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Antikörpertherapie gegen Alzheimer: Was bisher zum Medikament Leqembi bekannt ist

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Von: Yannick Hanke

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Im kleinen Bild sind Fläschchen und Verpackungen für das Medikament Leqembi gegen Alzheimer zu sehen. Im großen Bild: Eine alte und demenzkranke Frau sitzt in einem Pflegeheim.
Wundermittel Leqembi? Im Kampf gegen Alzheimer könnte das Medikament einen großen Schritt bedeuten. Doch gibt es auch mindestens einen Haken. © Esai/Patrick Pleul/dpa/Montage

Eine Antikörpertherapie gegen Alzheimer hat in den USA eine beschleunigte Zulassung erhalten. Ein Mittel, das sich als Durchbruch erweisen könnte – mit einem Haken.

Berlin – Alzheimer. Das ist die Krankheit des Vergessens. Sie ist die häufigste Form der Demenz und eine unheilbare Störung des Gehirns. Abgestorbene Nervenzellen und Eiweißablagerungen im Gehirn, sogenannte Plaques, gelten als Übel des Ursprungs. Betroffenen und Angehörigen könnte nun ein neues Medikament aus den USA Hoffnung schenken.

Die Rede ist von Leqembi, gesprochen le-kem-bee. Die darin enthaltenen Antikörper sollen an das Eiweiß Amyloid-beta (Abeta) binden. Aus diesem bestehen die Plaques. Die Zulassung des Medikaments gegen Alzheimer hat sogar eine beschleunigte Zulassung erhalten. Doch gibt es einen Haken.

Antikörpertherapie gegen Alzheimer: Medikament Leqembi eignet sich nur für bestimmte Patienten

Denn Leqembi, das Medikament gegen die von Corona sogar noch begünstigte Krankheit Alzheimer, stellt einen Durchbruch mit Einschränkung dar. Es eignet sich nur für bestimmte Patienten, kann erhebliche Nebenwirkungen verursachen und eine vergleichbare Therapie war nach der ersten Zulassung bereits kolossal gescheitert.

Dabei gäbe es eine Vielzahl an Menschen allein in Deutschland, die auf Leqembi angewiesen wären. Zur Einordnung: Laut der Deutschen Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) leben in der Bundesrepublik etwa 1,8 Millionen Menschen mit Demenz. Die meisten von ihnen würden unter Alzheimer leiden. In ihrem Gehirn zeigen sich die besagten Plaques bereits Jahre zuvor, ehe erste Symptome auftreten.

„Das ist ein Meilenstein“: Studie aus den USA untersucht Wirksamkeit von Alzheimer-Medikament Leqembi

Den Anlass für die Zulassung von Leqembi gibt eine groß angelegte Studie mit fast 1.800 Probanden. Bei ihnen wurden Plaques aus Amyloid-beta nachgewiesen, sie zeigten die ersten Anzeichen von Demenz. Die eine Hälfte der Studienteilnehmer bekam ein Placebo verabreicht, das keine Antikörper enthielt. Die andere Hälfte erhielt das Alzheimer-Medikament Leqembi. Der Clou: Wem was gespritzt wurde, wussten weder die Probanden noch die Ärzte.

Das Ergebnis: Wer Leqembi erhalten hatte, bei dem ließen sich weniger Plaques im Gehirn nachweisen. Und in den anderthalb Jahren der Beobachtung ließ auch die Gedächtnisleistung etwas langsamer nach als bei denen, die nur ein Placebo erhalten hatten. Dementsprechend wurde geschlussfolgert, dass Leqembi offenbar Alzheimer ausbremsen kann. „Das ist ein Meilenstein“, heißt es dann auch von Frank Jessen, dem Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Uniklinik Köln, gegenüber dem Spiegel.

US-Arzneimittelbehörde FDA gibt Alzheimer-Medikament Leqembi grünes Licht für schnellere Zulassung

„Es ist das erste Mal gelungen, zu zeigen, dass sich Amyloid reduzieren lässt und – was noch wichtiger ist –, dass wir einen klinischen Verzögerungseffekt sehen“, ordnet Jessen das Ergebnis der Studie ein. Der US-Arzneimittelbehörde Food and Drug Administration (FDA) reichte für die beschleunigte Zulassung von Leqembi, dass das Medikament die Plaques reduzieren kann. Diese beschleunigte Zulassung ist nur für Ausnahmefälle vorgesehen. Und zwar, wenn es ein dringendes Bedürfnis für die Therapie gibt, das nicht anderweitig erfüllt werden kann.

Was ist der Unterschied zwischen Alzheimer und Demenz?

Alzheimer und Demenz unterscheiden sich in ihrer Ursache, nicht aber in ihrer Auswirkung. Während die Alzheimer-Krankheit (lat. Morbus Alzheimer) durch den Verlust von Nervenzellen und Gehirngewebe aufgrund von Tau-Fibrillen und Beta-Amyloid-Plaques entsteht, wird bei der Demenz-Krankheit (von lat. „Dementia“; Torheit oder Wahnsinn) das Gehirn durch Durchblutungsstörungen geschädigt.

Sowohl die Auswirkungen als auch die Symptome sind bei Alzheimer und Demenz allerdings die gleichen. Doch kommen Lähmungen und Taubheitsgefühle bei der sogenannten vaskulären Demenz (nach Alzheimer die zweithäufigste Demenz-Form) häufig zusätzlich vor. Bei der Alzheimer-Demenz fehlen sie für gewöhnlich.

„Diese Behandlungsoption ist die neueste Therapie, die auf die zugrunde liegenden Prozesse hinter der Krankheit Alzheimer abzielt und diese beeinflusst, statt nur die Symptome der Krankheit zu behandeln“, begründet die FDA die beschleunigte Zulassung von Leqembi. Eine vollständige Zulassung würde aber erst erfolgen, wenn weitere Studienergebnisse vorliegen, die Sicherheit und Wirksamkeit belegen. Und, wenn klar ist, dass Leqembi einen entscheidenden Vorteil bringt. Laut der Studie konnte das Medikament den kognitiven Leistungsabfall um 27 Prozent reduzieren. Heilen kann es Alzheimer aber nicht.

Welche Nachteile das Alzheimer-Medikament Leqembi mit sich bringt

Experten streiten sich über Wirksamkeit von Alzheimer-Medikament Leqembi

„Aus der Sicht eines Wissenschaftlers ist es aufregend, dass eine experimentelle Behandlung, die auf Amyloid im Gehirn abzielt, den kognitiven Rückgang zu verlangsamen scheint“, fasst der US-Neurologe Madhav Thambisetty die Situation für die New York Times zusammen. Das würde für die Plaque-Theorie sprechen. Und damit auch dafür, dass sich die Klumpen aus Eiweiß bekämpfen lassen. Die Einschränkung folgt jedoch sogleich:

Aber aus Sicht eines Arztes, der Alzheimerpatienten betreut, liegt der Unterschied zwischen Lecanemab und Placebo weit unter dem, was als klinisch bedeutsamer Behandlungseffekt angesehen wird.

US-Neurologe Madhav Thambisetty gegenüber der New York Times

Lecanemab meint dabei den Antikörper, den Leqembi enthält. Optimistischer zeigt sich indes Jessen, der auch die Arbeitsgruppe Klinische Alzheimerforschung am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) leitet. „Ich bin zuversichtlich und halte den Effekt auch für klinisch bedeutsam“. Wann und ob das Medikament auch in Europa verfügbar sein wird, bleibt aber offen.

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