Abitur trotz Reaktor-Katastrophe

+
Für 35 Schüler aus Japan hatte das Schuljahr doch noch ein Happy-End: Sie flüchteten nach Deutschland und bestanden ihre Prüfungen.

Köln - 35 Schüler aus Japan kamen nach dem Erdbeben und seinen Folgen nach Deutschland, um ihr Abitur beenden zu können. Für viele war es ein hartes Stück arbeiten, vergessen wird es keiner der Absolventen.

Sie haben es trotzdem geschafft. Schon unter normalen Bedingungen ist das Abi kein Spaziergang. Für 35 Schüler aus Japan kamen noch ein Erdbeben, Angst vor atomarer Verstrahlung und eine hastige Ausreise ins unbekannte Köln hinzu. “Es war schon hart, zwei Monate lang die Familie und die Freunde nicht zu sehen und sich dauernd Sorgen zu machen, was wohl los ist in Japan“, sagt Abiturientin Catrin Marxer von der Deutschen Schule Tokyo Yokohama (DSTY).

Dass sie ihr Abiturzeugnis nach so ungewöhnlichen Umständen nun in einer Kölner Schulaula überreicht bekommt, wird die Gymnasiastin mit japanischen und holländischen Wurzeln wohl nie vergessen. Da in Tokio seit der Katastrophe vom 11. März keine weitere Vorbereitung aufs Abitur möglich war, nahmen die Jugendlichen das Kölner Unterschlupf-Angebot des “Asyl“-Gymnasiums an. Schon ein unter Strapazen erkämpftes Reifezeugnis, meint Catrin.

“In dem Gästehaus, in dem wir ja mit über 30 Leuten gewohnt haben, war das Lernen auch sehr schwierig.“ Kai Schindelbauer macht ebenfalls drei Kreuze nach der anstrengenden Zeit. “Ehrlich gesagt kann ich keinem empfehlen, das nachzumachen, was wir hier für unser Abi angestellt haben“, sagt der 18-jährige Deutsch-Japaner am Freitag.

Die Entwicklung in der Heimat mit den erschütternden Bilder aus Fukushima waren nicht leicht abzuschütteln. “Wir haben uns natürlich alle ständig Gedanken gemacht - aber auch versucht, nicht so viel an Japan zu denken und uns auf den Stoff zu konzentrieren“, sagt der Halbjapaner Sumin Streit, der auch Familie in Österreich hat.

“Die Schüler hatten alle eine gute Internet-Verbindung, konnten sich laufend informieren und Kontakt zu ihren Familien halten, erklärt Philipp Wehmann von der DSTY-Schulleitung. Das galt auch für die Lehrer der Privatschule - zehn Pädagogen hatten sich ebenfalls auf die 10 000-Kilometer-Reise gemacht, um ihre Schüler aufs Abitur vorzubereiten. “Es ist gut gelaufen“, bilanziert Wehmann.

“Mir fällt ein Stein vom Herzen, dass es alle 35 geschafft haben. Sie sind auch von ihrer Persönlichkeit her noch stärker geworden, weil sie in einer so schwierigen Lebenssituation selbst komplett klargekommen sind“, sagt Schulleiter Michael Szewczyk. “Das Projekt, das aus der Not geboren wurde, ist gelungen.“ Die gefährliche Entwicklung an der 200 Kilometer von Tokio entfernten Atomruine von Fukushima habe das in der Bildungsgeschichte einmalige Experiment nötig gemacht. “Ich hoffe, dass diese spezifische Situation doch ein Unikat bleibt.“

Wegen der Verstrahlungsgefahr bis in den Großraum Tokio war die DSTY über Wochen geschlossen und erst am 9. Mai wieder geöffnet worden. “Der Betrieb läuft wieder normal, aber mit weniger Schülern“, sagt Szewczyk. Von den einst 409 Schülern und 82 Kindergartenkindern fehlen noch rund 40 Prozent. Viele waren nach Deutschland gekommen, aber auch in andere europäische oder asiatische Länder ausgewichen. “Einige Eltern vor allem mit kleinen Kindern haben noch immer Bedenken, nach Tokio zurückzukehren“, weiß der Schulleiter.

NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) überreicht die Zeugnisse - mit einem selbstkritischen Seitenhieb. Die sieben Wochen unter schwierigen Umständen seien pannenfrei verlaufen, was man von den Abitur-Klausuren für Mathe-Grundkursschüler in NRW nicht sagen könne. Das Schulministerium war für wiederholte Probleme bei den Aufgabenstellungen in den vergangenen Tagen kritisiert worden.

“Wir hatten eine schöne Zeit in Köln“, sagt die frisch gebackene Abiturientin Azur Coulmas. Einige der Schülerinnen waren im Kimono zu der Feierstunde gekommen. Die meisten wollen schnell wieder nach Japan zurück. “Am Montag geht mein Flieger nach Tokio“, freut sich Kai. “Aber es war auch lustig hier, Köln ist eine schöne Stadt mit dem Dom und dem Rhein“, meint Sumin. “Ich will BWL oder Sport studieren - und vielleicht mache ich das ja demnächst hier in Köln.“

dpa

Prinzessin Caroline von Monaco feiert 60. Geburtstag

Prinzessin Caroline von Monaco feiert 60. Geburtstag

Mega-Zoff nach Ekel-Prüfung - So war Tag Zehn im Dschungelcamp

Mega-Zoff nach Ekel-Prüfung - So war Tag Zehn im Dschungelcamp

Entsetzen bei Bad Boys nach WM-Aus

Entsetzen bei Bad Boys nach WM-Aus

Retter geben Hoffnung auf Lawinen-Überlebende nicht auf

Retter geben Hoffnung auf Lawinen-Überlebende nicht auf

Meistgelesene Artikel

Auto rast in Menschenmenge: Viertes Opfer gestorben

Auto rast in Menschenmenge: Viertes Opfer gestorben

Lawine trifft Hotel in Erdbebengebiet - Viele Tote

Lawine trifft Hotel in Erdbebengebiet - Viele Tote

Pilotenfehler soll zu Absturz geführt haben

Pilotenfehler soll zu Absturz geführt haben

Der Letzte, der den Mond betrat: US-Astronaut Eugene Cernan ist tot

Der Letzte, der den Mond betrat: US-Astronaut Eugene Cernan ist tot

Kommentare