TV-Kritik

„Obwohl ich dich liebe“: Eine Serie, bei der einem der Atem wegbleibt

Engagierte junge Ärztin, glücklich verheiratet. Doch wer ist Rebecca (Clotilde Hesme) wirklich?
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Engagierte junge Ärztin, glücklich verheiratet. Doch wer ist Rebecca (Clotilde Hesme) wirklich?

Diese atemberaubende französische Mini-Mini-Serie fächert an einem einzigen Abend eine komplexe Krimi-Intrige auf, die sich über Jahrzehnte erstreckt.

  • TV-Kritik zur Mini-Serie „Obwohl ich dich liebe“
  • Beeindruckende Erzählstrategie von Ingrid Desjours
  • Schauspielerin Clotilde Hesme glänzt als Rebecca

Wenn eine Mini-Serie dreimal 50 Minuten dauert und alle Folgen an einem Abend hintereinander ausgestrahlt werden – ist es dann in der heutigen Zeit von Drei-Stunden-Kinofilmen überhaupt noch eine Miniserie? Nun, „Obwohl ich dich liebe“, im französischen Original einfach „Amour Fou“, verdient sich diese Einteilung durch eine faszinierende Struktur. Das Leben der bürgerlichen Ärztin Rebecca wird nämlich in jeder Folge in einer anderen Zeit vorgestellt – und damit wird radikal neues Wissen ins Spiel gebracht.

„Obwohl ich dich liebe“ (Arte) beginnt zunächst fernsehkrimi-üblich

Die erste Folge beginnt (nach einer eigentlich unnötigen Albtraumsequenz) wie ein gemächlicher und eher routinierter Kriminalfall: Rebecca und ihr braver Ehemann Romain wollen schwanger werden und unterstützen nebenbei Romains leichtlebigen Ex-Junkie-Bruder Mickael finanziell und emotional. Doch eines Abends kommt es zur Katastrophe: Mickael streitet sich mit seiner neuen Freundin Émilie, die daraufhin spurlos verschwindet. Rebecca und Romain verdächtigen, ebenso wie die Polizei, den cholerischen Mickael. Als der sich gegen die Vorwürfe wehrt und das Ehepaar Blut bei ihm findet, kommt es zu einem Kampf zwischen den Brüdern, bei dem Mickael stirbt.

„Obwohl ich dich liebe“ (Arte): Handlung wird schlagartig auf den Kopf gestellt

So weit, so fernsehkrimi-üblich. Doch das ist nur die erste halbe Stunde. Noch am Ende der ersten Folge will Romain Selbstmord begehen aus Schuldgefühl gegenüber dem toten Bruder und kommt in eine Nervenheilanstalt, während Rebecca verkündet, dass sie endlich schwanger ist – und dann eine Reise in ein Bergdorf antritt, die die ganze Handlung so schlagartig auf den Kopf stellt, dass einem tatsächlich für ein paar Sekunden der Atem wegbleibt. 

Rebeccas (Clotilde Hesme, vorne) Geheimnis bedroht das Familienglück mit Ehemann Romain (Jérémie Renier, hinten li.) und der inzwischen vierjährigen Tochter Emma (Zéli Marbot, hinten re.).

Der zweite Teil spielt größtenteils in der Kindheit der Protagonisten, und der dritte volle vier Jahre später, als ein wieder genesener Romain mit seiner jungen Tochter zum Arzt geht. Überall werden langsam einige der Fragen beantwortet, die der Paukenschlag der ersten Folge aufgeworfen haben, bis sich ganz langsam die eigentliche Geschichte aus den Fragmenten dieser Familie heraus schält.

„Obwohl ich dich liebe“ (Arte): Clotilde Hesme liefert veritable Tour de Force ab

„Obwohl ich dich liebe“, Donnerstag, 20. Februar, 21.10 Uhr, Arte

Das ist eine beeindruckende Erzählstrategie von Ingrid Desjours, die hier zusammen mit Regisseur Mathias Gokalp und Serien-Routinier Florent Meyer ihren Roman „Tout pour plaire“ adaptiert. Gokalp, der vor allem mit seinen Kurzfilmen und seinem Regiedebüt, der bitterbösen Business-Satire „Rien de personnel“, für Furore sorgte, hält die Atmosphäre angenehm geheimnisvoll, vor allem unterstützt von Flemming Nordkrogs stockfinsterer Musik.

Aber all das wäre nur halb so faszinierend anzusehen, wenn da nicht Clotilde Hesme wäre. Die 40-jährige Schauspielerin, die seit ihrem César-Gewinn 2012 ein ewiger Geheimtipp des französischen Kinos ist, liefert als Rebecca eine veritable Tour de Force ab. An ihr können sich alle Mitdarsteller hochziehen, und erst sie gibt dieser radikalen Geschichte, die leicht in Hysterie und Übertreibung absaufen könnte, genug Komplexität und Subtilität, um sie bis zu ihrem ambivalenten Ende zu tragen.

Von D.J. Frederiksson

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