„Gefährlicher Inhalt“ in „13 Reasons Why“?

Darum wird vor Netflix-Serie „Tote Mädchen lügen nicht“ gewarnt

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Katherine Langford spielt Hannah Baker. 

Netflix feiert mit seiner Serie „13 Reasons Why“ („Tote Mädchen lügen nicht“) einen Mega-Erfolg. Doch in Amerika, und nicht nur dort, wird über die Geschichte der Selbstmörderin Hannah Baker gestritten.

Netflix schweigt über Zuschauerzahlen. Man braucht aber keinen Exklusiv-Zutritt in die Statistik des Streamingdienstes, um zu wissen, dass die neue Originalserie mega erfolgreich ist. Gemessen an der Anzahl der Tweets ist „13 Reasons Why“ („Tote Mädchen lügen nicht“) die erfolgreichste Serie des Jahres, schreibt „Werben & Verkaufen“ (W&V) online. Elf Millionen Tweets sollen Fans und Kritiker seit dem Start der Serie verbreitet haben. Auch die Schauspieler haben nachweislich sehr viel mehr Follower auf Twitter gesammelt. Die Serie basiert auf dem gleichnamigen Bestseller, der die dramatische Geschichte von Highschool-Schülerin Hannah Baker erzählt: Hannah wird gemobbt, ihr Ruf ist ruiniert und sie wird sich umbringen. Die 13 Gründe dafür hat sie „oldschool“ auf Kassetten aufgenommen, die sie ihren 13 Mitschülern hinterlässt. Den Selbstmord zeigen die Produzenten in der letzten Episode so realistisch, dass sie manche Zuschauer und Experten entsetzt. 

Hannah Bakers Ruf ist ruiniert. Immer mehr Mitschüler wenden sich von ihr ab.

„Headspace“, eine australische Gesundheitsorganisation, warnt online vor dem „gefährlichen Inhalt“ in „13 Reasons Why“. Die Serie konfrontiere die Zuschauer mit einer detaillierten Suizid-Szene. „Headspace“ befürchtet Nachahmungeffekte, beruft sich dabei auf internationale Forschungsergebnisse. Diese hätten verdeutlicht, dass das Risiko für Selbstmord steige, wenn Menschen diesen Eindrücken ausgesetzt seien. Eine weitere Organisation, „Save“, die sich für die Selbstmord-Prävention stark macht, hat eine Anleitung veröffentlicht, wie Zuschauer die Netflix-Serie schauen sollten. Einer dieser Ratschläge lautet: „Suizid ist nie eine heldenhafte oder romantische Handlung. Hannahs Suizid ist erfunden und soll eine warnende Geschichte sein, nicht heroisch erscheinen und sollte als eine Tragödie gesehen werden.“

Sogar ein Star aus anderer Netflix-Serie warnt Zuschauer vor „13 Reasons Why“

Schauspielerin Shannon Purser, die Barb in der sehr erfolgreichen Netflix-Originalserie „Stranger Things“ darstellt, rät Zuschauern, die Selbstmordgedanken haben oder sexuell missbraucht wurden, keinesfalls „13 Reasons Why“ zu schauen. Auf Twitter verbreitet sie seit einigen Tagen Warnungen und diskutiert mit ihren Followern:

So rechtfertigen die Serienmacher die drastischen Szenen in „Tote Mädchen lügen nicht“

Es schmerzt Clay, die Kassetten seiner toten Mitschülerin Hannah Baker zu hören. 

Netflix hat sicher geahnt, Zuschauer und Experten mit der sehr realistischen Selbstmord-Szene aufzuregen. Denn parallel zur Serie hat der Streamingdienst eine Dokumentation über „Tote Mädchen lügen nicht“ hochgeladen. Darin sprechen der Buchautor, die Produzenten, Hauptdarsteller und Psychologen über die Entscheidung, „13 Reasons Why“ genau so und nicht anders zu zeigen. Jay Asher, der das Jugendbuch „13 Reasons Why“ geschrieben hat, sagt: „Selbstmord ist ein unangenehmes Gesprächsthema. Aber es passiert, also muss man darüber reden. Es ist gefährlich, nicht darüber zu reden, weil es immer Raum für Hoffnung gibt.“ Einer vom Produzententeam, zu dem auch Selena Gomez gehört, sagt: „Es gab Leute, die uns gefragt haben, warum sich Hannah so umgebracht hat und warum wir es gezeigt haben. Es war uns wichtig, nichts Willkürliches zu tun. Wir wollten, dass es schmerzhaft anzuschauen ist, damit man weiß, dass Selbstmord niemals eine Lösung ist.“

