierten russischen Unternehmen und Oligarchen zu identifizieren, aufzuspüren und einzufrieren - ihre Yachten, ihre Villen und alle anderen unrechtmäßigen Gewinne, die wir finden und nach dem Gesetz einfrieren können.“ In Großbritannien seien derzeit sogar Dienstleistungen für russische Oligarchen-Yachten untersagt. *kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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