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Foodwatch alarmiert: So leiden Tiere auch bei Bio-Haltung

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Von: Carolin Gehrmann

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Die Verbraucherorganisation Foodwatch kritisiert, dass Biohaltung nicht unbedingt zu besseren Bedingungen für die Tiere führt. Fast 40 Prozent der Schweine sind Studien zufolge krank – fast ebenso viele sind es auf Bio-Höfen.

Bremen – Wer ökologisch produzierte Lebensmittel kauft, geht meist davon aus, etwas „Gutes“ zu tun, vor allem auch im Hinblick auf das Tierwohl. Viele denken da an die berühmten „glücklichen Kühe“. Doch laut der Verbraucherorganisation „Foodwatch“ trifft das nicht zu. Denn nach ihren Untersuchungen kommt es bei Tieren aus Bio-Haltung genauso oft zu Krankheiten und Verletzungen. Die Tiergesundheit hänge nicht nur davon ab, wie sie gehalten werden oder wie viel Platz sie in den Ställen haben, sondern auch vom Stallmanagement.

„Eine lahme Kuh hat auch von einer Weide nichts“ – Foodwatch kritisiert Bedingungen in Bio-Ställen

„Die Tiergesundheit ist das wichtigste Kriterium, nicht die Haltungsbedingungen. Eine lahme Kuh hat auch von einer Weide nichts“, erklärt auch Prof. Dr. Albert Sundrum, ehemaliger Fachgebietsleiter Tierernährung und Tiergesundheit an der Universität Kassel, gegenüber Foodwatch. Aus den ausgewerteten Studien ergab sich, dass knapp 40 Prozent aller Schweine in konventioneller Haltung Krankheiten wie Lungenentzündung, offene Wunden oder Abszesse aufwiesen.

Ein Schwein steht im Stall auf Stroh
Ob es einem Tier gut geht, hängt in erster Linie von seinem gesundheitlichen Zustand ab, sagt Foodwatch. Der ist auch bei Bio-Haltung nicht unbedingt gut. © Fotostand/IMAGO

Doch auch der Zustand der Tiere in ökologischer Freiland-Haltung ist mit 35 Prozent nur geringfügig besser. Kühe auf Bio-Höfen hätten sogar häufiger Entzündungen am Euter. Die Bedingungen für Legehennen sind laut Foodwatch besonders schlimm – auch in Bio-Betrieben. Bis zu 97 Prozent der Hennen hatten demnach Knochenbrüche. „Viele landwirtschaftliche Betriebe haben das Gesundheitsmanagement gut im Griff, während andere immer wieder Probleme mit kranken und verletzten Tieren haben“, sagt Sundrum. Vorgaben für die Haltungsform gingen daher auch am grundlegenden Problem vorbei.

Tiergesundheit ist das entscheidende Kriterium zur Beurteilung des Tierwohls, nicht die Stallgröße

Das von der Bundesregierung geplante Tierwohllabel, das die Haltungsbedingungen für Verbraucher ersichtlicher machen soll, würde am eigentlichen Problem wenig ändern, kritisiert Foodwatch. Denn der Gesundheitszustand der Tiere gehe daraus nicht hervor – und der sei aber das entscheidende Kriterium zur Bewertung des Tierwohls.

Ob Hühner, Schweine oder Kühe gesund sind, hänge laut der Organisation nicht davon ab, ob der Stall ein paar Zentimeter größer ist oder Stroh auf dem Boden liegt. Stattdessen sollten die Gesundheitsdaten der Tiere für jeden einzelnen Betrieb erfasst werden. Nur so könnte mehr Tierwohl gewährleistet werden. Bei wiederholt schlechten Ergebnissen schlägt Foodwatch Sanktionen für die Betriebe vor. Das könnte zum Beispiel das Kürzen von Subventionen sein. Vorzeigebetriebe sollten hingegen belohnt werden.

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