Mittelfeld-Talent im Interview

Maximilian Eggestein: „Es ist schwierig, sich durchzusetzen“

Maximilian Eggestein will sich bei den Profis von Werder Bremen festspielen.
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Maximilian Eggestein will sich bei den Profis von Werder Bremen festspielen.

Bremen - Von Daniel Cottäus. Es könnte die nächste gute Chance sein: Gegen den VfL Wolfsburg hofft Maximilian Eggestein auf den dritten Bundesliga-Startelf-Einsatz seiner Karriere. Vorher sprach er im Interview über seine Chancen und Ziele bei Werder Bremen.

Das Training ist eben erst zu Ende gegangen, nach einer schnellen Dusche erscheint Maximilian Eggestein pünktlich zum verabredeten Termin. Die Anstrengung der morgendlichen Einheit ist ihm noch deutlich anzumerken: Es dauert nicht lange, und es bilden sich kleine Schweißperlen auf seiner Stirn.

Während des folgenden Interviews macht Werders Mittelfeldspieler dann einen sehr aufgeräumten Eindruck, wirkt dabei erstaunlich besonnen für seine 20 Jahre – und unterstreicht, wo es bei Werder für ihn hingehen soll: „Ich möchte fest zum Profikader gehören.“ Außerdem spricht das Nachwuchstalent über einen möglichen Startelf-Einsatz heute Abend im Auswärtsspiel beim VfL Wolfsburg und über die Schwierigkeiten, die der oft zitierte „Werder-Weg“ für junge Spieler manchmal mit sich bringt.

Herr Eggestein, während des Spiels in Mainz hat sich Ihr Teamkollege Thomas Delaney ziemlich übel am Kopf verletzt. Wie haben Sie die Szene von draußen wahrgenommen?

Maximilian Eggestein: Wir haben uns gerade warm gemacht und waren auf der anderen Seite des Platzes. Es war für uns also sehr schwierig zu sehen. Wir dachten im ersten Moment, dass es gleich ganz normal weitergeht, aber als der Schiedsrichter dann die Trage angezeigt hat, wussten wir: Einer von uns wird jetzt kommen.

War Ihnen in dem Moment klar, dass Sie jetzt gefordert sind? Schließlich spielen Sie auf derselben Position wie Thomas Delaney.

Eggestein: Ja, ich habe mir schon Hoffnungen gemacht, dass ich komme, aber da wir mit 2:0 geführt haben, hätte es auch andere Möglichkeiten gegeben.

Der Trainer hat sich schließlich für Sie entschieden. Was hat er Ihnen vor Ihrer Einwechslung mit auf den Weg gegeben?

Eggestein: Er hat gesagt, dass ich so spielen soll wie im Training und dass primär die Verteidigung zählt, damit die Null stehen bleibt.

Nun fällt Thomas Delaney heute Abend in Wolfsburg aus, Kapitän Clemens Fritz ist zudem gelb-gesperrt. Ist das Ihre große Chance auf den dritten Bundesliga-Startelfeinsatz Ihrer Karriere?

Eggestein: Klar sehe ich, dass ich die Position der beiden spielen könnte, und ich weiß auch, dass der Trainer großes Vertrauen in mich hat. Es gibt aber auch jetzt noch andere Möglichkeiten für ihn.

Maximilian Eggestein ersetzte gegen Mainz Thomas Delaney - und konnte am Ende gemeinsam mit Santiago Garcia einen Sieg bejubeln.

Im Training sah es in dieser Woche danach aus, als würden Sie und Milos Veljkovic die Doppel-Sechs bilden. Sie beide waren Teil der A-Mannschaft. Ein Fingerzeig?

Eggestein: Ja, aber wir haben auch andere Dinge besprochen. Ich bereite mich einfach vor und schaue, was dann passiert.

Seit Ihrem Debüt im November 2014 haben Sie inzwischen zwölf Bundesliga-Einsätze auf dem Konto. Ist das eine Zahl, mit der Sie zufrieden sind?

Eggestein: Es geht immer mehr. Ich werde nicht sagen, dass ich zufrieden bin, kann aber auch nicht sagen, dass ich mehr Einsätze gefordert hätte. In meiner ersten Saison wusste ich, dass ich ein Teil der U23 bin. In der zweiten lief es am Anfang ganz gut, aber mir war klar, dass es erstmal ein Hin und Her zwischen U23 und Profis werden wird. Nach der Hinrunde bin ich dann ganz zur U23, was mir im Nachhinein viel gebracht hat. Nach diesen Erfahrungen denke ich nicht mehr zu weit nach vorne.

