Pandemie

Betrügerische Corona-Testzentren: Wie erkennt man seriöse Anbieter?

Die Betrugsfälle in Corona-Testzentren ziehen immer größere Kreise. In Hessen ist bislang noch kein Betreiber aufgefallen. Aber was weist auf ein seriöses Testcenter hin?

Frankfurt/Wiesbaden – Sie sind ein wichtiges Element im Kampf gegen das Coronavirus*. Mittlerweile gibt es sie in jeder Stadt, an unzähligen Ecken und in verschiedenen Varianten. Mal in großen Industriehallen, in provisorischen Zelten oder in kleinen Garagen neben Apotheken. Die Corona-Testzentren sind auch in Hessen* seit Monaten allgegenwärtig.

Doch mit den jüngsten Berichten über möglichen Betrug hat das Image der Testzentren einen mächtigen Kratzer abbekommen. Grund sind Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung. Betreiber von Testzentren sollen mehr Tests abgerechnet haben sollen, als tatsächlich gemacht wurden. Bisher wird zwar lediglich in Bayern und Nordrhein-Westfalen ermittelt, doch mit einem Schlag steht auch jedes Corona-Testzentrum in Hessen unter Generalverdacht – und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn unter heftigem Beschuss.

Derzeit kursieren Betrugsvorwürfe gegen Betreiber von Corona-Testcentern. (Symbolbild)

Betrug in Corona-Testzentren: Betreiber in Hessen müssen nur eine Zahl übermitteln

Möglich macht die Betrugsmasche die Verordnung zur Kostenrückerstattung des Bundesgesundheitsministeriums. Diese wurde am 8. März formuliert und noch am selben Tag von Spahn unterschrieben. Dort ist festgelegt, dass die zu übermittelnden Angaben „keinen Bezug zu der getesteten Person aufweisen“ dürfen. Zum Nachweis müssen Betreiber derzeit nicht mehr tun, als die Zahl der durchgeführten Tests an die Kassenärztliche Vereinigung zu übermitteln. Pro Test werden 18 Euro abgerechnet. Der Bund übernimmt die Kosten für einen Test pro Bürger und Woche. Ein Nachweis, dass Tests gekauft und verwendet wurden, ist für Betreiber nicht nötig.

Immerhin reagiert nun das Bundesgesundheitsministerium und will die Regeln für Betreiber von Corona-Testzentren verschärfen. Doch für Bürger und Bürgerinnen stellt sich beim Besuch eines der laut Landesministerium rund 1250 Testzentren in Hessen (Stand: 31.05.2021) nun zwangsläufig die Frage, ob man durch einen Besuch zum Teil einer Betrugsmasche wird, die skrupellose Geschäftemacher für sich entdeckt haben. Nur: Woran erkennt man, welche Testcenter den Zweck der Pandemiebekämpfung in den Vordergrund stellen und welche nicht? Und wer ist überhaupt für Kontrolle und Prüfung zuständig?

Betrug in Corona-Testzentren: KV und Ministerium schieben Verantwortung zurück

Das Bittere vorneweg: Keiner will verantwortlich sein. Das Hessische Sozialministerium schreibt in Bezug auf die Corona-Testzentren von einer „bundesweit leistungsfähigen Infrastruktur“, die ein „wirksamer Baustein bei der Bekämpfung der Pandemie“ sei. Die Verantwortung zur Kontrolle bei der Abrechnung wird im nächsten Satz der Antwort auf einen Fragenkatalog aber weitergeschoben. „Da die Gesundheitsämter für die Kontrollen der ordnungsgemäßen Durchführung von Tests und die KV Hessen sowie das Bundesamt für Soziale Sicherung für die Abrechnungsverfahren zuständig sind, muss hier an die KV und die Gebietskörperschaften verwiesen werden“, teilt ein Sprecher mit.

Die KV Hessen sieht sich den schwarzen Peter zugeschoben. Man habe keine Kontrollfunktion bei Anträgen zur Kostenrückerstattung, sagte ein Sprecher auf Nachfrage. „Lediglich bei fehlender Plausibilität stellen wir Nachforschungen an“, hieß es. Die eingereichten Anträge würden bearbeitet und ans Bundesamt für Soziale Sicherung weitergeleitet. Dort würden die Anträge geprüft, bevor das Geld zur Rückerstattung freigegeben werde, sagte der KV-Sprecher. Für die Kontrolle eines ordnungsgemäßen Ablaufs sei aber das Landesministerium zuständig.

Corona-Testcenter geraten immer stärker in den Fokus von Ermittlungen wegen Betrugs. (Symbolbild)

Betrug in Corona-Testzentren: Checkliste für seriöses Testzentrum in Hessen

Aus Hessen sind noch keine Betrugsfälle bei Abrechnungen in Corona-Testzentren bekannt. Die Stadt Frankfurt* ließ eine Anfrage zur Situation in der Metropole bislang unbeantwortet. Wenn gegen Betreiber von Testcentern ermittelt wurde, dann aus anderen Gründen. In Kassel wurde wegen formalen Anforderungen ein Testzentrum auf behördliche Anweisung geschlossen*. In einem Testzentrum in Gießen sind zudem Fälle von offenbar gefälschten PCR-Tests bekannt geworden.

Für Verbraucher ist es schwer, hinter die Kulissen eines Testzentrums zu blicken. Was bleibt, ist auf den guten Willen des Betreibers zu vertrauen – und darauf, dass die Unterlagen von Betreibern bis Ende 2023 für eventuelle Nachforschungen aufbewahrt werden müssen. Dennoch gibt es einige Anhaltspunkte zur eigenen Überprüfung.

Checkliste – Diese Punkte sprechen für ein seriöses Testzentrum:

  • Geregelte Terminvergabe
  • Vernünftig umgesetztes Hygienekonzept
  • Professionelles Testkit (Nasen-Rachen-Abstrich*)
  • DSGVO-konforme Software bei der Datenübermittlung
  • Zusammenarbeit mit Nachverfolgungs-Apps (Corona-Warn-App oder Luca)

Einige Anbieter nutzen Corona-Testzentrum als zweites Standbein

Dass ein Testzentrum aus wirtschaftlichen Gründen betrieben wird, ist dabei per se kein schlechtes Zeichen. „Viele Unternehmer, deren Betrieb durch die Corona-Pandemie lahmgelegt wurde, haben sich so ein zweites Standbein geschaffen, um ihre Ausfälle zu kompensieren“, sagte ein KV-Sprecher. Hessens Gesundheitsminister Kai Klose vermeldete gegenüber der Hessenschau zudem, dass in Hessen keine Betrugsfälle bekannt seien. Es gebe aber unter privaten Anbietern immer „schwarze Schafe“. (Erik Scharf) *fnp.de und hna.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Peter Kneffel/dpa

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