Vor dem Nordderby

Fünf Gründe: Darum gewinnt Werder - darum gewinnt der HSV

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In der vergangenen Saison hatte der HSV um Johan Djourou (r.) beide Nordderbys gegen den SV Werder mit Zlatko Junuzovic gewonnen. (Archivfoto)

Bremen - Beide wollen gewinnen, keiner darf verlieren. Wir haben trotzdem fünf Gründe gesammelt, warum entweder Werder Bremen oder der HSV das Nordderby am Samstag gewinnt.

Fünf Gründe, die für Werder sprechen:

1. Das Traum-Trio: Werders Offensive freut sich auf den HSV. Claudio Pizarro hat gegen den Nordrivalen schon 19 Mal in der Bundesliga getroffen – öfter als gegen jeden anderen Verein. Max Kruse verlor in zehn Ligaspielen mit vier verschiedenen Clubs noch nie gegen den HSV. Und Serge Gnabry ist auswärts zurzeit eine Bank: In allen seinen vier Ligaspielen auf fremdem Rasen hat der Nationalspieler ein Tor erzielt. Trifft er auch in Hamburg, knackt er den Auswärts-Torrekord von Steffen Baumgart (1995/96 für Hansa Rostock).

2. Ein Tor könnte reichen: Die letzten beiden Derby-Triumphe des SV Werder gegen den HSV (März 2014 und April 2015) waren jeweils 1:0-Siege. Und unter Trainer Alexander Nouri hat Werder bisher in jedem Spiel mindestens ein Tor geschossen.

3. Gisdols Angstgegner: Dem HSV-Trainer Markus Gisdol liegt Werder einfach nicht. Sechs Mal ist er mit seinem Ex-Club Hoffenheim gegen die Bremer angetreten. Dabei gelangen ihm zwei Remis – aber es gab keinen einzigen Sieg.

4. Nouri weiß, wie es geht: Alexander Nouri hingegen ist ein HSV-Spezialist. Mit der Bremer Reserve gewann der heutige Werder-Coach als Aktiver häufiger gegen den HSV II als gegen jeden anderen Verein (acht von 13 Spielen). Außerdem traf er gegen keinen anderen Club öfter – drei Mal.

5. Gutes Omen: Der Extremsportler Emin da Silva schnürt vor dem Nordderby wieder die Schuhe. In der vergangenen Saison hatte vor dem furiosen wie wichtigen 6:2-Heimsieg am drittletzten Spieltag gegen Stuttgart einen Marathon ums Weserstadion absolviert. Diesmal läuft er die 110 Kilometer von Bremen nach Hamburg.

Fünf Gründe, die für den HSV sprechen:

1. Werders Grusel-Abwehr: 29 Gegentore haben die Bremer in dieser Saison schon kassiert, in keinem Spiel hielt die Null. Da könnte sich selbst der HSV mit der ligaweit schlechtesten Offensive (sechs Tore) freischießen.

2. Der Sturm läuft heiß: Nach sieben Bundesliga-Spielen in Folge ohne Tor hat die HSV-Offensive die Kurve gekriegt: Nicolai Müller (3) und Filip Kostic erzielten in den vergangenen zwei Spielen zusammen vier Treffer. Die 14 Torschüsse zuletzt beim 2:2 in Hoffenheim sind Saisonbestleistung. Werder gelang in den vergangenen vier Spielen hingegen nie mehr als ein Treffer.

3. Gegen den Heimfluch: Der HSV hat zwar schon seit April kein Heimspiel mehr gewonnen. Gast beim bisher letzten Sieg im Volksparkstadion war allerdings ausgerechnet Werder. Am Ende hieß es 2:1. Beide Tore schoss Pierre-Michel Lasogga – es waren 2016 seine einzigen in der Bundesliga.

4. Derby-Niederlage – was ist das? Drei der letzten vier Duelle mit Werder gewannen die Hamburger. In den letzten sieben Spielen im Volkspark siegten sie fünf Mal. In der vergangenen Saison entschied der HSV zudem erstmals seit 1967/68 das Hin- und Rückspiel für sich.

