"Wir hoffen, von einem E.T. Geheimnisse zu erfahren"

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Harald Lesch

München - Harald Lesch ist Astrophysiker, Naturphilosoph und Fernsehmoderator. Seine Sendung "Abenteuer Forschung" läuft ab Mittwoch auf einem neuen Sendeplatz. Das Interview.

Harald Lesch ist Astrophysiker, Naturphilosoph und Fernsehmoderator. Lesch erklärt auf äußerst unterhaltsame und verständliche Weise den Kosmos, das Kuschelhormon und wie Musik auf die Schwangerschaft von Meerschweinchen wirkt. Am Dienstag startet seine Sendung Abenteuer Forschung auf einem neuen Sendeplatz.

Herr Lesch, wie wird man Astrophysiker? Ein Kindheitstraum wie Lokomotivführer?

Lesch: Ich bin Jahrgang 1960. Ich war, als die Amerikaner auf dem Mond landeten, neun Jahre alt. Mitten in die Berufsfindungsphase ist Neil Armstrong getreten. Eigentlich wollte ich Astronaut werden, aber als Brillenträger und Nichtamerikaner ist daraus nichts geworden. Also bin ich Astrophysiker geworden.

Carl Sagan, der große amerikanische Astronom, sagte einmal, dass Astronomie Demut lehrt. Stimmen Sie zu?

Lesch:Wenn wir abends in den Nachthimmel schauen, hat man das Gefühl: „Was bin ich eigentlich für ein kleines Stäubchen in diesem riesigen Universum“. Die alltäglich Beschäftigung mit dem Universum verändert dieses Gefühl nicht. Mein Blick in den Himmel ist davon geprägt, dass wir froh sein können, auf so einem grandiosen, paradiesischen Planeten zu leben. Zur Demut gehört dann auch die Verantwortung, für diesen Planeten. Astronomie ist Ahnenforschung auf höchstem Niveau. "Wo kommen wir her?" ist eine ganz wichtige Frage, die wir alle stellen. Ein wichtiger Satz meiner Großmutter „Vergiss nie wo du herkommst“, der immer noch Bestand hat. Das Gefühl das wir ein kleiner Teil des großen Ganzen sind, ist nirgends so stark wie in der Astronomie.

Hat Naturwissenschaft Züge einer Ersatzreligion angenommen?

Lesch:Jede naturwissenschaftliche Forschung ist hoffnungsfrei, gottfrei und sinnfrei. Nicht gott-, hoffnungs- oder sinnlos. In unseren Berechnungen gibt es keine Gottestherme oder Sinnestherme. Plus Sinn und Sinn zum Quadrat können wir nicht. Man sollte sich hüten, vor der Naturwissenschaft eine Ideologie zu machen. Religionen sind dogmatisch, damit haben wir nichts zu tun.

Bushido outete sich einmal als Fan ihrer Sendung Alpha-Centauri, ist Astronomie/Astrophysik in der Gesellschaft angekommen?

Lesch:Unbedingt! Sie glauben gar nicht wie viele Menschen sich für Astronomie interessieren. Sie ist interessant und schön, aber es ist eben auch nicht relevant. Es ist keine Forschung, die einem sagt, dass man gefälligst weniger Energie verschwenden soll. Dann wäre da natürlich das Geheimnis, ob es außerirdisches Leben gibt. Wir hoffen, von einem E.T. alle Geheimnisse zu erfahren.