Der Autor Jay Asher stellt klar, Hannah Baker sei keine Heldin - und widerspricht damit indirekt dem Vorwurf der Organisation „Save“. „Hannah hätte mehr tun können.“ Sie hätte die Leute weggestoßen und ihrem Vertrauenslehrer zu wenige Anhaltspunkte gegeben. „Das hätte sie tun sollen. Sie war nicht perfekt.“ Hannah Baker (überragend gespielt von Katherine Langford) hätte am Ende die Stärke gefehlt zu sagen, was wirklich passiert ist, was ihr wirklich zugestoßen ist.

Kate Walsh: Mit Selbstmord-Szene „Menschen ehren, die so etwas wirklich durchleben mussten“

Kate Walsh spielt in der Netflix-Serie Hannah Bakers Mutter. 

Kate Walsh (berühmt aus der Krankenhaus-Serie „Grey‘s Anatomy“) spielt in „Tote Mädchen lügen nicht“ Hannah Bakers Mutter. Für sie war die Selbstmord-Szene „der Höhepunkt der Serie, an dem man die Menschen ehren will, die so etwas wirklich durchleben mussten. Man möchte ihnen Tribut zollen und es realistisch darstellen“. Und die Psychologin Dr. Helen Hsu kommentiert: „Es muss gezeigt werden, dass es kein schöner, kein einfacher Tod ist.“

Und die Serie sei auch als Augenöffner für Eltern von Teenagern gedacht. „Cybermobbing hört nicht auf, wenn die Schule aus ist“, sagt die Psychiaterin Dr. Hu Rona von der Stanford University. Die Serie zeige etwas Unvorstellbares für Erwachsene, die so etwas im Teenager-Alter nie erlebt haben. „Erwachsenen ist nicht klar, wie verletzend Cybermobbing ist.“

Achten Sie in der Serie auf Alex Standall (Miles Heizer). 

Der Regisseur Tom McCarthy (er führte zum Beispiel bei „Spotlight“ Regie) sagt: „Während des Prozesses dachte jeder an seine Erfahrungen in der Highschool zurück. Dinge, die wir falsch oder richtig gemacht haben. Da gab es Momente wie ‚Dieser eine Typ. Ich habe das getan. Ich hätte was sagen sollen.‘ Ich hoffe, dass Diskussionen entstehen, wenn die Serie läuft, nicht nur unter Freunden in Schulen, sondern auch unter Eltern.“ 

Und Selena Gomez untermauert dies mit dem Satz: „Wir wollten etwas tun, was Menschen helfen kann.“

Serie „Tote Mädchen lügen nicht“ bekommt von Zuschauern Bestnoten - gibt es Staffel 2?

Die Netflix-Originalserie hat von den Streaming-Abonnenten fünf von fünf Sternen bekommen. Auf IMDB hat die Serie 9,0 von 10. Zum Vergleich: „House of Cards“ hat ebenfalls 9,0, „Narcos“ 8,9 und „Game of Thrones“ 9,5. Auf Google suchen die Fans schon nach Berichten über eine zweite Staffel. Eigentlich ist die Serie zu Ende erzählt. Aber nicht auszuschließen, dass die Macher für Clay Jensen, der in Hannah Baker verliebt war, weitere Episoden schreiben.

8 Netflix-Originalserien, die wir an einem Stück sehen wollen

Netflix, manchmal übertriffst du dich selbst. Du hast TV-Serien entwickelt, die wir an einem Stück sehen wollen. So angefixt sind wir. Liebe User, starten Sie eine dieser Serien nur an einem freien Wochenende.

Video-Trailer zu „Tote Mädchen lügen nicht“ (“13 Reasons Why“)

Generell berichten wir nicht über Selbsttötungen, damit solche Fälle mögliche Nachahmer nicht ermutigen. Eine Berichterstattung findet nur dann statt, wenn die Umstände eine besondere öffentliche Aufmerksamkeit erfahren. Wenn Sie oder eine Ihnen bekannte Person unter einer existentiellen Lebenskrise oder Depression leiden, kontaktieren Sie bitte die Telefonseelsorge unter der Nummer: 0800-1110111. Hilfe bietet auch der Krisendienst Psychiatrie für München und Oberbayern unter 0180-6553000. Weitere Infos finden Sie auf der Webseite www.krisendienst-psychiatrie.de.

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