5. Mit Tatkraft aus dem Trainingslager: Sportliche Miseren kennt der HSV. Wenn die Mannschaft aber aus einem Kurz-Trainingslager kommt, kann sie auf den Punkt Leistung bringen. 2015 waren die Hamburger zwei Mal in Malente im „Uwe Seeler Fußball Park“, gewannen danach erst das Bundesliga-Finale gegen Schalke und setzten sich dann in der Relegation gegen Karlsruhe durch. Jetzt fokussiert sich der HSV drei Tage in Barsinghausen.
han

Das Nordderby: Kuriose Fakten und spektakuläre Ereignisse

Symbolbild
Beim Nordderby im Jahr 1967 fand die erste Auswechslung der Bundesliga-Geschichte statt. Hamburgs Torhüter Arkoc Özcan hatte sich in der 18. Minute den kleinen Finger gebrochen – für ihn kam Ersatzkeeper Erhard Schwerin in den Kasten. Die Regel, die Auswechslungen ermöglichte, war erst kurz zuvor eingeführt worden. © imago sportfotodienst (Symbolbild)
Nordderby
Ende einer Serie: 36 Bundesligaspiele in Folge war der HSV zwischen den Jahren 1982 und 1983 ungeschlagen. Ausgerechnet Werder stoppte den Lauf des Rivalen. Die Grün-Weißen siegten 3:2. © imago sportfotodienst
Nordderby
Das Nordderby im Jahr 1972 wurde vor gerade einmal 8000 Zuschauern ausgetragen – Negativrekord. Weniger kamen davor und danach nie zum Duell der Nordrivalen. Ein Grund für das geringe Interesse: Kurz zuvor war der legendäre Bundesliga-Skandal aufgeflogen. © imago sportfotodienst
Nordderby
Ehrenrunde über dem Weserstadion: Nach Hamburgs Meisterschaft in der Saison 1982/1983 hatte Horst Hrubesch eine ganz besondere Idee. Auf dem Rückflug vom letzten Spieltag überredete der HSV-Profi den Piloten der Fokker-Maschine, eine Ehrenrunde über dem Weserstadion in Bremen zu drehen. © imago sportfotodienst
Nordderby
An diesen Tag erinnern sich die Bremer nur ungern. Am 27. November 1971 lässt Schiedsrichter-Legende Walter Eschweiler die Werder-Profis in der zweiten Halbzeit beim Auswärtsspiel in Hamburg mit HSV-Trikots auflaufen. Der Grund: Für Eschweiler waren sich Werder- und HSV-Trikots zu ähnlich – Verwechslungsgefahr! Weil Werder aber keine Ersatztrikots dabei hatte, mussten die Grün-Weißen die ungeliebte HSV-Raute auf der Brust tragen. © im ago/Future Image
Nordderby
Ailton ist eben doch ein Bremer! 2006 nagelte der Brasilianer im Trikot der Hamburger den Ball im Derby völlig freistehend aus acht Metern über das leere Tor. Der HSV unterlag 1:2. Durch die Pleite zog nicht Hamburg, sondern Bremen in die Königsklasse ein. Wenig später war Ailtons Zeit beim HSV beendet – er wurde verkauft. © imago images / Thorge Huter
Nordderby
Beim Derby 2008 versuchten die Hamburger im Kampf um die Champions-League-Plätze mit einem Psychotrick zu punkten: Beim Duell in Hamburg wurde die Gästekabine mit HSV-Flaggen ausstaffiert. Der erhoffte Erfolg blieb aus. Die Bremer ließen sich nicht beeindrucken, gewannen und wurden am Ende Zweiter in der Tabelle – der HSV musste sich mit Rang vier begnügen. © imago images / HochZwei/Christians
Nordderby
Werders höchster Auswärtssieg in Hamburg gelang am 22. September 2001 mit einem 4:0. Bremens gefeierter Held: Marco Bode. Der Stürmer erzielte einen Treffer selbst und bereitete zwei weitere vor. Der höchste Heimsieg war in der Meistersaison 2004 sogar ein 6:0. © imago images / Kolvenbach