UFOs? Von wegen! Himmelsphänomene und ihre Ursachen

Wenn in Werner Walters Ufo-Zentrale in Mannheim das Telefon klingelt, kann er manche Himmelsphänomene ganz einfach erklären. Wir zeigen Ihnen eine Auswahl. © dpa
HALE-BOPP: Er schrieb Geschichte: Hale-Bopp war für mehrere Jahrzehnte einer der hellsten und meist beobachtesten Kometen. Erstmals wurde er am 23. Juli 1995 unabhängig voneinander von Alan Hale und Thomas Bopp in den USA entdeckt. Kometen sind Schweifsterne, die die Sonne auf Bahnen umlaufen und zum Großteil aus kleinen, locker verbundenen Staub- und Mineralienteilchen sowie Eis bestehen. © dpa
Sie können einen Durchmesser bis zu 100 Kilometern haben. Wenn der Komet ins Sonnensystem dringt, entreißt ihm der Sonnenwind Gaspartikel, und der Schweif ensteht. © dpa
POLARLICHTER: Polarlichter sind rote, grüne oder blaue schweifhafte, größflächige Lichterscheinungen, die im Bereich der Pole fast täglich vorkommen. Sie entstehen, wenn Elektronen oder andere geladene Teilchen auf die Erdatmosphäre treffen und schließlich als ein Strom in Spiralen entlang auf die Erde treffen. © dpa
Mark Vornhusen von Meteomedia: „Für gewöhnlich werden sie durch das Magnetfeld zu den Polen gelenkt. Wenn aber etwa alle 11 Jahre die Sonne ihre stärkste Aktivität hat, gerät das Magnetfeld durcheinander, und die Polarlichter können auch bei uns erscheinen – das ist übrigens in ein, zwei Jahren wieder der Fall.“ © dpa
GLÜHENDE HIMMELSSPINNE: Von der spektakulärsten UFO-Sichtung hat im November 2009 eine Lufthansa-Crew auf der Strecke zwischen Norwegen und Grönland berichtet. Ufologe Walter klärte damals auf, dass in ihrer Sichtweite der russische Spionagesatellit Kosmos 2455 gestartet war. © dpa
Eispartikel im Raketenschweif und die nur sehr niedrige Umlaufbahn von 195 Kilometern sorgten unter spezieller Beleuchtung für diese glühende Himmelsspinne. © dpa
VENUS: Ein leuchtendes rundes Objekt, das für einen Stern viel zu hell leuchtet! Wenn Augenzeugen dieses Phänomen beobachten, sei es oft die Venus, erklärt Wetterexperte Marc Vornhusen: „Ist sie nahe an der Sonne, sieht man sie nicht. In den Abend- oder ganz frühen Morgenstunden aber kann man sie hell leuchtend tief am West- beziehungsweise Ost-Horizont sehen.“ © dpa
Dieses Foto zeigt einen über Singapur © dpa
DIE ISS: Die Internationale Raumstation kreist in 350 Kilometern Höhe alle 90 Minuten um die Erde. © dpa
Wenn die ISS unsere Breiten überfliegt, erscheint laut Ufologe Werner Walter ein gelbliches Licht „etwas größer als ein Scheinwerfer“, das minutenlang von Westen nach Osten zieht. © dpa
DIE HALOS: Ein Halo (vom griechischen „Halo“ für „Mond“ oder „Sonne“) ist ein Lichteffekt, der durch Reflexion und Brechung von Licht an Eiskristallen in Cirrus-Wolken, an fallenden Schneekristallen oder im Eisnebel entsteht. © dpa
Der Effekt kann laut Vornhusen bis zu 30 unterschiedliche Formen haben. © dpa
„Je nach Form der Kristalle, nach dem Winkel, in dem das Licht auf die Kristalle trifft und nach der Windstärke entstehen am Himmels weißliche oder farbige Kreise, Bögen, Säulen oder Flecken.“ © dpa

Was erwartet den Zuschauer am Dienstag in ihrer neuen Show?

Lesch:Am Dienstag sind wir beim Tier. Das Tier ist auch nur ein Mensch und andersherum. Der Mensch ist ein besonderes Tier. Was hat man zur Ähnlichkeit herausgefunden? Wie sich Hormonspiegel synchronisieren. Zum Beispiel das Kuschelhormon Oxytocin, das sich zwischen Mensch und Hund synchronisiert. Ein irres Thema. Bei der Recherche ist man überrascht, was man heute alles weiß und auch messen kann. Ein anderes Beispiel ist die Kuh. Wie wichtig es wäre, sie nicht als Ding zu betrachten. Wenn man sie also kuhmaner behandeln würde, hätte man eine bessere Milch, besseres Fleisch, und der Kuh ginge es besser.

Ist der neue Sendeplatz eine Aufwertung?

Lesch:Ich weiß es nicht. Ich kenne die Gründe nicht. Wir seien nun nah an einem wissenschaftsaffinen Sendeplatz. Aber auch der wissenschaftsaffinste Zuschauer muss mal ins Bett. Vielleicht steckt ja eine Strategie des ZDF dahinter und wir arbeiten uns langsam nach oben. Wenn wir also nur ein paar Jahre warten, ist Abenteuer Forschung auf dem Sendeplatz des Frühstücksfernsehens, dann hätten wir statt eingeschlafenen bald aufgeweckte Zuschauer.

Martin Müller

"Abenteuer Forschung", Dienstag, 23 Uhr, ZDF

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