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Krebs-Risiko mit Anti-Tumor-Training in nur 10 Minuten reduzieren

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Von: Yannick Hanke

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Eine Person fährt mit einem Fahrrad durch den Olympia-Park in München.
Sportliche Aktivitäten beziehungsweise Bewegung im Allgemeinen sollen das Krebs-Risiko deutlich senken können. © Finn Winkler/dpa/Symbolbild

Damit bösartige Tumore gar nicht erst entstehen, gibt es spezielle Sporttherapien als Waffe gegen Krebs. Doch was ist besonders empfehlenswert? Ein Experte klärt auf.

München – Sport gilt gemeinhin als bestes Mittel, um dauerhaft gesund zu bleiben. Wer fit ist, der hat auch weniger körperliche Beschwerden. Vor allem mit Blick auf Herzkreislauferkrankungen und Diabetes wird Bewegung von Medizinern immer wieder empfohlen. Ihre Psyche stärken Krebspatienten, indem sie sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten ebenfalls sportlich betätigen. Die Krankheit an sich sowie die Chemotherapie können sie oft besser verarbeiten als inaktive Patienten.

Doch soll Sport auch eine wirksame Maßnahme zur Krebsprävention sein. Über den Einfluss von Bewegung auf das Krebs-Risiko weiß sich Martin Halle, leitender ärztlicher Direktor des Lehrstuhls und der Poliklinik für Präventive und Rehabilitative Sportmedizin an der Medizinischen Fakultät der TU München, zu äußern.

Sport senkt das Risiko einer Krebserkrankung um etwa 25 Prozent – Experte nennt Gründe

„Die Studien zeigen, dass der Präventiveffekt von Sport etwa 25 Prozent beträgt“, heißt es von Martin Halle im Gespräch mit Focus Online. Demnach würde das Krebs-Risiko durchschnittlich um ein Viertel sinken. Auf bestimmte Krebsformen hätte regelmäßiges körperliches Training besonders viel präventiven Einfluss. Das seien vor allem Colonkrebs (Darmkrebs), Mammakarzinom (Brustkrebs) sowie Prostatakrebs.

In Bezug auf Darmkrebs würde die richtige Ernährung zwar einen großen Einfluss nehmen. „Doch wesentlich bedeutender in der Prävention ist körperliches Training und natürlich nicht zu rauchen“, sagt Halle. Risikofaktoren mit Blick aufs Mammakarzinom sowie Prostatakrebs seien ebenfalls unter anderem zu wenig Bewegung und daraus resultierendes Übergewicht. Für den Mediziner würde der präventive Effekt von Sport „eindeutig“ feststehen. Regelmäßige Bewegung würde vor Krebs schützen, aber auch vor Gefäßerkrankungen wie Bluthochdruck und den damit verbundenen Folgen.

Körperliche Aktivitäten können vor Krebserkrankung schützen – weil Botenstoffe aktiv werden

Wie genau aber kann körperliche Aktivität eigentlich vor einer Krebserkrankung und all ihrer Symptome schützen? Zur Veranschaulichung zieht der Mediziner als ein „gutes Beispiel“ Darmkrebs heran. Heutzutage würde man Muskulatur und Knochen als Organe verstehen, die bei körperlicher Aktivität zahlreiche Botenstoffe aussenden. Darunter würden Myokine vom Muskel ausgehen und Osteokine vom Knochen.

„Die Myokine erreichen über das Blut wiederum viele andere Organsysteme, auch die Darmschleimhaut. Hier unterbinden die speziellen Botenstoffe nachweislich die Bildung von Polypen“, sagt Halle. Und hierbei spiele das Myokin SPARC, die Abkürzung für „Secreted protein acidic and rich in cysteine“, eine wichtige Rolle. Mechanismen, die es auch beim Mammakarzinom gebe und die durch Sport in Bewegung gesetzt würden. Da der verantwortliche Botenstoff aber noch nicht identifiziert wurde, spricht der Mediziner in Bezug auf Brustkrebs-Prävention von einem Dreiklang aus Sport machen, schlank bleiben und der richtigen Ernährung.

Sporteinheiten von „20 Minuten pro Tag“ können zur Krebsprävention ausreichen

Natürlich stellt sich auch die Frage, wie viel Zeit in sportliche Aktivitäten investiert werden sollte, um Krebs vorzubeugen. Wird die Muskulatur angesprochen, gelingt die Krebsprävention, merkt Martin Halle an. Das würde mit Ausdauer- und Krafttraining funktionieren. Und „um den Knochen anzuregen, brauche ich Kraft- und Stoßtraining“.

Die Faustregel: „Wenn ich 20 Minuten pro Tag meine Muskulatur und die Knochen aktiviere, mit der Kombination aus Kraft- und Ausdauertraining, bin ich in Hinblick auf Prävention auf der sicheren Seite“.

Anti-Tumor-Training gegen Krebserkrankung: „Wenn Sie das jeden Tag durchführen, haben Sie viel erreicht“

Doch müsse auch eine gewisse Intensität erreicht werden. Joggen sei dementsprechend besser als Spazierengehen. Denn erst dann starte die Myokin-Ausschüttung. In diesem Kontext spricht Halle von intensiven Übungen. „Und wenn Sie das jeden Tag durchführen, haben Sie viel erreicht“. Die Rede ist von einem Work-out mit Übungen wie dem Hampelmann, Crunch, Plank oder dem Beinstrecker.

„Das ist umsetzbar und diese im Ganzen vermutlich zehn Minuten kann eigentlich jeder investieren. Und wenn ich es einen Tag nicht schaffe, sollte ich das am nächsten Tag nachholen, damit das tägliche 10-Minuten-Konto wieder stimmt“, spricht Halle über das Anti-Tumor-Training, das er wie ein Konto betrachtet, „auf das Sie einzahlen“.

„Kurze, aber intensive Einheiten“ zur Krebsprävention – doch ist auch „mehr Training besser als weniger“

Während Schwimmen hinsichtlich der Krebsprävention „nicht so effektiv“ sei, sei es das Radfahren umso mehr. Schließlich würde es die Muskeln aktivieren. „Weil beim Radfahren aber die Stoßwirkung gering ist, werden kaum Osteokine gebildet“. Und doch sei es besonders für adipöse Menschen gut, da die Knie nur gering belastet würden. Auf einen Nenner gebracht fasst Halle dann zusammen:

Kurze, aber intensive Einheiten regen die Bildung der vor Krebs schützenden Botenstoffe in Muskeln und Knochen besonders an.

Der Mediziner Martin Halle im Interview mit Focus Online

Länger Sporteinheiten „sind zusätzlich eine gute Sache, weil sie Myokine und Immunsystem stark stimulieren“. Der Mediziner erachtet sie für „total wichtig“. Grundsätzlich würde der präventive Effekt schon mit der ersten Einheit starten. Also sobald Muskulatur und Knochen entsprechend beansprucht werden. Denn „beide bilden sofort die schützenden Botenstoffe“. Und wenn es um Krebsprävention geht, „ist mehr Training besser als weniger“.

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