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Dürfen Fitnessstudios ihre Preise wegen der Energiekrise erhöhen?

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Von: Fabian Pieper

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Trainingsgeräte stehen im Fitness Studio GYMHOUSE
Wenn Fitnessstudios ihre Preise erhöhen, ist das nicht immer rechtens. © Bodo Schackow/dpa

Viele Fitnessstudios wollen die auch bei ihnen gestiegenen Kosten an ihre Mitglieder weiterreichen. Aber dürfen die Betreiber das überhaupt?

Berlin – Der Ukraine-Krieg wirkt sich nach wie vor auf sämtliche Lebensbereiche aus: Energiekrise und Inflation sind hierzulande unter den Folgen des Krieges. Von Lebensmitteln über Dienstleistungen bis hin zu Materialien sind nahezu überall die Preise seit Kriegsbeginn stark angestiegen. Viele Hersteller und Dienstleister geben damit die für sie selber gestiegenen Kosten an die Verbraucher weiter. Das droht nun auch für Fitnessstudio-Mitglieder.

Kosten für die Betreiber von Fitnessstudios steigen bundesweit – Mitglieder zahlen selben Betrag

Denn auch in den rund 9.500 Fitnessstudios in Deutschland sind die Kosten für die Betreiber gestiegen, während die Mitglieder in regelmäßigen Abständen unveränderte Beträge von den Studios abbuchen lassen. Viele Fitnessstudios wollen oder müssen deshalb auf absehbare Zeit die Preise für eine Mitgliedschaft anheben, manche haben sie sogar bereits angepasst. Doch diese Anpassungen sind nicht immer rechtens.

Trotz Energiekrise: Preisanpassungen im Fitnessstudio nicht immer rechtens

Das erklärt Alina Menold, Rechtsexpertin der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Wie sie gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sagte, komme es auf den genauen Wortlaut der vertraglichen Ausgestaltung der Mitgliedschaft an. „Preissteigerungen, die in den AGB gar nicht vorgesehen sind, sind unwirksam“, wird Menold zitiert.

Wenn im Vertrag keine Regelungen über einseitige Preisanpassungen festgehalten sind, seien diese damit unwirksam. Sollte eine solche Regelung hingegen im Vertrag stehen, müssen die einzelnen Kostenpunkte und deren Gewichtung in der Kalkulation der Beiträge offengelegt sein, so die Expertin.

Die Fitnessstudio-Ketten mit den meisten Mitgliedern in Deutschland (2021)

In jedem Fall sei eine Erhöhung der Beiträge im Vorfeld schriftlich mitzuteilen. Sollte das nicht passieren und der Beitrag unangekündigt erhöht oder eine zusätzliche Pauschale abgebucht werden, sollte dem schriftlich widersprochen sowie die zu viel abgebuchten Beträge zurückgefordert werden, sagt Menold.

Sonderkündigungsrecht für Fitnessstudio-Verbraucher im Falle einer Beitragserhöhung

Anders sieht es aus, wenn der Verbraucher eine entsprechende schriftliche Mitteilung erhalten hat. Dann ist die Beitragserhöhung rechtens. Allerdings greift dann für das Mitglied ein mindestens 14-tägiges Sonderkündigungsrecht, auf das ihn der Betreiber hinweisen muss.

„Haben sie das nicht getan, müssen Kundinnen und Kunden die Erhöhung nicht zahlen“, wird Menold zitiert. Sie weist abschließend noch darauf hin, im Falle einer Kündigung die Einzugsermächtigung zu widerrufen oder den Dauerauftrag zu kündigen.

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Sollte ein Studio während der Corona-Zeit wegen der Pandemie geschlossen gehabt haben, stehen den Mitgliedern übrigens auch ihre Beiträge zu, die sie zurückfordern können. Auch bei längerer Krankheit kann man kündigen. Und im Zweifel reichen auch ein paar Übungen für zu Hause, sodass man sich das Fitnessstudio sparen kann.

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