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Italien-Urlaub wegen Hitzewelle in Gefahr: Dürre hat Folgen für Touristen

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Von: Julian Kaiser

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In Norditalien ist wegen der anhaltenden, schweren Dürre der Notstand ausgerufen worden. Das hat auch Folgen für den Urlaubs-Alltag deutscher Touristen.

Italien – Waldbrände, ausgetrocknete Flüsse und Gletscherbrüche – In Norditalien grassiert eine der schwersten Dürren in der Geschichte des Landes. Längst ist vielerorts der Notstand ausgerufen worden. Die Bewohner norditalienischer Städte und Dörfer sind dazu angehalten, Wasser zu sparen. Wie RUHR24 berichtet, hat das auch Auswirkungen auf den Tourismus und damit auf die deutschen Touristen, die in Italien jährlich Urlaub machen.

LandItalien
HauptstadtRom
Bevölkerung59,55 Millionen (Stand: 2020)

Italien-Urlaub: Notstand in fünf norditalienischen Gebiete ausgerufen

Deutsche Urlauber, die sich angesichts eines möglicherweise bevorstehenden Corona-Herbsts auf ihren Italien-Urlaub freuen, sollten sich die aktuelle Situation in Norditalien bewusst machen. Nicht ohne Grund hatte Ministerpräsident Mario Draghi den Notstand in den folgenden fünf norditalienischen Gebieten bis zum Ende des Jahres ausgerufen:

Die Küstenregion Ligurien hat ebenfalls den Notstand beantragt, um Hilfsmittel zur Krisenbewältigung zu erhalten.

In mehreren Städten wie Verona, Venedig oder Mailand muss Wasser gespart werden, Behörden haben per Verordnungen den Trinkwasserverbrauch beschränkt. Wie das Handelsblatt exemplarisch berichtet, gilt die Beschränkung in Verona bis zum 31. August.

Italien-Urlaub: Wegen der Dürre muss vielerorts Trinkwasser gespart werden

Dort sei es zwischen sechs und 21 Uhr verboten, Autos zu waschen, Schwimmbäder oder Pools aufzufüllen oder Gärten sowie Sportplätze zu bewässern. Bis zu 500 Euro Strafe seien bei Zuwiderhandlungen fällig.

In Mailand und Venedig wurden öffentliche Brunnen teilweise abgeschaltet, berichtet merkur.de. In Castenaso, einer Gemeinde in der Emilia-Romagna, habe der Bürgermeister den Friseuren per Verordnung sogar untersagt, Kunden mehr als einmal die Haare zu waschen. Die Liste der teils drastischen Maßnahmen zur Wassereinsparung in Norditalien und partiell auch in der Toskana ließe sich noch weiter führen.

Italien-Urlaub: Deutsche Touristen müssen sich auf besondere Maßnahmen einstellen

Doch was bedeuten die besonderen Umstände nun für deutsche Touristen? Auch wenn Italien die Corona-Einreiseregeln abgeschafft hat, müssten Urlauber dennoch diverse Maßnahmen beachten, berichtet der merkur.de. Hinzu kommen die Besonderheiten, welche die Dürre mit sich bringt und die das Urlaubserlebnis beeinflussen.

Erstens begleitet ein leidiges Thema den Urlaub, das vielen Deutschen wohl recht bekannt ist. Das in Italien ohnehin beliebte Mineralwasser könnte in den Regalen diverser Supermärkte und Discounter ähnlich rar gesät sein, wie in Deutschland in der Vergangenheit bereits Reis, Mehl oder Öl.

Italien-Urlaub: Mineralwasser könnte mancherorts knapp sein – Italiener hamstern zusehends

Dass die umstrittenen Hamsterkäufe für einen Notfallvorrat keine urdeutsche Angewohnheit in Krisenzeiten sind, zeigt das Konsumverhalten zahlreicher Italiener. Die Nachfrage nach Mineralwasser und der Konsum sei seit Anfang Mai bereits um 30 Prozent gestiegen, berichtet die österreichische Tageszeitung Der Standard – und das, obwohl die Italiener ohnehin den größten Verbrauch an Mineralwasser in ganz Europa haben.

