Euro-Rechenbeispiele

Mehrwertsteuersenkung: Benzin, Kosmetik und Milch - Hier können Sie ab 1. Juli sparen

Wie stark werden wir den neuen Mehrwertsteuersatz bemerken? Bei Alltagsprodukten bleibt die Ersparnis gering. Bei größeren Einkäufen wartet eine Überraschung.

  • Mehr Geld am Ende des Monats - das verspricht der neue niedrigere Mehrwertsteuersatz ab 1. Juli
  • Von Golf bis Billy-Regal zeigen wir, was wir ab Juli wirklich sparen könnten. 
  • Wie kurios die Regeln bei der Mehrwertsteuer sind, zeigen Beispiele von Esel bis Christbaum.

Ab Juli werden alle Bundesbürger nur noch 16 Prozent Mehrwertsteuer bezahlen; der ermäßigte Steuersatz sinkt sogar auf fünf Prozent. Das ist historisch: Seit Einführung ging es mit dieser Steuer immer nur nach oben. Bis Jahresende ist nun bei der Mehrwertsteuer wegen des Coronavirus alles anders - was wir bei jedem einzelnen Kauf merken werden.

Wie viel sparen wir nun aber tatsächlich dank des Konjunkturpaketes? In einer ersten Datenanalyse haben wir beliebte deutsche Konsumgüter recherchiert. Und wir zeigen beispielhaft berechnet für jedes Produkt, wie viel dieses günstiger werden könnte. Vorausgesetzt ist immer der Fall, dass die Hersteller die Mehrwertsteuersenkung auch an ihre Kunden weiterreichen. Dies ist in der Vergangenheit jedoch nicht immer der Fall gewesen - wie der Fall von Damenhygieneprodukten zeigt. Für diese gilt seit Kurzem der ermäßigte Steuersatz - doch an der Kasse ist davon nicht mehr viel zu merken.

Mögliche Ersparnis durch die Senkung der Mehrwertsteuer

TOP 10 PRODUKTE

AKTUELLER MARKTPREIS

MÖGLICHE ERSPARNIS

1 Liter Milch, 3,5% Fett

0,79 Euro

0,02 Euro

VW Golf, Basis-Modell

19.995 Euro

504 Euro

Levis Damen-Jeans

85 Euro 

2,14 Euro

Tankfüllung Golf E10 (50 Liter)

58,37 Euro

1,47 Euro

Billy Bücherregal Ikea

79 Euro

1,99 Euro

Blutzucker-Messgerät Salter

39,99 Euro

1,01 Euro

Gartenschere Gardena

11,86 Euro

0,30 Euro

Nivea Hautcreme

1,16 Euro

0,03 Euro

Canon-Kamera 2000D

329 Euro

8,29 Euro 

Marlboro Red 20 Stück   

7 Euro 

Im Handel befindliche Produkte behalten ihren Preis. Neue Produkte könnten günstiger werden. (Quelle: Donaukurier). 

Die obige Tabelle zeigt beispielhafte Produkte der zehn Kategorien, in die die Deutschen 2019 am meisten Geld investiert haben (siehe Methodik am Ende). Es zeigt sich, dass die Senkung der Mehrwertsteuer am Ende doch so etwas ist wie eine kleine Abwrackprämie werden könnte, auch wenn sie nicht so heißen darf. Bei einem Golf in der Basisausstattung sind 500 Euro Ersparnis drin. Doch schon beim Kauf eines Billy-Regals blickt man wieder nüchtern auf die Realität: Hier blieben lediglich zwei Euro mehr in der Geldbörse. Das reicht immerhin nach dem Einkauf noch für zwei Ikea-Hotdogs.

Folgen der Mehrwertsteuersenkung sind nicht immer logisch

Unsere Auswertung zeigt jedoch zugleich die teilweise komplex bis absurden Besonderheiten der deutschen Steuergesetzgebung: Bei Benzin wird die Mehrwertsteuer nicht nur auf den Kraftstoff selbst, sondern beispielsweise auch auf die Energiesteuer aufgeschlagen. Und beim Thema Zigaretten zeigt sich, dass am Ende alle Raucher leer ausgehen. Anders als zunächst bekannt und hier berichtet, wird die Tabaksteuer - Im Gegensatz zur Mehrwertsteuer etwa bei alkoholhaltigen Produkten - nun bei im Handel befindlichen Gründen nach nicht gesenkt sein. Grund sind die fest aufgedruckten Steuerzeichen - Hersteller könnten aber künftig neue Zeichen mit reduzierter Mehrwertsteuer drucken und in den Handel bringen.   

