Pandemie

Sputnik V: Ein Corona-Impfstoff mit offenen Fragen

Mit Sputnik V wollte Russland den Wettlauf um den weltweit ersten Corona-Impfstoff gewinnen. Doch ein Jahr später sind noch immer viele Fragen ungeklärt.

Moskau - Mit dem Corona*-Impfstoff Sputnik V gelang Russland ein zweifelhafter Durchbruch. Vor einem Jahr, am 11. August 2020, verkündete Russlands Staatschef Wladimir Putin: Zum ersten Mal auf der Welt sei ein Impfstoff gegen das Coronavirus zugelassen worden.

Wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit des in Rekordzeit entwickelten Mittels aber legten die Forschenden nicht vor. Noch immer gibt es offene Fragen. Geblieben ist ein weit verbreitetes Misstrauen, das Moskau bis heute nicht aus der Welt geräumt hat.

Sputnik V: Russland wollte Wettrennen um Corona-Impfstoff gewinnen

Der russische Corona-Impfstoff, der nach dem ersten Weltraumsatelliten Sputnik 1 benannt wurde, ist laut Herstellerangaben weltweit in 69 Staaten zugelassen. Staaten der Ex-Sowjetrepublik sowie viele Länder in Südamerika, die Türkei, der Iran und Indien verimpfen Sputnik V. In Europa ist das Vakzin allerdings aufgrund fehlender valider Daten nicht zugelassen.

ImpfstoffSputnik V
Erforderliche Impfdosen2
Impfstoff-TypVektor-Impfstoff

Parallel zur Freigabe des Impfstoffs im vergangenen Jahr begann in Russland die wichtige dritte Testphase mit mehreren zehntausend Freiwilligen. Erst mit ihr kann nach Meinung von Fachleuten herausgefunden werden, ob ein Mittel wirklich zuverlässig wirkt und sicher ist. Das schnelle Vorgehen Moskaus stieß deshalb bei Forschenden international auf Kritik. Aber Russland wollte das Wettrennen um einen Corona-Impfstoff gewinnen.

Corona: Verzögerung der Sputnik V-Zulassung aus politischen Gründen?

Fuß fassen möchte Russland auch auf dem lukrativen Markt in der EU. Ob es damit etwas wird, ist derzeit ungewiss. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) prüft den Corona-Impfstoff bereits seit Anfang März 2021. Ihr Urteil entscheidet, ob die EU-Kommission dann im nächsten Schritt die offizielle Genehmigung für das Inverkehrbringen erteilt.

„Bislang ist es dem Hersteller nicht gelungen, genügend valide Daten zu liefern, um die Sicherheit nachzuweisen“, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vor wenigen Tagen dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Das werfe Fragen auf.

Russland wollte den Wettlauf um den weltweit ersten Corona-Impfstoff gewinnen. Doch auch ein Jahr später sind immer noch viele Fragen um Sputnik V ungeklärt.

Es kursiert allerdings auch der Verdacht, dass die Zulassung in der EU aus politischen Gründen und nicht nur wegen fehlender Daten verzögert wird. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte bereits Ende Mai 2021 via Bild am Sonntag gefordert, das Verfahren um Sputnik V müsse beschleunigt werden. „Es darf nicht aus rein ideologischen Gründen getrödelt werden“, sagte der CSU-Politiker.

Bayern ist neben Mecklenburg-Vorpommern auch eines der Bundesländer, die sich Kaufoptionen für den russischen Impfstoff gesichert haben. Zuletzt war auch der Aufbau einer Produktionsstätte durch die Firma R-Pharm Germany in Illertissen im Landkreis Neu-Ulm geplant. Russland warnt immer wieder davor, die Frage einer Zulassung nicht zu politisieren. Moskau selbst lässt aber keine ausländischen Vakzine im eigenen Land zu. Man habe genug eigene Impfmittel, heißt es im Kreml.

Corona-Impfstoff Sputnik V: Impfkampagne im Russland verlief nicht reibungslos

Bezüglich Auslandsgeschäften mit Sputnik V zeigt Moskau wenig Transparenz. Im Frühjahr errechneten unabhängige russische Medien, dass nur ein Bruchteil der zugesagten Dosen tatsächlich ausgeliefert worden sei. Zuletzt räumte der Staatsfonds immerhin Lieferengpässe ein. Diese Probleme sollten aber in diesem Monat behoben werden, versprach der Fonds. Ab September 2021 soll etwa auch der weltgrößte Impfstoffhersteller, das Serum Institute in Indien, über 300 Millionen Dosen pro Jahr liefern. Verträge über die Produktion seines Vakzins habe Moskau in 14 Ländern.

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Doch auch die Impfkampagne im Russland verlief nicht reibungslos. Es gab Berichte, dass Menschen in einigen Regionen mitunter wochenlang warten mussten. Dagegen konnte sich die Moskauer Bevölkerung mit Beginn der Massenimpfung im Dezember 2020 sogar in Shoppingzentren gegen das Coronavirus impfen lassen. Der Ansturm blieb allerdings aus. Nur halbherzig warb die Politik für eine Immunisierung. Sogar Putin zögerte eine Impfung monatelang hinaus, um sich erst im März 2021 ohne Kameras einen Impfstoff verabreichen zu lassen. Erst kürzlich verriet er, dass er Sputnik V bekam.

Doch damit nicht genug schlechte Schlagzeilen für das russische Vakzin: In Proben des Corona-Impfstoffes Sputnik V wurden kürzlich vermehrungsfähige Viren* gefunden. Sie können für gewisse Personen gefährlich sein. Der Sputnik V-Impfstoff kann wie alle anderen Impfungen auch Nebenwirkungen auslösen. Der Hersteller legt die Daten jedoch nicht offen. (Helena Gries mit dpa) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Patricio Murphy/dpa

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