Auch Eis, Obst sowie Erfrischungsgetränke seien bei Norditalienern gerade sehr gefragt. Deutsche Urlauberinnen und Urlauber müssen sich also auf vereinzelt leere Regale in Supermärkten und Discountern einstellen.

Italien-Urlaub: Um Strom zu sparen, soll Klimaanlage in Mailand nicht zu kühl eingestellt werden

Laut der Berliner Morgenpost sei die Lage bei den großen Mineralwasserquellen in Italien entsprechend ernst. Das Unternehmen St. Pellegrino beschloss daher, „die für die Mineralwasserproduktion genutzte Wassermenge der Grundwasserleiter zu verringern, um das Ökosystem langfristig zu schützen“.

Zweitens sind Touristen angesichts der Ausnahmesituation dazu angehalten, ihre Gewohnheiten zu ändern. Wie die Berliner Morgenpost berichtet, sollte etwa die Klimaanlage in der Lombardei mit Mailand als Metropole nicht kühler als 26 Grad eingestellt werden. So solle Energie, gespart werden.

Italien-Urlaub: Trockenheit führt zu niedrigen Wasserständen

Wie auch im Falle des größten italienischen Flusses, dem Po, ist der Wasserstand zahlreicher Flüsse und Seen in Norditalien wegen der anhaltenden Dürre bereits stark gesunken. Der Wasserstand des Gardasees sei momentan etwa einen halben Meter niedriger als vor einem Jahr, erklärt Pierlucio Ceresa vom Verband der Gemeinden am Gardasee gegenüber der DPA

Deshalb sollten deutsche Urlauber drittens vorsichtiger sein. Das gilt einerseits beim Badespaß, bei dem Ceresa empfiehlt, vor dem Springen ins kühle Nass sollte unbedingt die Wassertiefe zu prüfen, um sich nicht zu verletzen.

Italien-Urlaub: Dürre „nicht unbedingt ein Hindernis für lukrativen Urlaub vor Ort“

Andererseits sollten Touristen angesichts der Rationierung von Wasser in den heißesten Sommermonaten Juli und August aufpassen, keine Hitzeschläge zu bekommen, erklärt Wolfgang Günther vom Institut für Tourismus Kiel dem Handelsblatt. In jedem kleinen Ort gebe es aber Trinkwasserstellen, erklärt er und ergänzt: „Dürren und Hitzeperioden werden häufiger, aber: Das ist nicht unbedingt ein Hindernis für lukrativen Urlaub vor Ort“.

Schließlich sei es die Aufgabe der Gastgeber, „den Urlaub so angenehm wie möglich zu gestalten“. Dies sei eben auch eine Chance. Dennoch sei die Rationierung von Wasser natürlich „nicht das, was man sich vorstellt, wenn man in den Urlaub fahren möchte“.

Ein ausgetrocknetes Flussbett in Parma in der Emilia Romagna.
Die Dürre in Parma in der Emilia Romagna hat für die Verhängung des Notstands durch die Regierung gesorgt. © Ervin Shulku/Imago

Italien-Urlaub: Ausnahmezustand könnte auch auf die Toskana ausgeweitet werden

Wer angesichts dieser Zustände jetzt schnell noch seinen Urlaub umbuchen und beispielsweise in die Toskana verlegen möchte, sollte gewarnt sein. Denn laut dem Handelsblatt könnte der Ausnahmezustand auch „auf die Regionen in Mittelitalien ausgeweitet werden.“

In Pisa darf Trinkwasser seit dem 11. Juli nur noch im Haushalt Verwendung finden. Und wie bereits vielerorts in Norditalien könnten bald auch schon in der Toskana gefüllte Pools und geöffnete Schwimmbäder zur absoluten Ausnahme werden.

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