Airbus mit 228 Menschen vermisst

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So ein Airbus 330A wird vermisst.

Paris - Katastrophe über dem Atlantik: Ein Airbus der Fluggesellschaft Air France mit 228 Menschen an Bord ist nach der Durchquerung einer Gewitterzone verschwunden.

Die Maschine wurde rund vier Stunden nach dem Start in Brasilien möglicherweise von einem Blitz getroffen, wie Air France erklärte. “Wir stehen ohne Zweifel vor einer Luftfahrtkatastrophe“, sagte der Vorstandsvorsitzende Pierre-Henri Gourgeon am Montag in Paris vor Journalisten.

Minister: "Das Schlimmste befürchten"

Es gebe kaum noch Hoffnung, sagte der französische Minister Jean-Louis Borloo. Man müsse “das Schlimmste befürchten“, sagte er dem Radiosender Europe-1.

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Flugkapitän: Abstürze durch Blitzschläge unwahrscheinlich

Das ist der Airbus A330-200

Der Airbus A330-200 auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Paris durchquerte laut Air France gegen 4 Uhr mitteleuropäischer Zeit eine “Gewitterzone mit schweren Turbulenzen“. Knapp eine Viertelstunde später wurde von der Maschine eine automatische Fehlermeldung versandt, die eine Panne im elektrischen Kreislauf meldete. Danach gab es keinen Funkkontakt mehr. An Bord waren 216 Passagiere und zwölf Besatzungsmitglieder. Der Flug AF 447 sollte ursprünglich um 11:15 Uhr in Paris landen. Der brasilianischen Luftwaffe zufolge verschwand der Airbus A330 in der Nacht zum Montag (Ortszeit) rund 300 Kilometer nordöstlich der Küstenstadt Natal, also etwa 1.500 Kilometer nordöstlich von Rio de Janeiro.

Die Behörden hätten nahe der Inselgruppe Fernando de Noronha eine Suche gestartet, erklärte ein Luftwaffensprecher. Zwei Flugzeuge der Streitkräfte suchten in der Region nach Spuren der Air-France-Maschine. Ein Vertreter der brasilianischen Luftfahrtvereinigung sagte, die Suche werde sicher sehr lange dauern. “Es könnte eine lange, traurige Geschichte werden. Die Black Box wird auf dem Meeresgrund liegen“, sagte Douglas Ferreira Machado.

Franzosen, Briten und Italiener unter den Passagieren

Nach Angaben der Pariser Flughäfen (ADP) waren mindestens 60 Franzosen an Bord der Maschine. Unter den Insassen waren ersten Angaben zufolge sieben Kinder und ein Baby.

Die Behörden in Rom erklärten, mindestens drei Italiener seien in dem Flugzeug gewesen.

An Bord haben sich möglicherweise auch Briten befunden. “Ich befürchte, es könnten auch einige britische Bürger an Bord gewesen sein“, sagte Premierminister Gordon Brown am Montag in London. Die Tragflächen der Maschine stammen aus britischer Airbus-Produktion, wie die britische Nachrichtenagentur PA berichtete.

Unklar, ob Deutsche mit an Bord waren

Das Auswärtige Amt in Berlin konnte zunächst keine Angaben machen, ob unter den Passagieren eventuell auch deutsche Staatsbürger waren.

Air France richtete für die Familien der Insassen am Pariser Flughafen Charles de Gaulle ein abgeschirmtes Informationszentrum ein, zudem wurde eine Telefon-Hotline eingerichtet (0033 1570 21055).

Umweltminister Borloo und sein für das Verkehrsressort zuständiger Staatsekretär Dominique Bussereau kündigten für den Nachmittag eine Presskonferenz auf dem Flughafen an, an der auch Staatspräsident Nicolas Sarkozy teilnehmen wollte.

Experten: Airbus kann nicht mehr in der Luft sein

Luftfahrtexperten zufolge konnte das Flugzeug angesichts des mitgeführten Spritvorrats am Montagnachmittag (MESZ) nicht mehr in der Luft sein. Es sei seit mindestens drei Stunden überfällig, sagte der Analyst Chris Yates von Jane's Aviation. “Es wurde kein Notruf empfangen. Das führt zu dem Schluss, dass es etwas Katastrophales passiert ist, das zum Absturz führte“, sagte Yates der Nachrichtenagentur AP.

Auch Terroranschlag möglich

Da es keinen Notruf gegeben habe, müsse alles sehr schnell gegangen sein. Damit sei von mechanischen Versagen bis zu einem Terroranschlag alles möglich.

Am wahrscheinlichsten sei die Hypothese einer “Zerstörung im Flug“, sagte der Luftfahrt-Gerichtsexperte Francois Granquier. Wenn die Maschine mitten in den Atlantik gestürzt sei, werde man sie kaum wiederfinden. Die Mittel dazu seien sehr begrenzt. Die Flugschreiber geben nach einem Absturz Signale ab, die es ermöglichen sie aufzuspüren. Allerdings hängt das von der Wassertiefe ab.

Laut Air France ist das etwa 60 Meter lange Flugzeug seit 2005 im Einsatz und wurde zuletzt am 16. April gewartet. Der Pilot hatte den Angaben zufolge rund 11.000 Stunden Flugerfahrung, darunter 1.700 auf diesem Flugzeug.

Laut Airbus bietet der Flugzeugtyp bis zu 253 Passagieren Platz. Die verkürzte Version des A330 ist seit 1998 im Einsatz; derzeit gibt es davon 241 Exemplare.

Sarkozy: "Sehr große Besorgnis"

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy erklärte seine “sehr große Besorgnis“ und forderte die Aufklärung des Vorfalls.

Airbus nahm zu dem Vorgang zunächst nicht Stellung.

Kein Kontakt zu portugiesischen Fluglotsen

Wie am Montagnachmittag (mitteleuropäische Zeit) bekannt wurde, hatte die vermisste Air-France-Maschine keinen Kontakt zu portugiesischen Fluglotsen aufgenommen. Das Flugzeug habe sich weder bei den Kontrollstellen auf den Azoren noch in Lissabon angemeldet, teilte ein Sprecher der portugiesischen Luftfahrtbehörde am Montag in Lissabon mit.

Auch der Luftwaffenstützpunkt in Lajes auf der Azoren-Insel Terceira habe keinen Funkkontakt mit der Maschine gehabt, berichtete die Nachrichtenagentur Lusa.

Die portugiesische Inselgruppe der Azoren liegt im Atlantik zwischen Europa und Nordamerika. Nach den in Lissabon vorliegenden Informationen habe das Flugzeug auch keinen Kontakt zu den Lotsen auf der Insel Sal aufgenommen, die zur portugiesischen Ex-Kolonie Kap Verde gehört.

dpa/AP/fro

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