Auf das einzelne Produkt bezogen wirken drei Prozentpunkte Ersparnis durch die gesenkte Mehrwertsteuer also insgesamt nicht gerade üppig. Das war etwa bei den unlängst reduzierten Fernverkehrs-Tickets* von 19 auf sieben Prozent Mehrwertsteuer ganz anders. Deswegen ergibt ein Blick auf die privaten Konsumgüterausgaben eines Jahres ein noch besseres Bild: Bei durchschnittlichen 20.420 Euro stehen immerhin pro Monat 43 Euro Ersparnis. Das ist gerade für niedrigere Einkommen eine nennenswerte Summe. In der Realität gelten allerdings für verschiedene Konsumausgaben ganz unterschiedliche Steuersätze, wie etwa bei Versicherungen. Wie viel also ein Durchschnittshaushalt am Ende wirklich durch das Corona-Konjunkturpaket sparen kann oder gar spart, lässt sich seriös kaum ermitteln. Welche Punkte der Maßnahmenkatalog konkret umfasst, erfahren Sie hier*.

Wie die Mehrwertsteuer über die Jahre immer weiter gestiegen ist

Dass erstmals die Mehrwertsteuer gesenkt und nicht erhöht wird, ist in jedem Fall ein weitreichender Schritt. Das folgende Diagramm zeigt die Entwicklung der Mehrwertsteuer seit Einführung im Jahr 1968. Der dargestellte Regelsatz umfasst die meisten Konsumprodukte wie Autos, Fahrräder, Lampen oder Möbel. Der ermäßigte Satz gilt etwa für Lebensmittel und Zeitungen.

Kuriose Beispiele der Mehrwertsteuer: Tote Esel und gefällte Christbäume

Eher bizarre Blüten treibt das auf dem ersten Blick trockene Thema Mehrwertsteuer in der Praxis. Welche Konsumgüter unter den Regelsatz und welche unter den ermäßigten Steuersatz fallen, ist nicht immer logisch zu erschließen. So fallen auf Reitpferde lediglich sieben Prozent Mehrwertsteuer an, für Esel hingegen 19 Prozent - egal ob lebend oder geschlachtet. Für Kreuzungen zwischen Pferd und Esel sind wiederum nur sieben Prozent zu entrichten, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet.  

Auch bei Fruchtsäften gibt es keine Einheitlichkeit. Der Steuersatz hängt von der Zubereitung ab. Grundsätzlich muss man für Getränke wie gepresste Fruchtsäfte 19 Prozent Mehrwertsteuer zahlen. Bei Smoothies oder anderen pürierten Fruchterzeugnissen fallen jedoch lediglich sieben Prozent Mehrwertsteuer an. Richtig kompliziert wird es dann bei Weihnachtsbäumen: Künstliche Bäume werden zum Beispiel laut Welt grundsätzlich mit 19 Prozent belegt, Bäume aus einem Wald aber mit sieben Prozent. Für einen Baum aus einer Sonderkultur gilt ein spezieller Steuersatz von 10,7 Prozent. Ganz ohne Mehrwertsteuer, deren Senkung vom Bund der Steuerzahler kritisiert wird, gibt es dann noch Bäume aus dem Ausland. Die Discounter liefern sich derweil wegen der befristeten Mehrwertsteuer-Senkung einen Preiskampf.

Esel, sei wachsam: Wie kurios es in Deutschland bei der Mehrwertsteuer zugeht, zeigt sich bereits beim Thema Nutztiere.  

Wie wir die mögliche Ersparnis durch die Senkung der Mehrwertsteuer berechnet haben

Wie die Zahlen zustande kommen: Als Ausgangspunkt haben wir für 2019 die vorläufigen privaten Konsumausgaben in Deutschland herangezogen. Daraus haben wir die jeweiligen Unterkategorien ermittelt und gefiltert nach reinen Konsumprodukten - Versicherungen und Dienstleistungen lassen wir also bewusst außen vor. Für die zehn Top-Kategorien haben wir in der Folge jeweils auf Basis von Statistiken vom Kraftfahrtbundesamt, Amazon, Branchenverbänden, dem statistischen Bundesamt und anderen Quellen repräsentative Beispiele ermittelt. Die Auswahl erfolgte aber letztlich nicht nach wissenschaftlichen Kriterien, sondern soll ein breites und erkenntnisreiches Bild über die beliebtesten Konsumgüter in Deutschland zeichnen.

Wie wir die Preise berechnet haben: Für das jeweilige Produkt haben wir in der Folge einen Marktpreis bei Preissuchmaschinen und anderen Quellen mit breiter Datenbasis ermittelt. Beim Benzinpreis legen wir den Durchschnittspreis für Mai 2020 von clever-tanken.de zugrunde. Anschließend haben wir den jeweiligen Marktpreis auf den neuen Mehrwertsteuersatz umgerechnet - was etwa bei der Tabak- oder Mineralölsteuer eine komplexere Berechnung ist. Trotz dieser Einschränkungen lässt sich auf diese Weise aus unserer Sicht ein erstes hilfreiches Bild der am Mittwochabend verkündeten Mehrwertsteuersenkung in Zeiten des Coronavirus und ihrer Folgen zeichnen.

Ab Juli 2020 ändert sich nicht nur die Mehrwertsteuer: Zahlreiche weitere Änderungen  in Deutschland gibt es dann für Verbraucher, Rentner und Urlauber.

Von Philipp David Pries und Selin Hubert

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © dpa / Jan Woitas

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