Sie versuchen nun seit fast drei Jahren, fest ins Profiteam zu rücken. Wie erleben Sie den viel zitierten „Werder-Weg“, sprich das Ziel des Clubs, eigene Nachwuchskräfte an die Bundesliga heranzuführen? Sind die Grenzen durchlässig oder ist es ein harter Weg?

Eggestein: Es ist relativ schwierig, sich durchzusetzen, weil es sehr viel Konkurrenz gibt. Das sieht man ja auch daran, wie viele junge Spieler wir hier schon hatten. Es war schon schwer, in den Kader zu kommen. Gerade in so einer Situation, in der wir uns jetzt befinden, ist es nicht ganz einfach, auf junge Spieler zu setzen. Das sind so Umstände, die es dann noch schwieriger machen.

Also ist neben sportlichem Können und Ehrgeiz auch Geduld eine Zutat, die man für den „Werder-Weg“ braucht?

Eggestein: Ja, und Glück auf jeden Fall auch. Das gehört auch dazu.

Nachdem Sie am ersten Spieltag noch in der Allianz-Arena gegen die Bayern für Werder auf dem Platz gestanden hatten, ging es für Sie in dieser Saison erstmal wieder runter zur U23. Wie schwer war die Rückstufung ins zweite Glied für Sie?

Eggestein: Am Anfang ist es natürlich immer schwer, so etwas zu hören, weil es ja schon heißt: Im Moment reicht es nicht. Aber es war so abgesprochen, dass der Weg nach oben für mich offen ist.

Unter Trainer Alexander Nouri (r.) spielt Maximilian Eggestein defensiver, als er es gewohnt ist.

In Ihrer Anfangszeit in der Bundesliga sind Sie stets im offensiven Mittelfeld zum Einsatz gekommen, unter Trainer Alexander Nouri spielen Sie nun deutlich defensiver vor der Abwehr. Wie kam es dazu?

Eggestein: Ich habe das ja auch in der U23 hin und wieder gespielt und glaube, dass ich beides spielen kann. Alexander Nouri sieht mich eben ein bisschen defensiver. Mittlerweile habe ich mich ganz gut abgefunden mit der zentralen Position.

Nach dem Rückspiel gegen Bayern haben Sie viel Lob für Ihren Auftritt im defensiven Mittelfeld bekommen. Ihr Teamkollege Zlatko Junuzovic hat sogar gesagt, sie hätten es von allen Bremern am besten gemacht. Was bedeutet Ihnen so eine Aussage?

Eggestein: Das hat mich sehr gefreut. Es war ein großes Lob. So etwas gibt einem Selbstvertrauen. Es ist ein Stück einfacher, wenn man weiß, dass man die Wertschätzung von den Mitspielern bekommt und nicht an sich zweifeln muss.

Es sieht danach aus, als ob Clemens Fritz im Sommer seine Karriere beendet, Florian Grillitsch wechselt zudem nach Hoffenheim – damit wären zwei potenzielle Anwärter auf Ihre Position weg. Ist dann die Zeit für Ihren endgültigen Duchbruch gekommen?

Eggestein: Mein Ziel ist, nicht mehr zwischen zwei Mannschafen zu pendeln. Ich möchte bald fest zu einer Mannschaft gehören.

Haben Sie sich denn einen Zeitplan gesteckt, bis wann Ihre Perspektive bei Werder klar sein muss?

Eggestein: Das habe ich früher mal gemacht, aber ich habe aufgehört damit. Es ist in näherer Zukunft aber schon mein Ziel, fest zum Profikader zu gehören. Ich werde während der Transferphase im Sommer sehen, wie sich das hier für mich entwickelt.

Ihr Bruder Johannes gehört auch zum Profikader. Im Sommer gab es um ihn einen ziemlich großen Hype. Es hieß, zahlreiche Top-Clubs aus Europa seien an ihm interessiert. Ganz ehrlich: Waren Sie da nicht etwas neidisch? Immerhin hatten Sie schon Bundesliga gespielt...

Eggestein: Nein, ich habe mich sehr gefreut für ihn, aber ich habe auch immer gesagt, dass man da vorsichtig sein muss. Die Erwartungen sind ja jetzt schon hoch, man muss ihm aber auch seine Zeit geben.

Einen Statistik-Wert kann er Ihnen jedenfalls nicht mehr nehmen: Nach Thomas Schaaf sind Sie Werders zweitjüngster Bundesliga-Debütant. Bedeutet Ihnen das etwas?

Eggestein: Ich bin ja leider nur Zweitjüngster, das steht ja nirgendwo. Es geht aber auch gar nicht darum, wie früh man dabei ist, sondern wie lange man bleibt.

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