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Affenpocken: Virus verhält sich ungewöhnlich – WHO prüft Gesundheitsnotstand

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Von: Lea-Sophie Mollus

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Das Affenpocken-Virus breitet sich aus – neben Deutschland in mehr als 40 Ländern. Wird nun ein Gesundheitsnotstand ausgerufen?

Frankfurt – Das Verhalten des Affenpocken-Virus ist laut der Weltgesundheitsorganisation WHO ungewöhnlich, denn Affenpocken treten eigentlich nur bei Nagetieren in West- und Zentralafrika auf. Dass sie auf Affen oder auch auf Menschen überspringen, sind eher Einzelfälle.

Umso beunruhigender ist es für die WHO, dass sich das Virus nun auch in Europa ausbreitet. Wie ntv berichtet, wurden der WHO insgesamt rund 2100 Fälle gemeldet, in Deutschland sind aktuell rund 600 Affenpocken-Fälle bekannt. Wird jetzt ein Gesundheitsnotstand ausgerufen?

Affenpocken-Virus: Was es bedeutet, wenn ein Gesundheitsnotstand ausgerufen wird

Experten sind am Donnerstag (23. Juni) zusammengekommen, um sich darüber zu beraten, ob und wie stark die öffentliche Gesundheit von dem Affenpocken-Virus bedroht ist. Gegebenenfalls wird eine „Notlage von nationaler Tragweite“ empfohlen, über deren Umsetzung dann die WHO entscheidet. Eine Notlage zu erklären, ist die höchste Warnstufe, die die WHO ausrufen kann. Doch was bedeutet das?

Wird ein Gesundheitsnotstand ausgerufen, hat das erst mal keine konkreten Auswirkungen. Zunächst sollen Kliniken und Praxen in Alarmbereitschaft für neue Affenpocken-Fälle sein und aufklären, um eine Verbreitung zu verhindern.

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus bei einer Pressekonferenz im Hauptsitz der WHO.
Das Affenpocken-Virus breitet sich aus. Die WHO prüft, ob ein Gesundheitsnotstand aufgerufen wird. Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), spricht bei einer Pressekonferenz im Hauptsitz der WHO. © Salvatore Di Nolfi/dpa

Gesundheitsnotstand: So unterscheiden sich Affenpocken vom Corona-Virus

Vergleichbar mit dem Corona-Virus und der damit verbundenen Pandemie ist das Affenpocken-Virus also nicht. Zwar wurde auch beim Auftreten des Corona-Virus eine „Notlage von nationaler Tragweite“ ausgerufen, die Dimensionen waren jedoch ganz andere – vor allem, was die Ansteckung betrifft. Diese geschieht bei Affenpocken nämlich nur durch engen Körperkontakt zwischen Mensch und Mensch, während die Ansteckung bei dem Corona-Virus über in der Luft befindliche Aerosole verläuft und somit viel schneller passiert.

Affenpocken
Eine elektronenmikroskopische Aufnahme zeigt reife, ovale Affenpockenviren (l). © Cynthia S. Goldsmith/Russell Regner/CDC/AP/dpa/Symbolbild

Auch die Infektionszahlen waren bereits zu Beginn der Corona-Pandemie deutlich höher als jetzt bei den Affenpocken: Wie ntv berichtet, waren es zu Pandemie-Beginn rund 20.000 Infektionen allein in China und 83 in anderen Ländern. Affenpocken-Fälle gibt es nach Informationen der WHO in 40 Ländern insgesamt rund 2100.

Ähnlich wie bei Corona? Das spricht für und gegen einen Affenpocken-Gesundheitsnotstand

Gegen den Ausruf des Gesundheitsnotstands spricht, dass sich die Infektionszahlen beim Affenpocken-Virus im Gegensatz zum Corona-Virus nicht explosionsartig vermehren. Auch die bisher beobachteten Krankheitsverläufe sind bei Affenpocken deutlich weniger schwer. Da es sich bei Affenpocken außerdem um einen DNA- und keinen RNA-Erreger handelt, werden weniger Mutationen erwartet als bei Covid-19. Zudem gibt es bereits einen Impfstoff – zwar gegen Menschenpocken, er ist aber auch bei Affenpocken wirksam. Für Risikogruppen empfiehlt die ständige Impfkommission (Stiko) die Impfung gegen Affenpocken.

Die WHO möchte in diesem Fall besser vorbereitet sein: „Wir wollen nicht warten, bis die Situation außer Kontrolle geraten ist“, sagt WHO-Spezialist Ibrahima Socé Fall gegenüber ntv. Dafür, eine „Notlage von nationaler Tragweite“ auszurufen, spricht in erster Linie das ungewöhnliche Verhalten des Affenpocken-Virus. (Lea-Sophie Mollus)

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