Nordderby
Das wohl berühmteste Tor der Nordderby-Geschichte: Frank Baumanns Kopfballtreffer bedeutet für Werder den Einzug ins UEFA-Cup-Finale 2009. Es sorgte auch für einen der drei Werder-Siege gegen den HSV in drei Wettbewerben binnen 19 Tagen. Kurios war aber auch die Entstehung der Ecke vor Baumanns Tor: Der Ball hoppelte über eine Papierkugel, die ein HSV-Fan auf den Rasen geworfen hatte. HSV-Abwehrmann Michael Graavgaard traf den Ball nicht richtig - es gab Ecke für Werder. © imago
Nordderby
Ausgerechnet ein Wahl-Hamburger ersteigerte die legendäre Papierkugel. Matthias Seidel, Gründer von „transfermarkt.de“, erwarb die Kugel, um sie später im Werder-Museum ausstellen zu lassen. © imago images / Philipp Szyza
Nordderby
Adrian Maleika. Der Name steht synonym für die größte Tragödie der Derby-Geschichte. Der Werder-Fan wurde vor dem Spiel am 16. Oktober 1982 auf dem Weg ins Volksparkstadion von Hamburger Hooligans brutal angegriffen. Bei einem Steinwurf erlitt der 16-jährige Lehrling einen Schädelbasisbruch und Gehirnblutungen. Einen Tag später starb er. Er gilt als erstes Todesopfer bei Hooligan-Übergriffen in Deutschland. © imago
Nordderby
Noch eine der ganz bitteren Geschichten des Nordderbys: Am 20. September 1989 spielte Ditmar Jakobs sein letztes Bundesliga-Spiel. Im Weserstadion rutschte der HSV-Verteidiger bei einer Rettungsaktion ins Tor. Dort bohrte sich ein defekter Karabinerhaken der Toraufhängung in seinem Rücken. Jakobs kam nicht mehr los, der Haken musste mit einem Skalpell herausgeschnitten werden. Dabei wurden seine Nerven so stark verletzt, dass an Profisport danach nicht mehr zu denken war. © imago
Nordderby
Niederlagen sind nie schön, die am 14. Mai 1988 gegen den HSV gilt aber als eine der schönsten Werder-Pleiten. Die Mannschaft von Trainer Otto Rehhagel ging zwar zu Hause mit 1:4 gegen die Hamburger baden. Aber das juckte keinen: Die Bremer hatten die zweite Deutsche Meisterschaft der Vereinsgeschichte schon perfekt gemacht - und durften nach dem Spiel die Schale vor den Augen des Rivalen in die Höhe recken. © imago
Nordderby
So unschön die Szene, so schnell wurde sie auch legendär: Werder-Keeper Tim Wiese verwechselte im Mai 2008 Fußball mit Kung Fu und senste beim Herauslaufen HSV-Stürmer Ivica Olic derart um, als wolle er ihm den Kopf abtreten. Ob Wiese da schon den Gedanken an eine Karriere im Wrestling entwickelt hat? Franz Beckenbauer sprach danach von Mordversuch, ein Unbekannter stellte sogar Strafanzeige wegen versuchten Totschlags. Der Schiedsrichter zeigte im Spiel jedenfalls nur Gelb. © imago
Nordderby
Klar ist: Werder Bremen gegen den Hamburger SV - es ist das ewige Duell der Bundesliga. Kein Spiel gab es häufiger. Zum 100. Nordderby präsentierten die Werder-Fans im Weserstadion eine beeindruckende Choreografie. „100 Spiele wie im Märchen“, schrieben die Fans und klappten das Geschichtsbuch auf. Am Ende stand: „Und die Moral von der Geschicht‘, Bremen ist geil, Hamburg nicht.“ © imago images / osnapix

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