Älteste geometrische Muster menschlichen Ursprungs entdeckt

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Dass an den Wendepunkten der auf den Muscheln eingeritzten Linien keine Lücken zu sehen sind, finden die Forscher besonders bemerkenswert. Foto: Lustenhouwer/VU Uni Amsterdam/npg

Leiden (dpa) - Die bisher ältesten bekannten von Urmenschen geschaffenen geometrischen Muster haben Forscher auf der indonesischen Insel Java entdeckt.

Die Gravuren auf Muscheln seien zwischen 430 000 und 540 000 Jahre alt, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "Nature". Die eingeritzten Linien seien damit mehr als 300 000 Jahre älter als die bisher ältesten unbestritten menschlichen Gravuren.

Das Team um Josephine Joordens von der Universität Leiden (Niederlande) hatte Muscheln, Haizähne und andere Gegenstände aus der Sammlung Dubois des Nationalen Naturgeschichtlichen Museums Naturalis in Leiden untersucht. Der niederländische Anthropologe Eugène Dubois hatte die Stücke 1890 in Trinil auf Java eingesammelt, wo er bald darauf auch die ersten Knochen eines Urmenschen fand, der heute als Homo erectus bekannt ist.

Bei den Muscheln fiel den Forschern auf, dass die Schalen nur von erwachsenen Tieren stammen. Es handele sich sehr wahrscheinlich nicht um eine natürliche Muschelpopulation, sondern um die Überreste von Muschelmahlzeiten. Zudem haben fast 80 Prozent der gefundenen Schalen ein Loch an jener Stelle, an der bei der lebenden Muschel ein Muskel mit der Schale verbunden ist. Die Forschergruppe folgert, dass Homo erectus bewusst diese Stelle angebohrt hat, um die Muschel öffnen zu können und an das Fleisch zu gelangen.

Mehrere Muscheln zeigen zudem Spuren, die darauf hindeuten, dass sie als Werkzeuge fürs Schneiden und Schaben verwendet wurden. Eine äußere Schalenschicht weist eine Reihe von sorgfältig eingeritzten Linien auf, darunter in Form des Buchstabens M und eines spiegelverkehrten N. "Es gibt keine Lücken zwischen den Linien an den Wendepunkten, was nahelegt, dass darauf geachtet wurde, ein gleichmäßiges Muster zu schaffen", schreiben Joordens und Kollegen. Sie führten Experimente an ähnlichen Muscheln durch und demonstrierten, dass die Gravuren von einem Haizahn stammen können.

Das Ergebnis war für die Wissenschaftler überraschend, weil bisher als wissenschaftlich gesichert galt, dass nur der moderne Mensch, Homo sapiens, in der Lage war, solch exakte Gravuren herzustellen. "Obwohl es derzeit nicht möglich ist, die Funktion oder Bedeutung der gravierten Muschel zu bewerten, weist die Entdeckung darauf hin, dass das Einritzen abstrakter Muster im Rahmen der geistigen und motorischen Fähigkeiten des asiatischen Homo erectus lag", heißt es in der Studie.

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